Selbstbau Bilenky/Omnium

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Hallo miteinander, ich bin neu hier, habe aber das Forum bereits seit geraumer Zeit immer mal wieder nach Infos durchforstet. Ich bin ein Maschinenbaustudent aus der Schweiz und habe bisher zwei Tallbikes gebaut, von denen man das eine auch tatsächlich als Lastenrad bezeichnen könnte. Bei Gelegenheit werde ich die Räder vielleicht mal im Hobel-Thread vorstellen. Momentan baue ich an einem sehr langen Long André/Long John, doch mit diesem Lastwagen werde ich nicht täglich herum fahren. Deshalb möchte ich, wie der Titel schon sagt, ein leichtes und agiles Lastenrad im Stile eines Omnium Cargo bauen.

Basisrahmen
Ursprünglich wollte ich einen alten Peugeot-Rennradrahmen als Basis verwenden, doch der ist aus Reynolds 531, also nur "bedingt schweissbar". Für einen Laien wie ich also definitiv nicht schweissbar. Falls es jemanden interessiert, kann ich gerne erläutern, wie man die Schweissbarkeit einer Stahlsorte berechnet. Als Alternative konnte ich ein 90er-MTB auftreiben, ein "Dawes Off Limits". Es besteht aus Reynolds 501, welches laut einem Forumsbeitrag in einem englischsprachigen Forum 25CrMo4 entspricht, also gut geeignet zum Schweissen.

Neues Unterrohr
Als neues Unterrohr habe ich 8 Meter 25CrMo4-Stahl-Rundrohr in der Dimension 40x1.5mm bestellt. Grössere Dimensionen wären mir lieber gewesen, da mit dem 40er-Rohr Probleme mit den Steuerrohren auftreten. Leider war aber 40mm die grösste Dimension mit 1.5mm-Wandstärke. Genaueres zum Steuerrohr später. Ich beabsichtige das Unterrohr direkt am Tretlager zu befestigen und es gerade nach vorne laufen zu lassen, rechtwinklig zu den beiden Steuerrohren. Grundsätzlich die selbe Geometrie wie beim Omnium.

Omnium-Klon1.jpg

CAD
Konstruiert habe ich das ganze Rad in Fusion 360, welches ich leider nur bedingt empfehlen kann, da sich ein Trend zur Streichung von Funktionen für die Gratisversion abzeichnet. Sehr geholfen hat mir folgendes Video von Cobra Framebuilding:
Gezeigt ist noch der Peugeot-Rennradrahmen. Da das ganze Modell grösstenteils parametrisch aufgebaut ist, werde ich die Geometrie auf den MTB-Rahmen später noch übertragen.

Werkstatt
Der Rahmen wird voraussichtlich auf einer bereits existierenden Rahmenlehre aus Aluminiumextrusion aufgebaut werden. Geschweisst wird im WIG-Verfahren, obwohl ich da noch einige Schwierigkeiten damit habe. Ein Tube Notcher (JD2 Notchmaster) ist vorhanden, Rohre können also in beliebigem Winkel ausgeklinkt werden. Kleinere Teile könnte ich bei einem Studienkollegen drehen, ganze Rohre eher nicht.

Probleme mit Steuerrohren
Nun zu den Steuerrohren, welche mir etwas Kopfschmerzen bereiten. Das hintere Steuerrohr (erstes Bild) ist 38mm im Durchmesser und das Unterrohr ist 40mm. Dadurch wird das Unterrohr mit der Bohrung extrem geschwächt. Eine Möglichkeit besteht darin, das Steuerrohr zu trennen und ein kleineres Loch für den Gabelschaft in das Unterrohr zu bohren. Der untere Teil vom Steuerrohr (der Stummel, der unten raushängt) müsste dann irgendwie sinnvoll ausgerichtet unten am Unterrohr angeschweisst werden. Hat hier jemand eine Idee für eine sinnvollere Lösung? Von 1-Zoll-Gabelschäften bin ich kein Fan, deshalb ist 38x2mm meiner Meinung nach das Mindestmass für das Steuerrohr.

Omnium-Klon2.jpg
Omnium-Klon3.jpg


Im zweiten Bild ist das vordere Steuerrohr zu sehen. Hier wollte ich das Problem mit der Rohrverbindung umgehen und zusätzlich etwas Höhe sparen, damit die Ladefläche tiefer zu liegen kommt. Deshalb habe ich hier ein 48x2mm-Rohr eingeplant (48.3x3.2mm, auf richtige Grösse gedreht), damit ich einen Zero-Stack-Steuersatz verbauen kann. Ich bin mir aber nicht sicher, wie gut eine solche Verbindung hält. Vorschläge für andere Varianten sind sehr willkommen.

Gabel
Ausserdem bin ich noch auf der Suche nach einer 20-Zoll-Gabel für das Rad. 1 1/8 Zoll Gabelschaft mit Scheibenbremsaufnahme und am besten kein 2kg-BMX-Monster. Die Schmerzgrenze liegt 100€, eine günstigere wäre aber besser. Ich habe mir überlegt, eine originale Omnium-Gabel zu kaufen, doch die ist schon ziemlich teuer. Babboe verkauft ebenfalls Gabeln, doch hat es nur unglaublich spärliche Informationen darüber und ich könnte mir vorstellen, dass die Gabel etwas zu massiv und schwer gebaut ist für mein hoffentlich einigermassen leichtes Lastenrad.

Ich denke, dieser Thread dient hauptsächlich zur Dokumentation des ganzen Bauprozesses, da ich selbst solche Bauthreads jeweils sehr hilfreich gefunden habe. Ich freue mich aber sehr über Kommentare, Fragen und Vorschläge für Verbesserungen!
 
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Was möchtest Du zur Babboe Gabel wissen?
Hab eine hier und kann gern messen. Kostet 36 Euro, Steuerrohr 146mm x 1 1/8", aber mit Gewinde!
Bei eBay gibt es für 89 die Radlader Gabel. Sonderwünsche wohl möglich. Ich schaue mal, ob ich den Link finde...
 
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Gewicht, Vorbiegung, Einbaulänge, Durchlauf, maximale Reifenbreite und wie lange das Gewinde ist. Notfalls kann man ja auch über das Gewinde klemmen. Einen 1 1/8-Gewindeschneider werde ich mir definitiv nicht kaufen. Was ist die maximale Grösse von Bremsscheiben, welche noch in die Gabel passen?
 
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Was möchtest Du zur Babboe Gabel wissen?
Hab eine hier und kann gern messen. Kostet 36 Euro, Steuerrohr 146mm x 1 1/8", aber mit Gewinde!
Bei eBay gibt es für 89 die Radlader Gabel. Sonderwünsche wohl möglich. Ich schaue mal, ob ich den Link finde...

Die hier?


Leider nicht mehr verfügbar. Vielleicht den Verkäufer einfach fragen, ob noch mehr besorgen kann?
 
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Interessant, bin auch gerade an einem sehr ähnlichen Projekt. ich habe 50x1.5 CrMo Rohre bekommen bei Tennant, da gab es eine Aktion im Velomobil-Forum im Winter. Dafür suche ich immer noch einen vernünftigen, bezahlbaren Rahmen in CrMo...

Das mit den 40er Rohr wird tatsächlich schwierig, wenn Du ein 38er Lenkrohr willst... warum nicht 1", ist doch dort egal und leicher als 1 1/8 ?

Ich nutze zur Konstruktion OnShape, ist voll parametrisch und kostenlos, solange man das Modell frei gibt...

Ich habe eine 20" Titangabel mit 1 1/8 Zoll Ahead in China gekauft, wunderschönes Teil... aber etwas über 100€... ich habe auch noch eine 20" Carbongabel liegen, auch aus China, macht eigentlich einen guten Eindruck...
 

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Ich habe mir vor vier Jahren eine 20" x 1" Gabel bei Bernds in Überlingen am Bodensee gekauft. Kostete damals € 100,- und ist schick!
Glatter Schaft, allerdings ohne Lagersitz, den musste ich selbst auflöten
 
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Das verfolge ich gerne. Exakt das plane ich auch gerade. Allerdings habe ich noch nicht einmal bisher geschweißt. Aber irgendwann ist immer das erste Mal ;)
 
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Interessant, bin auch gerade an einem sehr ähnlichen Projekt. ich habe 50x1.5 CrMo Rohre bekommen bei Tennant, da gab es eine Aktion im Velomobil-Forum im Winter. Dafür suche ich immer noch einen vernünftigen, bezahlbaren Rahmen in CrMo...

Das mit den 40er Rohr wird tatsächlich schwierig, wenn Du ein 38er Lenkrohr willst... warum nicht 1", ist doch dort egal und leicher als 1 1/8 ?

Ich nutze zur Konstruktion OnShape, ist voll parametrisch und kostenlos, solange man das Modell frei gibt...

Ich habe eine 20" Titangabel mit 1 1/8 Zoll Ahead in China gekauft, wunderschönes Teil... aber etwas über 100€... ich habe auch noch eine 20" Carbongabel liegen, auch aus China, macht eigentlich einen guten Eindruck...
Die Tennant-Aktion habe ich gesehen, leider 2 Monate zu spät. Habe bei Schlüter Motorsportshop bestellt, da es mit dem Versand ins Ausland einfacher schien.

Von 1-Zoll-Steuersätzen möchte ich absehen, damit ich nicht zwei verschiedene Lagertypen am selben Fahrrad brauche. Zero Stack und externe Lagerschalen verwenden soweit ich weiss die gleichen Industrielager. Ausserdem möchte ich nicht mit Adaptern herumspielen und 1-Zoll-Ahead-Vorbauten sind auch eher rar. Du hast aber Recht, ich könnte 100g sparen, wenn ich ein 34x2mm-Rohr verwenden würde. 150g sparen könnte ich mit dem 40x1.5mm. ;) Meine Lösung wird vorerst sein, Das Steuerrohr zu trennen und unter dem Unterrohr einen Stummel aufzuschweissen. Dann kann ich die Bohrung 30mm gross machen und das Unterrohr behält mehr Stabilität. So meint zumindest mein Bauchgefühl. Wahrscheinlich werde ich noch zwei kleine Verstärkungsbleche in den Winkeln einplanen.
Im Bild ist es knapp ersichtlich, dass die Bohrung im Unterrohr kleiner ist, als der Stummel.
Omnium-Klon4.jpg



Lieber als OnShape wäre mir, wenn Fusion wieder alle Funktionen hätte, die es einmal für Privatanwender beinhaltete. Bis jetzt funktioniert es noch. Ansonsten könnte ich auch mit 3DExperience/Catia arbeiten (Lizenz vom Studium), nur ist man dort niemals so schnell unterwegs wie in Fusion. Wenn Fusion unbrauchbar wird, werde ich mir OnShape auf jeden Fall anschauen.

Carbon und Titan finde ich auf jeden Fall interessant, jedoch denke ich, dass eine Alu- oder Stahlgabel wohl für diesen Prototypen reichen wird.
 
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die Carbongabel wäre verfügbar, wenn Du Interesse hast...
Man sollte schon ordentlich WIG Schweißen üben, bevor man sich an nen Fahrradrahmen macht, der ja nicht bei voller Fahrt plötzlich nachgeben soll. Weniger wegen der Optik, sondern wegen gutem Einbrand und stabilen Nähten... gerade an den runden Rohren finde ich es durchaus anspruchsvoll... ganz wichtig ist ein guter Schweißhelm, damit man das Schweißbad gut sieht, ich habe mir jetzt den Optrel Crystal 2.0 geholt, ein Quantensprung...
 
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die Carbongabel wäre verfügbar, wenn Du Interesse hast...
Man sollte schon ordentlich WIG Schweißen üben, bevor man sich an nen Fahrradrahmen macht, der ja nicht bei voller Fahrt plötzlich nachgeben soll. Weniger wegen der Optik, sondern wegen gutem Einbrand und stabilen Nähten... gerade an den runden Rohren finde ich es durchaus anspruchsvoll... ganz wichtig ist ein guter Schweißhelm, damit man das Schweißbad gut sieht, ich habe mir jetzt den Optrel Crystal 2.0 geholt, ein Quantensprung...
Mit einer metallischen Gabel bin ich auf der sicheren Seite. Für ein noch leichteres Rad würde ich mir es vielleicht überlegen. In ferner Zukunft würde ich auch gerne mit Alumuffen und konfektionierten Carbonrohren etwas bauen. Dafür fehlen mir aber derzeit die notwendigen Werkzeugmaschinen. Dort würde die Carbongabel gut passen, aber wie gesagt sind das vielleicht 5+ Jahre.

Ich gebe dir absolut recht, schweissen will geübt sein. Nicht umsonst habe ich gleich 8m Rundrohr bestellt.;) Ich musste auch gestern wieder auf MAG umsteigen für das Long André. Beim WIG-Schweissen entstehen bei mir momentan nur poröse Nähte. Leider gibt es unglaublich viele Parameter, welche das beeinflussen können. Vielleicht liegt es am Gerät selbst, eines dieser billigen Stahlwerk-Mopeds. Bisher musste ich den Gasregler tauschen und ein Gasleck im Innern der Maschine beseitigen. Könnte gut sein, dass hier noch mehr Probleme vorliegen.

Meine ursprüngliche Überlegung war, dass ein Schweisskurs teurer ist als ein Schweissgerät. Da ich letzteres sowieso brauchen würde, habe ich mich dann für diese Option entschieden. Für den Omnium-Nachbau werde ich mich noch einmal mit der Problemlösung beschäftigen müssen.
 
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poröse Nähte: zu wenig Schutzgas, Schutzgas wird durch Luftzug weggepustet, Gasdüse teilweise verstopft, dadurch ungleichmäßige Abdeckung durch Schutzgas oder verdrecktes/veröltes Werkstück...

besorg Dir so'n einfaches Messgerät für den Gasfluss, man kann den Anzeigen auf den Druckminderern nicht trauen.... und schau Dir mal die Bohrungen in der Gasdüse an, wenn da Grate sind, kann das den Gasfluss stören. Am besten gleich auf Gaslinsen mit Glas gehen. Und das Werkstück an den Nahtstellen immer blank schleifen und mit Aceton schön sauber machen.

So'n einfaches Stahlwerk WIG habe ich am Anfang auch gekauft: keine Vorströmzeit, keine Anhebung und Absenkung des Schweißstroms, keine Pulsfunktion, kein 4-Takt, kein AC= Spielzeug und Geldverschwendung... für ca. 600€ bekommt man was halbwegs brauchbares....
 
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ich habe noch einen von Stahlwerk mit großer Scheibe (ca. 80€), ist natürlich aus China. Der Optrel ist nicht abgedunkelt wesentlich heller, d.h. man sieht vorher ganz normal, während des Schweißens regelt er die Verdunkelung automatisch, man muss also nicht zwischen 8-12 rumpeobieren, bis es passt, zudem hängt das ja nicht nur vom Schweißstrom ab, wie hell es ist, sondern auch vom Winkel indem man ins Schweißbad schaut, der Abschattung durch den Brenner usw. Mein Gefühl ist, dass ich jetzt endlich das Schweißbad richtig sehe, egal in welcher Position ich schweiße.

Pedal ist sicher auch gut, muss ich mir mal holen, mein Weldinger hat einen Anschluss dafür... was auch sehr nett ist, ich kann am Brenner direkt den Schweißstrom verstellen, ohne zum Gerät greifen zu müssen... wobei das jetzt eher nice2have ist.
 
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mal ne ganz andere Frage:

für mein Omnium Projekt such ich immer nich den passenden Spenderrahmen mit CrMo Rohren

Habe ne 28 Zoll Trecking Rahmen mit "HiTen" also gewöhnlichen Stahlrohren, alles was ich so in 28" mit CrMo / Reynolds 501 finde sind gemuffte Stahlrahmen von alten Rennrädern... hat schonmal jemand Erfahrungen damit gemacht, einen gemufften Rahmen für ein selbst geschweißtes Lastenrad zu nehmen? Wie dick ist das Oberrohr bei so einem Rahmen? Auch wieder oben mit Muffe ?

Gruss
Holger
 
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