Mobilitätselite oder doch irgendwie SUV-Fahrer?

Sind wir wirklich eine Mobilitätselite oder sind wir (irgendwann) nur noch die SUVs der Fahrradcomunitiy?
Diese Frage stellte @holzwurm in der Presseecke und regte an, sie in einem eigenen Thread zu diskutieren. Wohlan denn ...

Meine Meinung: Klar sind die meisten Lastenräder deutlich größer als „normale“ Fahrräder, sie nehmen auf den oft zu schmalen Radwegen überproportional viel Platz ein, sind schwerer zu navigieren und insgesamt weniger handlich.
Andererseits ist ihr Nutzwert auch deutlich größer: Sowohl dem Volumen als auch dem Gewicht nach erlauben sie ganz andere Transportmengen als normale Räder. Und sie tun das deutlich umweltfreundlicher als die Autos, die sie weitgehend ablösen können.
Und weil man sich auf ihnen bewegen muss, sind sie auch der Gesundheit ihrer Fahrer höchst zuträglich.
Von „Mobilitätselite“ möchte ich trotzdem nicht sprechen: Zu der zählt für mich jeder, der unnötige Autofahrten bewusst vermeidet.
Was denkt ihr?
 
Ich habe mir darüber in letzter Zeit viele Gedanken gemacht. Wir haben zwei Long Johns und ich habe mir einen Hinterher Anhänger nachgebaut. Bei Lastenrädern würde ich von SUV´s der Fahrradcommunity sprechen. Da kann ich am meisten Parallelen ziehen. Ein SUV brauchst du in aller Regel nicht mehr, als was du mit dem normalen PKW nicht auch erledigen kannst. Also mit nem normalen Fahrrad kann man ziemlich viel beschicken, dafür braucht man dann Zubehör. Außer Frage bist du mit nem normalen Rad deutlich wendiger und sportlicher Unterwegs. Von Bremen gesprochen, auch nicht so die Parkprobleme. Es gibt sportliche Lastenbikes, alla Omnium, jedoch finde ich, beim Lastenbike eher von SUV zu sprechen, als von Mobilitätselite
 
Hi @Tomcat1960 - ich denke so wie Du! Ich habe das Wort Mobilitätselite in threads hier allerdings eher augenzwinkernd verwendet.

Die Verkehrswende, irgendeine der vielen möglichen, steht an. Derzeit wird Vielfältiges gleichzeitig ausprobiert, von dem die Entwicklung auf lange Sicht noch unklar ist. Bei den Fahrrädern, egal ob Lastenrad oder "normal", muss man immer die Wege und Flächen mitdenken, da es sich um ein System handelt. Sollte die Infrastruktur ordentlich nachziehen, dann sehe ich bei einer Vervielfachung von Cargobikes im öffentlichen Raum kein Problem. So, wie es zur Zeit aussieht, würden bei einer nur Verdoppelung der Anzahl von (Lasten-) Rädern, zumal bei entsprechend intensiver Nutzung, bald Probleme mit Verkehrswegen und Parkplätzen (Anschließmöglichkeiten) auftreten. In meinem Umfeld würde ich das so beurteilen.

Ja, jeder Weg unter Verzicht auf einen Verbrennungsmotor bringt die Sache voran! Heute früh brachte ich die Kinder zu Fuss zur KiTa und die Entschleunigung hat mir Spass gemacht. Regenwetter egal, Verspätung egal.
 
Ich halte den SUV <-> Lastenrad Vergleich für wenig passend.
Die allermeisten SUVs bieten im Vergleich mit gleichgroßen "normalen" PKW im Regelfall nicht mehr Platz zum Transport (manche sogar weniger). Das ist aber der Kernunterschied zwischen Lastenrädern und konventionellen Rädern.
 
Nun ja - es gibt SUVs und normale SUVs. Habe seinerzeit bewußt den Range Rover mit Top Motorisierung gekauft - nur damit lassen sich vernünftig Anhänger mit bis zu 3,5 Tonnen Last ziehen. Der Innenladeraum ist bei umgelegter Rücksitzbank fast so groß wie beim Vaneo oder kleinen Sprinter. Auf langen Strecken mit gutem Komfort, Luftfederfahrwerk bügelt Unebenheiten gut weg, Geländetauglich ist die Karre auch - für mich eine rein praktische Auswahl.
Der vergleichbar große BMW oder Audi SUV hat deutlich weniger Innernraum Ladefläche, ist auch nur bedingt geländegängig - bietet dafür ein mehr an Luxus im Innenraum.

Ansonsten sehe ich Cargoradler eher als praktische Fahrradfahrer die vernünftig und gut den gebotenen Laderaum ausnützen und dennoch keinen übertrieben großen Parkplatzanspruch haben.
Schliesslich lassen sich Kinder, Tiere, Waren, Werkzeuge usw. leicht und gut transportieren.
 
Ich halte den Vergleich von Lastenrädern mit SUVs für schlichtweg falsch. Im Zweifelsfall ist jedes Fahrrad mehr, besser als ein Auto. Letztlich sollte jede und jeder für sich selbst entscheiden, welches Transportkonzept zum jeweiligen Lebensstil am besten paßt. Das geht nicht, ohne es auszuprobieren und ohne Irrwege leider auch nicht.
 
Zuletzt bearbeitet:
Hej Forumer,
ich finde den Vergleich von Lastenrad und SUV nicht wirklich passend, auch wenn es viele Gemeinsamkeiten der beiden Fahrzeuge in ihren Kategorien gibt (beide sind vergleichsweise länger, breiter, schwerer usw. gegenüber "normalen" Autos/ Fahrrädern)...

:unsure: Bezüglich einer Argumentation Lastenrad oder SUV fällt mir noch ein, das es meiner Meinung nach Lastenräder deutlich länger als SUV gibt. Zumindest in NL und DK gehören Lastenräder schon ewig zum Alltag im Straßenverkehr. Wahrscheinlich auch schon deutlich länger als es SUV gibt...

...ändert aber nix an meinem Gefühl, das "Äpfel und Birnen" verglichen werden....

und natürlich würde ich mir gerne mehr Lastenräder als SUV im Straßenverkehr wünschen! ;)

Gruß
derbonsai
 
Manche (sogar recht viele) werben sogar damit: http://cargocycling.org/

In NL hat sich der Vergleich etabliert, siehe https://www.tandfonline.com/doi/full/10.1080/14649365.2018.1489975

Arne Behrensen dazu: https://www.cargobike.jetzt/suv-und-statussymbol/

Sehr witzig auch: https://thesalonette.de/lastenrad-und-saddlebag/
(Die Frau fährt offenbar immer noch kein Lasti, sonst hätte sie wohl dazu geschrieben.)

----

Ich persönlich finde den Vergleich zwar so direkt unangemessen, aber zB bzgl. der Nutzung als Statussymbol und eine gewisse Sicherheit verleihendes Verkehrsmittel ergeben sich durchaus strukturelle Ähnlichkeiten. Innerhalb ihrer Klasse (Fahrräder) ist der Vergleich auch ziemlicher Quatsch, da sind sie eher mit Nutzfahrzeugen vergleichbar. Die Suffies dort sind eher im Bereich E-MTBs zu vermuten - wobei selbst diese bedeutenden (Gesundheits)Nutzen stiften können.
 
Zuletzt bearbeitet:
Ich sehe auch eher die Parallele zum Nutzfahrzeug (im Sinne von nützlich für die vorliegenden Transportaufgaben) . Unser Nutzfahrzeug ist ein Dacia Dokker.
Bezüglich Mode halte ich es wie mit meiner Kleidung. Seit fast 30 Jahren trage ich Holzfällerhemd und Jeans. Modewellen in diese Richtung sitze ich stoisch aus und fülle meine Vorräte auf.
Will sagen: Lastenrad passt für mich in meinen Alltag, da kann es mir egal sein ob es gerade hip oder total out ist. Zur Mobilitätselite zähle ich mich nicht.
 
Wenn man schon Vergleiche ziehen will sollte man das Lastenrad bitte mit dem Bulli vergleichen. Größer, breiter und schwerer als normal aber nützlich. Für Familie (Kinderwagen, Koffer und okaayyy nicht weinen ich lass die Luft nicht aus deinem Gummitier.) und alle Handwerker Weltenbummler etc. Nützlich eben. Sofern einer ein Lastenrad baut das so groß ist wie ein bakfiets und dafür eine Zuladung hat wie ein Brompton vergleich ich's auch gern mit nem SUV.
 
Es geht nicht um das SUV, das kann für einige wenige ein tolles Werkzeug sein, dass ggf. sogar größere Fahrzeuge ersetzt.
Das was die Mehrheit der SUV Nutzer macht ist eine Zweckentfremdung, sonst nix. Wenige finden es gut und profitieren von der Sache, auch wenn es nur das gesteigerte Selbstwertgefühl ist, der Rest leidet unter der Zweckentfremdung.
Wird ein Lastenrad sinnvoll genutzt ist alles gut. Wird es zum Statussymbol ohne echten Mehrnutzen gegenüber einem normalen Fahrrad, wird es zu einem Zweckentfremdeten Transportmittel und teilt das Schicksal des SUV
 
Ich habe zu der Behauptung, das Lastenrad sei das SUV unter den Rädern im Pedelec-Forum einmal etwas sarkastisch geschrieben:
 
...vorweg schicken muss ich, das ich gern mal Begriffe wortspielerisch aufdrösele, aber: ein Lastenrad ist doch DAS SUV schlechthin! Eben ein sportliches (meint Bewegung förderndes) vielseitiges Fahrzeug :) wogegen z.B. ein Touareg eigentlich nur ein Passat mit großen Rädern ist und im Prinzip nur die Funktion einer Profilneurosebewältigungseinrichtung hat, oder..? ;)
Aber ich sage ja auch gern zum Kangoo etwas provokativ 'Sportwagen', weil er eben so nützlich für den Sport ist und Kayaks, Mountainbikes und Surfausrüstungen transportieren kann - und nicht etwa ein Porsche 911, in den nichtmal eine Golftasche vernünftig reinpasst... :D
 
...ah, jetzt hab ichs auch gesehen - ich sollte öfter mal die Seite neu laden... :p
Zu dem Platzbedarf eines Lastenrades kann ich nur sagen, dass ich mir insgeheim wünsche, das jeder zweite mit einem Lastenrad in der Stadt unterwegs ist und so die Stadtplaner endlich merken, das dem Rad- und Fussverkehr mehr Platz einzuräumen ist - der Druck der Strasse, sozusagen... :)
 
Mobilitätselite und (Pedal-)SUV für Lastenräder und deren Fahrer sind beides provozierende Begriffe. Und auch für mich trifft die Bezeichnung Sport-Utility-Vehicle eigentlich eher auf ein Fahrrad / Lastenfahrrad zu, als auf ein übergroßes KFZ. Der Begriff (Pedal-)SUV bildete sich ja nur, weil ein Vergleich von Fahrrad zu Lastenfahrrad gesucht wurde und da bot sich leider nur der Vergleich Auto zu großes Auto (SUV) an. Ein Vergleich von Kleinwagen zu Transporter klingt halt nicht so spektakulär und provozierend.
Und ja, irgendwie sind wir schon eine Elite. Man könnte uns auch Early-Adoptor nennen, denn noch sind Lastenradfahrer jeder Couleur eher selten zu sehen, auch wenn es mehr Lastenräder auf den Straßen werden. Wobei der Begriff Elite in deutschsprachigem Raum eher negativ besetzt ist. Vielleicht sind wir eher ein elitärer Kreis, der Lastenräder benutzt und damit eine kleinen Vorsprung gegenüber Anderen haben, die diesen Lernprozess, den wir zum Teil vor etlichen Jahren schon durchgemacht haben, noch machen müssen.

Zumal ja auch jede irgendwie geartete Gruppe sich darauf beruft, das Nonplusultra zu haben / zu machen und alle anderen draussen sind quasi doof.

Ich finde Lastenrad fahren, neben dem ich-kann-alles-transportieren-Effekt, halt unheimlich cool und dem Zeitgeist entsprechend. Ein Sportwagenfahrer (nicht der Kangoo von @Hof2 ;) ) findet sich auch unheimlich cool mit seinem KFZ und versteht die Welt nicht mehr, wenn das auf einmal angezweifelt wird. Statussymbole ändern sich ab und an.....

Nichtdestotrotz gibt ein elitärer Kreis ja auch ein Zusammengehörigkeitsgefühl. Noch grüßen sich zumindest die (wenigen) Lastenradfahrer hier in Düsseldorf mindestens mit einem kurzem nicken. Quasi, wie früher die Ente-Fahrer in der Achtzigern oder die Bulli-Fahrer oder die damaligen Käfer-Fahrer.
 
Na ja - das Grüßen ist in der Ulmer Region unter den Lastenradlern eher unausgeprägt - die meisten registrieren gar nicht den umliegenden Gegenverkehr und fahren grußlos möglichst fix vorbei.
Sind dann meistens irgendwelche Kurierfahrer die Futter, Pakete oder sonstwas transportieren.
 
Wenn Du in Berlin andere Lastenradfahrerinnen und Lastenradfahrer zu grüßen versuchst, kriegst Du eher selten ein Lächeln zurück. Muß was mit dem Klima hier zu tun haben ;-)
Stimmt. Ich tippe auf großstädtische Coolness (oder das, was man dafür hält). Außerdem sind die Berliner doch bekannt dafür, den ganzen Tag lang gehetzt zu wirken, aber dennoch nichts auf die Reihe zu bekommen. ;)
 
Oben Unten