Persenninge, Taschen, Abdeckungen aus LKW - Plane selbst Herstellen - so gehts!

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Hallo zusammen,
mit der Verarbeitung von LKW-Plane habe ich mal Erfahrungen beim Bau von zwei Spritzdeckenpersenningen für historische Faltboote für einen Outdoor-Familienurlaub sammeln können - mit der Methode kann man tolle Sachen aus LKW-Plane machen. Zum Beispiel Übertaschen mit Wickelverschluss für Fototaschen.
Wie geht das?
1. Material ist LKW-Plane, ggfs zusätzlich noch Weich-PVC-Profile. Reststücke LKW-Plane kann man bei ebay kaufen, vermutlich auch bei Herstellern von LKW-Planen günstig mitnehmen. Die Methode funktioniert vermutlich nur mit Einschränkungen für gebrauchtes Material.
2. Kleber: Man nimmt dafür UHU Kraftkleber transparent oder Pattex transparent, 1:1 gemischt mit Aceton (fortan "KLEBER"). Der Handel mit Aceton ist in der EU vor kurzen beschränkt worden, vermutlich wegen Tri... ... .. oxid. Bei ebay gab es das noch vor einer Weile. Es muss zwingend die transpartente Version sein!
3. Vorbereitung Klebeflächen: Klebeflächen mit Aceton abwischen. Einmal beidseitig mit Kleber einstreichen, ablüften lassen bis nicht mehr klebrig. Ein zweites mal beidseitig mit Kleber einstreichen, ablüften lassen bis nicht mehr klebrig.
4. Verklebung: Kleber reaktivieren mit Heißluftgebläse, dann fest andrücken, nach Abkühlen ist die Klebung fest. Zum Andrücken eignen sich Gummirollen aus dem Malerbedarf oder Pizzateigrollen. Das Material ist beim Verkleben zu warm, um das einfach von Hand zusammenzudrücken, also Werkzeug vorher herrichten.
5. Tricks: So konstruieren, dass die Klebung nicht nur an einer Kante entlang trägt, sondern flächig, sonst reißt sie Stück für Stück auseinander. Wenn man die Belastungsrichtung nicht genau absehen kann ist es sinnvoll, eine Verstärkung darüber zu kleben. Zuggummis kann man durch Ösen führen. Ecken von Taschen kann man so machen, dass man ein Materialstück gerade abschneidet, das andere mit Keilförmien Ausklinkungen versieht. Für Wasserdichtigkeit muss sich natürlich das durchgehende Material um ein paar Millimeter überlappen. Bei uns hat alles gehalten und ist 10 Jahr später immer noch gut in Schuss.
6. Dran denken: PVC ist kein allzu umweltfreundliches Material, deswegen stark bevorzugt Materialreste verwenden, egal was die Stylpolizei sagt.

Probiert das ruhig mal aus und zeigt, was Ihr zuwege bringt!
Anbei ein Foto von der Baustelle damals. Man braucht oft viel Platz und einen sauberen ebenen Untergrund. Aceton löst Plastik-Teppichboden und Laminat auf bzw. an.
 

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Ach so: Bei Fa. Zölzer gab es damals "Süllrandprofil", ein PVC-Profil, aus dem man einen Ring bilden konnte, wo man dann eine Kajak-Spritzdecke mit Gummizug drübermacht, das kann man auch für "Wartungsöffnungen" für Kleinkindertransport oder dergl. verwenden. Auf dem Bild liegen solche Ringe, passend zu relativ großen Spritzdecken, ferit zum Kleben auf dem Boden.
 

LZ_

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Exzellente Sache, Dankeschön für Anleitung. Hilft mir ungemein weiter da ich endlich weiss womit ich auch Taschen von Ortlieb flicken kann.
Ich weiss das es auch nicht PVC-Material bei den Taschenherstellern gibt....
 
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Ich weiß nicht, woraus die Ortliebtaschen heute sind, würde aber vermuten, dass sie mal mit LKW-plane angefangen haben. Bei Schlauchbooten gibt es PVC mit Gewebeverstärkung und Gummi/Hypalon mit Gewebeverstärkung. Andere Materialien sind für Taschen auch möglich. Die beschriebene Methode funktioniert ausschließlich mit PVC-basierter LKW-Plane. Das Material wirkt hinterher wie verschweißt und die Klebung ist sehr haltbar und sieht sogar noch gut aus. Bei anderen Materialien müsste man ganz neu Versuche anstellen, was funktioniert, mit unsicherem Ausgang. Für gummiartige Planen gibt es 2-Komponenten-Kleber, das wäre ein erster Ansatz.

Ich würde aber tatsächlich einfach PVC-Reste nehmen: Einfach und bewährt zu verarbeiten, man bekommt ein Produkt, dass dann seine Leistung erbringen wird. Hypalon ist abriebbeständiger und viel teurer, aber das wird man bei einer normalen Plane nicht ausnutzen.
 
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Die Standard-Tasche von Ortlieb ist nach wie vor PVC-basiert. Daneben bieten sie ja auch explizit PVC-freie Taschen an.
 
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Danke für den Beitrag. Ich wusste bisher nur von der Methode mit der Heißluftpistole. Hast du damit auch Erfahrung sammeln können?
 
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Ja genau. Hier zu sehen zum Beispiel:

Der direkte Vergleich zu der von dir oben beschriebenen Methode bezüglich Haltbarkeit würde mich ja mal interessieren.
 
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Schweißen mittels Heißluft ohne Vorbehandlung, außer reinigen, ist Stand der Technik beim Herstellen von Planenaufbauten für LKW, Hänger und dergleichen.
Wir haben erst im Sommer für unsere T4 Doka einen Planenaufbau gebaut. Den haben wir auch direkt verschweißt.
Also zwei Bekannte die in dem Gewerbe arbeiten. Heißluftfön und Andrückrolle (Druck ist beim Kunststofffügen einer der entscheidenden Faktoren.)

Schöne Grüße
mule

P. S. zur Haltbarkeit: würde sagen, wenn die Schweißung richtig ausgeführt ist, ist die Haltbarkeit höher, da kein Fremdmaterial eingearbeitet wird. Und rein der Basiswerkstoff gefügt wird.
 
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Ich habe es nur mit der Vorbehandlung gemacht. PVC lässt sich grundsätzlich verschweißen, ich würde mir da aber bei LKW-Plane wenig versprechen, weil das ja ein steifes Gewebe mit dann warm flüssig werdendem PVC ist. Das dürfte schon so gut wie kaputt sein, bis es anfängt zu verschweißen. Man hat nur das kleine Temperatur- und Zeitfenster, in dem es innen auf Schweißtemperatur und außen noch fest genug zum Rollen ist. Hier ist ein Video, das dass näher zeigt:
 
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Ortlieb schweisst mit Ultraschall.
Ich habe mal bei ebay einen Maschinenschraubstock gekauft und selbst abgeholt. Das war ein Firmengebäude von der Größe einer freiwilligen Feuerwehr oder so, drei Leute habe ich da gesehen. Die zählten zu den Weltmarktführern für Ultraschallschweißen mit großen Werken in den USA und China. Das Verfahren habe ich mir natürlich vorführen lassen und fand es klasse, ich kann mit vorstellen, dass PVC-Plane-Schweißen damit kinderleicht ist. Als Handgerät dürfte das kleiner als ein Haushaltsstaubsauger sein. Die hatten vorher auch ein paar Geräte bei ebay vertickt...
 

LZ_

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Das Verfahren ist recht simpel, aber die Abstimmung der Frequenzen und Energiedichte ist ein recht aufwändiges Herantasten. Sobald zwei verschiedene ( Material- ) Stärken verschweisst werden wird es herausfordernd. Richtig teuer sind die Werkzeuge dafür: es ist nicht immer eine gerade Kante in Standardlänge.
Der Folienbeutel im Haushalt ist eine gänzlich andere Kategorie ;-)
 
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Hmm - schade, ich wollte gerade mein ganzes Werkzeug abstoßen und alles nur noch schweißen - dann lasse ich das mal lieber!:ROFLMAO:

Vorgeführt hatten die mir das Verschweißen von Filtern für Kaffeemaschinen oder so und das Verbinden von Aluminium-Gestell mit Kunststoff-Gehäuse von Außenspiegeln.
 
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Man könnte auch einfach PVC Planen Quellschweißmittel nehmen und somit richtig machen. Das klebt nämlich nicht sondern verschweißt. Das hält dann auch.
 
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Ich habe es nur mit der Vorbehandlung gemacht. PVC lässt sich grundsätzlich verschweißen, ich würde mir da aber bei LKW-Plane wenig versprechen, weil das ja ein steifes Gewebe mit dann warm flüssig werdendem PVC ist. Das dürfte schon so gut wie kaputt sein, bis es anfängt zu verschweißen. Man hat nur das kleine Temperatur- und Zeitfenster, in dem es innen auf Schweißtemperatur und außen noch fest genug zum Rollen ist. Hier ist ein Video, das dass näher zeigt:
Ich schweiße regelmäßig LKW Planen mit Heißluft, mehrere hundert Quadratmeter für unsere Bühnendächer. Ist so ziemlich das einfachste Verfahren der Welt wenn man sich nicht anstellt. Man braucht lediglich einen guten, regelbaren Heißluftföhn mit Düsen, ein Infrarotthermometer und Andrückrollen. Der Profi nimmt den Leister Triac ST und für die Dachplanen habe ich noch einen Uniplan 500 Schweißautomat.
 
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Infrarotthermometer
Misst Du auf der Seite, wo man rollt oder da wo verschweißt wird, und welche Temperatur ist richtig?

Bei dem Quellschweißkleber werden die beiden Seiten aber bei feuchtem Kleber zusammengebracht, oder? Ich fand es sehr praktisch, die Plane vorher ganz trocknen gelassen und dann von außen wieder zu aktivieren, wenn alles passend in Position ist. Das fand ich nämlich bei dem von mir beschriebenen Verfahren sehr hilfreich für ein einigermaßen sauberes Ergebnis ohne Vorerfahrung zu haben und für die Kleinteiligkeit meiner Verklebungen. Es ging da ja nicht um viel Fläche, sondern um ca. 30 Klebungen auf nur 2 m² Fläche oder so. Die Festigkeit ist so, dass man nicht die Klebefuge auseinanderreißt, sondern das Material auf einer Seite vom Gewebe abreißt, das ist schon ziemlich ordentlich. Es dauert aber viel länger, als direkt zu verschweißen.
 
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300-400°C kommt auf die Materialstärke an. 350°C ist ein guter Wert für den Anfang. Gemessen wird da wo die Luft austritt. Billige digitale Heißluftgebläse (damit meine ich auch 150€ Steinel Geräte) lügen wie gedruckt, daher bei denen immer messen bevor man loslegt.
 
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Meine Faszination für Planenrecycling war gewissermaßen berufsbedingt: Textillehrer.
Hat sich erledigt, auch als wiederverwertbares Produkt wegen der hormonähnlichen Wirkung der Weichmacher
Für mich nicht akzeptabel, weder als Unterrichtsgegenstand und schon gar nicht als Kinderverdeck...
Beim Verschweißen entweicht ein erheblicher Teil der Phtalate (wohin wohl?) und das Material versprödet.
Planen-Pvc enthält ca 30% (!) Weichmacher.
Nur so zum drüber Nachdenken.
Selbst aus Resten was machen ist sicher weniger schlecht als neu kaufen.
Gruß Krischan
 
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