Sturz mit Load 75

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Grundlegend zum Sturzrisiko mit Load/Longjohn. Hatte schon bei Matsch und Schotter mal rutschende Vorderräder. Das war immer vergleichsweise kontrollierbar. Bei einem normalen Rad macht man sofort einen Abflug, beim Load lässt sich noch was retten. Bin einmal auf dem Lenkanschlag geradeaus gerutscht und konnte den Lenker ohne Sturz wieder gerade ziehen.

Zu meinem Sturz. Ich habe das Verhalten des Hinterrad es bei Glatteis leider doch stark unterschätzt. Während das Vorderrad aufgrund des Spikereifens die Spur gehalten hat, schlug das Hinterrad schlagartig um. Kombiniert mit dem Gewicht des Lastenrades kam hinter die Sache auch gleich ordentlich Schwung. Ich hatte keine Chance mehr ,meine Körperhaltung zu verändern. So bin ich relativ stumpf und direkt auf die Schulter geknallt.

Für das Rad ist es typisch, dass der erste Kontakt genau an der Stelle auftritt, wo bei uns beiden der Schaden zu sehen ist. Mein Rad steht aktuell an der Arbeit, so dass ich keine Bilder machen kann. Sieht aber sehr ähnlich aus.

Zur Situation allgemein. Dies ist aktuell mindestens der 15. Winter, an dem ich mit dem Rad in unserer Stadt unterwegs bin. Vielleicht liegt es daran, dass ich die Nutzung von Spikes immer soweit es geht nach hinten hinaus schiebe. Die Vorhersage für diesen Morgen war mit Plusgraden verbunden. Mein Fehler war es, nicht direkt morgens noch einmal die aktuelle Wetterlage anzuschauen, so dass ich in dem Glauben losfuhr, dass ein Spikereifen vorne für das potentielle Minimalaufkommen von Eis an ein, zwei Stellen ausreichend sein sollte.

Leider gab es trotz Plusgraden erhebliches Bodeneis. Das Besondere an der Wetterlage war, dass das Eis nicht abnahm, sondern zunahm die später es wurde. Zudem fahre ich auf meinem Weg zur Arbeit etwa 150 Höhenmeter nach oben. Meine Frau konnte bestätigen, dass das Eis in die Niederungen noch weiter zugenommen hat. Es war also durchaus eine besondere Situation. An meiner Sturzstelle gab es zudem die Besonderheit, dass der Asphalt dort neu gemacht wurde, und etwas schräger zum Bordstein abfällt als es vorher der Fall war. Ich bin über die Stelle fast ohne Lenkeinwirkung und kaum Schräglage gefahren. Es hat mir also in fast gerader Fahrt unvermittelt das Hinterrad weggerissen.

Schuld bin ich natürlich selber. Vor allem weil ich erst am Abend zuvor mein normales Stadtrat mit guten Spikereifen vorne wie hinten vorbereitet habe. Eine Mischung aus Faulheit und dem Wunsch, am Lastenrad noch ein wenig zu schrauben, brachten mich dazu dieses zu benutzen.

Rückblickend stimme ich damit überein, dass ein Spikereifen auf dem Hinterrad für viele Situationen viel wichtiger ist. Für die kommenden Winter werde ich daher vermutlich dauerhaft einen Spikereifen hinten fahren und bei Bedarf das Vorderrad gegen eines ohne Spikes austauschen.

Mein letzten Gedanken zum Sturz waren dann noch, dass sicher auch der Smart Sam seinen Teil beigetragen hat. Vermutlich hätte mich ein Pick-Up oder ein GT365 nicht so unvermittelt weggerissen. Aufgrund vieler Jahre mit dem MTB bin ich das Stürzen und Handling von Rutschmomenten durchaus gewöhnt. Dieser Sturz war aber so unvermittelt, dass einfach nichts mehr zu machen war. Das ist aber auch nur eine Vermutung, war schon sau glatt dort.
 
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Vermutlich hätte mich ein Pick-Up oder ein GT365 nicht so unvermittelt weggerissen.
Zum PickkUp kann ich nix sagen, den bin ich noch nie gefahren.

Beim GT365 kann ich mich an die Aussage von einem Schwalbe-Mitarbeiter erinnern, dass sie den Reifen besser nur GT360 genannt hätten - weil für 5 Tage im Jahr wäre der nix. Genau so sind meine Erfahrungen, einer meiner 2 Stürze in 5 Jahren mit dem GT365 war auf Eis... :(
Ansonsten ist das aber einer meiner Top-Reifen, an dem ich sonst nix auszusetzen habe.

Bei den Spikern schwöre ich auf die handgemachten finnischen Suomi-Tyres, die mir das Leben absolut sturzfrei gestalten :love: Auch wenn meine gerissene Reifenflanke letztens wohl die Kehrseite der Handarbeit und daraus resultierenden Fertigungsschwankungen ist...aber das ist auch mein Fehler, das hätte ich beim montieren bemerken können/müssen...
 
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Gute Besserung auch von meiner Seite, und ein Gedanke zum Konzept der Winterausstattung an sich.

Nicht mit dem Bullitt, aber mit einer Schwalbe hatte ich einst einen sehr ähnlichen Bilderbuchsturz. Nach überfrierender Nässe wollte ich mir den Berufsverkehr auf noch matschigen Strassen sparen und bin über Nebenstraßen gefahren. Erst sah ich das Glitzern der vereisten Kreuzung vor mir, dann die Funken der Rollerblechverkleidung, beim Sturz auf die Seite und Rutschen über den Asphalt. Klar, die Hauptstraße wäre sicherer gewesen. Jedenfalls: außer einem Schreck war nichts. Ich hatte eine einfache Mopedjacke mit leichter Polsterung und innenliegenden, entnehmbaren Protektoren getragen.

Jetzt mögen launische Kommentare zur übertriebenen Sicherheit, oder SUV-isierung kommen.
Aber vielleicht passt zum Metall am Reifen auch der Protektor in der Jacke?
 
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Heute hat es mich erwischt. Von einer Straße mit trockenem, schwarzen Asphalt auf einen rot angepinselten Radweg nach rechts abgebogen bzw zumindest versucht. Lenker war nach rechts eingeschlagen, aber das Load fuhr weiter geradeaus. Allerdings nicht mehr lange...
Morgen um 8.00 Uhr habe ich einen Op-Termin zum Verschrauben des gebrochenen Schlüsselbeins. Prima!
Immerhin bin ich die 13 km zurück nach Hause noch gefahren. Am Load sind nur ein paar klitzekleine Schrammen. Immerhin.
 
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@upuetz Ich wünsche Dir gute Besserung und vor allem, dass durch die OP alles wieder wie vorher wird. Bin selbst damals (Mitte Okt. 2021) an der OP vorbeigekommen....

Btw, den Weg nach Hause habe ich damals unter Adrenalin und Schmerzen auch noch geschafft.
 
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Oh manno, schöne Sturzparade hier. Das ist echt so übel, wenn das ganze Mobilitätskonzept auf einem Fahrrad beruht. Meine Frau muss jetzt gerade die Hol- und Bringwege alleine machen. Ein Kind muss dort hin, wo es mit ÖPNV kacke ist. Den Weg bin ich sonst gefahren. Für Schnee und Eis hat sie neben dem Load noch ein normales Rad mit Spikes, was sie an den paar Tagen immer nahm.

Damit sie jetzt immer das Load nehmen kann, hat sie es heute zum Radladen gefahren. Und natürlich war wieder so ein dummes Wetter. Aber muss ja schnell passieren. Sie kam zum Glück heil an.
 
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Ich hatte vor ca. 1 Monat nun auch meinen ersten Sturz. Ich selbst Ok, Rad etwas hin, Verdeck auch beschädigt. Letzteres habe ich schon selbst repariert (Neuen Reißverschluss eingenäht).
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Für den Lackschaden habe ich von R+M eine kleine Flasche Lack kostenlos geschickt bekommen. Die Beule werde ich wohl nicht mehr los. Zum Glück hat mein gedtrucktes Teil das meiste abgefangen, sonst würde der Lack noch schlimmer aussehen.

Arbeite für mich schon an einem Schutz, den man hinten am Reflektor vorbei schiebt und dann auch unten am Ständer mit an die Schraube schraubt, sodass genau diese Ecken komplett geschützt sind. Die trifft es am meisten und da ich schon Erfahrungen mit echt scharfen Kannten am Load 60 hatte, will ich da jetzt eher das Material entlasten.
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Ich hatte vor ca. 1 Monat nun auch meinen ersten Sturz. Ich selbst Ok, Rad etwas hin, Verdeck auch beschädigt. Letzteres habe ich schon selbst repariert (Neuen Reißverschluss eingenäht).
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Für den Lackschaden habe ich von R+M eine kleine Flasche Lack kostenlos geschickt bekommen. Die Beule werde ich wohl nicht mehr los. Zum Glück hat mein gedtrucktes Teil das meiste abgefangen, sonst würde der Lack noch schlimmer aussehen.

Arbeite für mich schon an einem Schutz, den man hinten am Reflektor vorbei schiebt und dann auch unten am Ständer mit an die Schraube schraubt, sodass genau diese Ecken komplett geschützt sind. Die trifft es am meisten und da ich schon Erfahrungen mit echt scharfen Kannten am Load 60 hatte, will ich da jetzt eher das Material entlasten.
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Autsch. Spiegelneuronen.

Heftig.
 
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Na ja ...
Nun fangen wir bitte nicht an, Lastenradstürze zu dämonisieren.
Es ist schlimm, dass es jetzt so geballt hier im Forum auftritt, aber wir werden hier auch immer mehr und ich möchte nicht wissen, wie viele Normalräder seit Wochen und Monaten weggerutscht und zu Fall gekommen sind.
Gute und schnelle und folgenlose Genesung für alle Lädierten!
 
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Na ja ...
Nun fangen wir bitte nicht an, Lastenradstürze zu dämonisieren.
Es ist schlimm, dass es jetzt so geballt hier im Forum auftritt, aber wir werden hier auch immer mehr und ich möchte nicht wissen, wie viele Normalräder seit Wochen und Monaten weggerutscht und zu Fall gekommen sind.
Gute und schnelle und folgenlose Genesung für alle Lädierten!
Ums Dämonisieren gehts mir überhaupt nicht.
Aber ich habe das Load75 jetzt seit 4 Wochen und bin also Neuling als Lastenradfahrer, auf der anderen Seite aber seit meinem 5. Lebensjahr Fahrradfahrer (also 60 Jahre lang), später auch Motorradfahrer. Ich habe viel Erfahrung auf zwei Rädern und fühle mich eigentlich wirklich sicher. Ich weiß, dass ich mit meinem normalen Fahrrad diese schmierige Stelle zwar mit Straucheln, aber ohne Sturz bewältigt hätte. Ich hätte das mit 99%iger Sicherheit abfangen können. Mit dem neuen Load 75 war mir das nicht möglich. Da herrschen physikalische Kräfte, die noch nicht in meinem Zweiradspeicher eingetragen sind. Das hat mich ein gebrochenes Schlüsselbein gekostet, aber auch eine neue Erfahrung gebracht, mit der ich mich nun auseinandersetzen muss. Denn das kann ja jederzeit wieder irgendwo passieren.
Also, Frage an die alten Lastenradhasen und -häsinnen: Welche anderen Kräfte wirken bei dem Load 75 durch den langen Radstand bzw. das höhere Gewicht und die zum normalen Rad sehr veränderte Gewichtsverteilung zwischen Vorder- und Hinterrad? Wie stellt Ihr Euch auf die Wintersaison ein? Welche Lastenrad-spezifischeTips könnt Ihr mir geben?
Ich habe gezwungenermassen noch ein paar Tage Zeit, das theoretisch durchzugehen, freue mich aber wie bulle darauf, das jetzt vielleicht auch ein bisschen zu trainieren, damit ich nicht so schnell wieder auf der Straße liege.
 
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