Seilzuglenkung am Long John, ein Baubericht

Hallo,

da ich hier nicht nur wissen abschöpfen möchte und es hier schon so viele Selbstbauten dazu gibt und ich als Newbie dazu sicherlich nicht viel interessantes beitragen kann, dachte ich, kannste ja mal was über meine Seilzuglenkung berichten. Das Lastenrad ist für mich ein Versuchsträger. Es macht mir viel Spaß und ich will daran testen was geht und was nicht. Daher nicht wundern, wenn ich Teile mehrfach in unterschiedlichen Ausführungen kaufe. Manchmal muss ich etwas in der Hand halten um damit zu konstruieren und manchmal will ich verschiedene Dinge testen um mir das bessere heraus zu suchen. Eben Erfahrungen sammeln. Letztendlich wollte ich mal ein Upcicling Rad bauen, dann ein low Busget Bike und jetzt bin ich doch bei recht viel Geld gelandet. Da es für mich aber auch ein Test sein soll, wie es in meinen Alltag passt, wollte ich es dann doch etwas besser passend haben. Denn wenn ich es, weil ich auf den Preis und weniger auf alltagstauglichkeit bei Komponenten oder der Bauweise lege und das Lastenrad dann für mich nicht tauglich einstufe, fasse ich sowas erstmal nicht wieder an und dann komme ich vermutlich erstmal gar nicht vom PKW weg. Das mal so zum Hintergrund, damit ihr das nachfolgende besser für euch einsortieren könnt.

Nun zur Lenkung selbst. Es wird eine redundante Seilzuglenkung die mir ein Lenkeinschlag von etwas über 90° ermöglichen soll. Das reicht beim Rangieren und Einparken aus. Technisch wäre mehr möglich. Weiter wird sie einen Lenkanschlag bekommen, damit die Lenkung begrenzt ist und die Seile auf den Trommeln nicht so weit abgewickelt werden, das der Zug direkt auf die Klemmen wirkt und das in einem ungesunden Winkel. Seile sind da etwas empfindlich, wenn sie geknickt werden, bzw über scharfe Kannten gespannt werden. eine scharfe Kannte definiert sich dabei das der Radius der Kannte kleiner dem durchmesser des Seils ist. zumindest bei Hebezeugen. Ich denke mal Physik ist da immer gleich, also übernehme ich das mal so. Ein Mindestbiegeradius ist auch zu beachten. Da ich keine Umlenkrollen habe und mein Rohr, welches die Seiltrommel bildet 60mm Außendurchmesser hat, für mich uninteressant, da übererfüllt.

Verwenden möchte ich entweder 2,5-7x7 mittelweich oder 2,5-7x19 weich in Edelstahl. Die Zahlen stehen für den durchmesser in mm und wie viele Stränge und us wie vielen einzelnen Litzen jeder Strang besteht. Ich konnte mich nicht entscheiden also habe ich beide gekauft. Die Hüllen der Bowdenzüge sind spiralförmig verseilt mit PTFE Liner und nicht längsverseilt wie bei den Schaltzügen. Ob die geringere Steifigkeit sich im Fahrverhalten niederschlägt weiß ich nicht. Der Preis ist so dermaßen unterschiedlich das ich es da gerne auf einen Versuch ankommen lasse. Ich habe 1,5€/m bezahlt und längsverseilte kosten bei bowdenzug24 ab 10€/m aufwärts. Der Rest ist mir da auch zu teuer aber momentan die einzig mir bekannte Quelle für längsverseilte Hüllen für 2,5mm Seile.
Die Hüllen, Nippel, Spanner und Klemmen habe ich vom www.cable-shop.nl Der Versand ist abartig teuer aber die Sachen sind top und preiswert. Der Web shop funzt nicht auf dem Smartphone und ist auf dem Desktop auch scheiße. Die Seile habe ich von Ebay.

Letztendlich wird die Lenkung so unspektakulär wie am Kargon und anderen. Ein Seil wird mit ca 180° Umschlingungswinkel um ein Rohr gewickelt, eines CW und eines CCW. Dreht man den Lenker wird das Rohr gedreht und auf der einen Seite wickelt sich das Seil auf und auf der anderen wickelt es sich ab. An der Gabel ist das selbe noch mal verbaut und so werden die Lenkbewegungen vom Lenker an die Gabel übertragen. Die Seilführung wird dabei durch Bowdenzüge ohne Umlenkrollen realisiert. Ich halte die freien Seillängen kurz. Das mache ich aus 3 Gründen. Mehrere Hersteller machen das auch so. Ich versuche meistens mich da etwas an kommerziell erfolgreichen Modellen zu orientieren, wenn ich endlich tief in der Materie stecke um einen Anhaltspunkt für erste Versuche zu haben. Zweitens ist eine Lange Hülle wie eine Wurst, sie hat nur zwei Enden an denen Dreck in die Hüllen gelangen kann. Stückel ich das, habe ich mehr Enden wo Dreck die Bowdenzüge lahm legen kann. Also vermutlich etwas langlebiger und oder weniger innere Reibung. Drittens mehr innere Reibung, entgegen zum vorherigen Punkt meine ich damit etwas mehr Dämpfung. Bei meinen Recherchen bin ich auf ein Video gestoßen, bei dem die Dämpfung der Seilzuglenkung positiv aufgefallen ist und das ohne Lenkungsdämpfer. Als Komfort Fan fand ich das eine spannende Aussage. Wenn mir das nicht gefällt, kann ich bei meiner aktuell geplanten Verlegung der Bowdenzüge ca die Hälfte, also fast den gesamten Weg unter der Ladefläche so umgestalten, das ich da keine Hüllen brauche. Dadurch sollte sich die Steifigkeit erhöhen und die Reibung im Neuzustand gesenkt werden. Hinten geht es am Anfang der Hülle berg auf, da kann kein Wasser rein, vorne weiß ich noch nicht genau wie es werden wird, da habe ich mit dem bauen noch nicht angefangen. Ich will aber Versuchen es da auch erst etwas bergauf laufen zu lassen, damit da kein Wasser und damit Dreck rein laufen kann, sondern nur mit dem Seil rein gezogen werden kann. Ich habe leider keine Abstreifer gefunden, die das etwas in Grenzen halten, ähnlich die gedichteten Endkappen bei Schaltzügen.

So dann fehlt noch etwas zum Seile spannen. Es gibt ja die Spanner die man wo reinschrauben kann und beim rein oder raus schrauben die Spannung verändern kann. Die Dinger mag ich mal so gar nicht. Habe ich aber als Backup auch gekauft. An bestimmten Stellen habe ich Endkappen die von 8mm außen auf 5 bzw 6mm gehen. 5mm ist auch das Kernloch von M6, welches diese Spanner haben. Da kann ich also bei bedarf an den enden, wo das Seil dann in den Bowdenzug rein geht, bzw raus kommt, statt den auf 5mm verjüngten Endkappen verbauen. Ansonsten ist erstmal geplant die Hülle zwischen 2 Haltepunkten zu trennen und einen Spanner dazwischen zu setzten. Ist doof zu beschreiben, also schaut auf das Bild.

Kommen wir zum spannenden Teil. Da ich das Seil redundant ausführe, werde ich es an der Gabel doppelt durch die Klemmen legen ohne es dort zu trennen. An der Lenkerseite werde ich es von Hand vorspannen und durch noch nicht vorhandene Löcher in der Seiltrommel nach innen Stecken, damit man nicht dran hängen bleibt. Gespannt wird mit Brücken, Bügeln, keine ahnung wie so etwas genau heißt. Wer schon mal Kabel aufgelegt hat wird sowas sicherlich schon mal gesehen haben. Dazu habe ich also Schlitze in meine Seiltrommel geschnitten, in die die senkrechten Seiten greifen und so dem Seil eine Führung verpassen. Das Seil kann nun nicht mehr beim klemmen heraus rutschen. Bei der Hebetechnik sind solche Klemmen nicht erlaubt. Nur am Ende des Seil einer Seiltrommel mit min 3 Restwicklungen auf der Trommel. Kann ich hier nicht realisieren. Das fand ich so am einfachsten zu bauen. Da ich 2 Seile pro Richtung habe, also auch 2 Klemmen. nicht das eine einzelne Schraube für zwei Seile alleine zuständig ist. Alternativ wollte ich 12er Hydraulikleitung, die ist Nahtlos, auf die Seiltromel schweißen und quer durch ein Loch bohren, wo man das Seil durch stecken kann und in das Rohr mit 9mm Innendurchmesser dann einen von diesen runden Nippeln mit Klemmschraube stecken. Das Loch muss so positioniert sein, das das Seil da in einem Winkel tangential zum Mantel des Rohres raus kommt. Viel zu viel fummelei und ich mag nicht, das man die Nippel beim klemmen nicht gegen halten kann und das Seil dann auf Scherung belastet wird. Ein Schlitz im Rohr zum einfädeln geht nicht, da man so die Seile nicht vorspannne kann und der Weg der Seilspanner zu kurz ist.

Rein nur aus Designgründen habe ich mich für schwarze Anbauteile und alles was Kabel, Hydraulikleitungen und Bowdenzüge angeht wird rot. Wie das Rad später lackiert werden soll steht aktuell noch nicht fest.

Ja, das war es jetzt mal so im einzelnen dazu. Bei mehr Baufortschritt auch hier mehr. Und jetzt mal los, bin auf eure Meinungen und Anregungen gespannt.

Grüße Sebastian
 

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So, noch ein paar Bilder.

Ich hätte gerne Untertiel dazu geschrieben, scheint aber nicht zu gehen. Also mal so, damit ihr auch was mit den Bildern anfangen könnt.

Einfach mal ein Bild von dem ganzen Bowdenzug Material, damit man mal sieht was für einen Haufen ich mir da angetan habe.

Das zweite da sieht man die originalen Klemmen. Die Bügel davon habe ich weiter benutzt. Bin aber am Überlegen mir noch welche aus edelstahl zu machen, da mein Seil und meine Seiltrommel auch aus Edelstahl sind. Weiter sieht man dadrauf auch noch die endhülsen mit Verjüngung auf 5mm und etwas von der Hülle. Das war ein Test ob sie auch so dicht zusammen passen. Es passt nicht genau aber genau genug.

Beim dritten bild sieht man den Spanner den ich verwenden möchte.

Bild vier und fünf zeigen eine der Seiltrommeln mit den schlitzen in denen die seitenteile der Bügel kommen. Die Schraube ist M5 und die einschraubtiefe ist nicht ausreichend. A4-70 schrauben haben 4,8Nm anzugsmoment, mit 4Nm habe ich es mal getestet und es klappt. Es werden sogar die Seile in das Gewinde der Schraube gedrückt und dabei beschädigt. Beim finalen Aufbau werde ich daher das Gewinde unterhalb des Kopfes entfernen und so eine besondere form der Schaftschraube schaffen.

Sechstes Bild. Hier kann man mal den deutlichen Unterschied von einem 2mm und den 2,5mm Seilen sehen. Auch auf dem Papier ein deutlicher unterschied aber in echt doch deutlicher wie in meiner Vorstellung.

Siebtes und achtes Bild zeigen die Seiltrommel an der Gabel.

Bildchen 9 und zen sind die Seiltrommel am Lenkerende mit der Platte zur Aufnahme der Bowdenzüge. Da ist auch ein möglicher Punkt mit dem angesprochenen Plan B für 6mm Gewinde und die anderen Spanner.

Bild 1 aus diesem Beitrag oder 11 wenn ich fortlaufen zähle bis Bild 13 zeigen das Blech wo die Endhülsen rein kommen, das am Ende wo der Lenker ist sein wird.

Ich bitte die leichte Unübersichtlichkeit mit den Bildern zu entschuldigen.

Grüße Sebastian
 

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Hallo,

weil ein Schaltzug 1,2 -7x7 ist und ein Bremszug 1,5-1x19, selten 1,6mm. Mit einer mindestbruchlast von 1,85kN. Meine Seile sind 2,5mm. Das ist einfach viel belastbarer. das 2,5-7x7 hat eine mindest Bruchlast von 3,52kN und das 2,5-7x19 von 3,25. Dann habe ich noch die Option, wenn das nicht lange oder gar nicht hält, ohne umbauten auf ein 2,5-1x19 mit 5,,16kN Bruchlast zu gehen.
Das Kargon hat noch viel dickere Seile aber dafür nicht redundant. Hätte ich auch gerne gemacht aber 2,5mm war das dickste was ich preiswert bekommen konnte.

Grüße Sebastian
 
Hast du nachgerechnet, daß1,85kN zu wenig ist, oder ist das nach Gefühl? Ich persönlich fände es charmant, normale Ersatzteile verwenden zu können, und würde durchaus konstruktiven Mehraufwand dafür in Kauf nehmen (wenn ich sowas bauen würde)
 
Hallo,
Was verwendet denn douze für Züge?
Die Konstruktion hat je durchaus Ähnlichkeiten...
Ich denke , dass zwei Bremszüge ausreichend sind , dann kann man auch herkömmliche Spanner etc. verwenden.
 
Danke für den Artikel, ich werde das bei meinem nächsten Longjohn Projekt änlich machen.
Ich werde aber statt der Rohrstücke für die Trommeln deutlich flacherer Drehteile aus Alu verwenden (ich habe ne kleine Drehbank...), in denen für die Führung der Seile Nuten eingestochen sind, bei Deiner Konstruktion hätte ich Sorge, dass die Seile von der Trommel abspringen könnten, bzw. die Trommeln müssen wie bei Dir recht hoch sein, damit das nicht passieren kann, was mir 1. optisch nicht gefällt und 2. unten dann weit rausragt.
Ich werde auch normale Bremszüge verwenden, die angegebenen 1,85kN (das entspricht der Gewichtskraft einer Masse von ca. 180kg) sind doch mehr als genug, zumal doppelt ausgelegt, je dicker die Seile werden, desto steifer werden sie auch sein.

Sorry für die vielleicht kritischen Anmerkungen, aber Du wolltest ja Meinungen und Anregungen ;)
 
Ganz trivial ist das Ganze nicht. Im Douze-thread hat mal jemand berichtet, wie er sich selber Ersatz-Lenkseile gebastelt hat, die dann an der Befestigung doch nicht hielten. Zum Glück ohne Personenschaden.
 
Hallo,

ich bin da ganz bei euch. ein Bremszug vom Fahrrad hätte sicherlich gereicht, besonders bei redundanter Auslegung. Ich habe hier auch nichts ausgerechnet, eher abgeschätzt. Die Auslegung ist nicht gegen Versagen sondern gegen Steifigkeit. Wenn ihr mal an mechanische Felgenbremsen denkt, selbst wenn man den Flex im Rahmen weg lässt, die Bremszüge längen sich doch schon deutlich. Bei meinen wenigen Fahrten mit Lastenrädern waren schon die kleinsten Kleinigkeiten von Spiel oder mangelnder Steifigkeit im Lenkgestänge negativ im Fahrgefühl zu merken. Das will ich mit meiner Dimensionierung vermeiden.

Ein weiterer Punkt um den ich mir Gedanken gemacht habe ist die Haltbarkeit der Seile. Ich habe mal ein paar Kurse über die Verwendung, Inspektion etc von Stahlseilen gehabt und habe dieses Wissen etwas bemüht. Da es die Lenkung ist, ich viel damit in der Stadt unterwegs sein werde möchte ich einen Ausfall auf jeden Fall vermeiden. Wie das dann gerne bei neuen Technologien ist, legt man erstmal etwas konservativer aus. So auch bei mir. Wie gesagt, von den reinen Kräften her wird vermutlich auch ein Schaltzug reichen. Jetzt kommen aber die Fälle zu Tage die ich nicht abschätzen kann. Wie hoch sind Lastspitzen auf das Seil wenn man mal mit dem Vorderrad ein Hindernis mit nimmt, wie Kantsteine oder Schlaglöcher, schlimmer noch grobes Kopfsteinpflaster, von dem es hier noch ein paar Straßen gibt. Das kann das Seil keine Ahnung wie gut aushalten, ein dickeres hat hier aber mehr Reserve, denn selbst wenn durch widrige Umstände das Seil mechanisch an einer Stelle beschädigt wird, z.B. an den Klemmen oder sonst wo scheuert oder was auch immer, können bei dem dickeren Seil mehr Litzen brechen, bevor das Seil versagt. Dadurch habe ich auch mehr Zeit den fehler zu finden bis ein Versagen auftritt.

Zu der Ersatzteilverfügbarkeit, ja klar ist da Material besser was man an jeder Ecke bekommt. Vom Material her habe ich genug um es mehrfach zu reparieren gekauft und das Seil kann ich hier in der Nähe bei diversen Segelläden etc kaufen, wenn auch teuer aber es ist für mich verfügbar. Die Hülle, meine ich, sind im Motorrad bereich die Bremszüge ähnlich dick, deshalb ist die Hülle ja auch gut verfügbar bei den Händlern und die Größen dadrüber nicht mehr. Habe das aber nicht genau recherchiert.

Die Idee mit den Seilscheiben ist super. Da ich jetzt die dritte Woche Vollzeit an dem Bike bin, mit nur wenigen Tagen Unterbrechung, habe ich schon weit über 100h in das Projekt gesteckt. Ich muss mir alles, von der kleinsten Kleinigkeit bis hin zu den ganz großen Sachen alles bei bringen und neu ausdenken. Daher habe ich es jetzt erstmal bei einfachen Sachen belassen. Beim nächsten wird es anders werden. Da muss ich noch mal auf die Drehbank bei meinem Kumpel. Denn solche Seilscheiben finde ich auch viel besser. Das wäre aber auch wieder mehrere Tage mehr Arbeit gewesen und ich will bald fertig sein.
Angst habe ich aber nicht das die Seile abrutschen. Wie so auch, sie wollen immer eine gerade Linie bilden. So lange der Übergabepunkt senkrecht zur Drehachse der Trommel ist, braucht man nur eine Seilbreite Platz. Beim ausrichten ist bisher nicht alles so ganz 100% gut gelaufen, die winkel stimmen aber ganz gut. Von daher denke ich wird die Trommel viel zu groß sein. Ich habe den Seilen deutlich mehr Platz zugestanden, wie sie bräuchten. Ich kann den Flex in der Gabel und im Rahmen nicht einschätzen, daher habe ich dem ganzen etwas mehr Reserve gegeben. Ist halt alles ganz neu für mich und so viel Spaß wie das bauen gerade macht, mit einer sehr hohen Wahrscheinlichkeit nicht mein letzter Bau. Das nächste dann auch aus Alu und mit E und all den Erfahrungen des ersten Lastenrades. Wenn man sich die Interviews von z.B. den Kargon Leuten die auf Youtube verfügbar sind ansieht, sprechen die da auch von vielen Prototypen die die gebaut haben bis sie da waren wo sie hin wollten. Genau so etwas iteratives mache ich ja auch gerade. Kenn eich auch so aus einem abschnitt meines Berufslebens. Oder anders gesagt, manche Dinge habe ich einfach mal gebaut, statt sie bis ins kleinste zu erdenken.

Ich freue mich, das eure Anmerkungen und Überlegungen sich mit Punkten decken, die in meinen Überlegungen dazu auch auftauchten. Das beruhigt mich etwas, das ich da nicht ganz auf dem Holzweg bin. also immer her mit den Argumenten, warum mein Weg evtl der Falsche ist. Solange ich euch nicht ermüde mit meinen ausführlichen Begründungen, warum ich mich für diesen oder jenen Weg entschieden habe.

Grüße Sebastian
 
Moin,
schöne Arbeit, das sieht doch stabil genug aus. Ich hab auch schon viel über so eine Lenkung nachgedacht. Am besten fand ich diese Variante:
dsc05862.jpg
Das dann mit Kevlar oder Aramidseilseil, das hat bei 3 mm 580daN Bruchlast. Ist Salzwasserbeständig usw. Statt Hüllen mit Umlenkrollen und eine durchgehendes Seil mit einem Seilspanner verbunden. An Gabel und Lenker 1 oder 2 mal um die Trommel geschlungen und mit einer Klammer fixiert.
Viel Erfolg weiterhin!

Grüße
 
Zu der Konstruktion hätte ich kein Vertrauen, zum einen liegt die Umlenkung voll im Dreck, der von der Straße hochspritzt, zum anderen muss das Seil ja nur von einer der Umlenkrollen abspringen und schon ist man komplett im A*. Daran denken, dass durch die lange Konstruktion der Long John ordentlich auf Biegung und Torosion belastet wird und „arbeitet“.
 
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abschätzen kann. Wie hoch sind Lastspitzen auf das Seil wenn man mal mit dem Vorderrad ein Hindernis mit nimmt, wie Kantsteine oder Schlaglöcher, schlimmer noch grobes Kopfsteinpflaster, von dem es hier noch ein paar Straßen gibt.
die Frage stelle ich mir natürlich auch, man kann sich überlegen, welche Kräfte Bzw. Welches Drehmoment kann man überhaupt mit einem Lenker übertragen, beim normalen Fahren sind das nur sehr geringe Kräfte, man kann ja, wenn die Geometrie des Rades stimmt, mit einem Finger lenken... und selbst bei den von Dir angesprochenen Situationen muss man den Lenker ja nicht mit aller Kraft festhalten, sondern eher locker halten und ausgleichen.

Was das Thema Steifigkeit und Spiel in der Lenkung angeht... schaut man sich die Typische Stangenlenkung an, da ist da an zwei Lagerstellen Spiel vorhanden, was sich im Laufe der Zeil auch vergrößert. Auch ist die Stangenlenkung meist nicht so sehr steif, da durch die notwendige Biegung der Stange durchaus etwas Dynamik drin ist, wenn man die Stange nicht sehr stabil und damit wieder schwer macht.
Bei der Seilzuglenkung kann ich die Seile mit der Verstellung alle auf leichte Spannung bringen, so dass das schonmal „spielfrei“ ist, ob die Dehnung der Seile tatsächlich merkbar ist hängt von den o.g. Kräften ab, ich behaupte mal bei normalen Fahrsituationen ist davon nichts zu merken... ich bin schon testweise (beim Hagebaumarkt in X-Berg gibts welche zu leihen) solche Long Johns gefahren.
Was mir bei der Seilzuglenkung eher Sorgen macht ist die Reibung der Züge, wenn sie mal verdrecken...
 
Moin,

ein langer Tag geht zu Ende. Ich kann sagen, es lenkt! Habe noch keine Probefahrt gemacht aber es tut. 2 Erkenntnisse konnte ich schon mal ziehen. Die geometrische genauigkeit der Seiltrommeln ist wichtig. Hatte da durch Schweißverzug leichte unrundheit, das merkt man, wenn man die Seile stramm macht. Habe das aber so hin gedreht, das die konstanteste geometrische Form in gerade aus fahrt ist. So ab 45° kommt die erste leichte Schlag und das merkt man wenn die Seile sehr stramm sind.
Zweite Erkenntnis, stramme Seile machen viel Reibung. Man kann noch mit einem Finger Lenken, der widerstand ist aber deutlich da. Ich bin sehr auf morgen gespannt, wenn es mal raus geht.

So, das mal dazu. Zu der Geschichte mit dem Abschätzen der Kräfte. Ich habe im laufe meines Fahrradfahrerlebens schon so manchen Stunt gedreht. Dabei hat es mir nicht nur einmal den Lenker aus den Händen gerissen. Der Impuls ist dabei das entscheidende. Wie lange man über einer ertragbaren Kraft kommt ist egal. Und so etwas kann und will ich nicht wirklich abschätzen. Da kommt Bauchgefühl und etwas Erfahrung und das macht dann das man Dicke Seile kauft. Weniger dramatisch im Abgang aber auch mit hohen Prozesskräften gesegnet ist tiefer Pudersand etc. Da muss man den Lenker auch gut festhalten und dennoch steht das Rad dann manchmal in einem anderen Winkel wie man manchmal will. Was man dabei auch beachten sollte ist, dass Dreck im Seil selbiges schwächt. Daher finde ich die Idee für ein Alltagsfahrrad mit Dynema Seilen nicht gut. Die mögen das noch weniger. Die Thematik wird lang und Breit bei Allradfahrern und Leute aus dem Forst für ihre jeweiligen Winden von denen behandelt.

Grüße Sebastian
 

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Bin gespannt, was Deine Fahrversuche ergeben, meine Erwartung wäre, das viel Reibung im Lenk-System einem stabilen Fahrverhalten sehr abträglich ist. Viel Spaß auch auf Deinen Downhill-Trails im Pulversand mit dem Long John ;)
 
Bin gespannt, was Deine Fahrversuche ergeben, meine Erwartung wäre, das viel Reibung im Lenk-System einem stabilen Fahrverhalten sehr abträglich ist. Viel Spaß auch auf Deinen Downhill-Trails im Pulversand mit dem Long John ;)
Andererseits wurden Reibungsdämpfer seit Anbeginn der Zeiten ( ;) ) als Lenkungsdämpfer verwendet. Wie sagte schon Konfuzius: "Versuch macht kluch!"
 
Wohl wahr... aber nicht ohne Grund nimmt man heute vernünftige Lenkungsdämpfer die nur ein geringes „Losbrechmoment“ haben. Ein „Reibungsdämpfer“ ist doch eher 30er Jahre Technologie :ROFLMAO:
 
Moin,

Da ich hier am Fluss wohne habe ich Strand der aus viel Sand besteht und die Zufahrt dazu ist halt mit viel tiefen weichen Sand.

Egal. Erste Gehversuche waren bisher sehr überzeugend. Hier und da habe ich grade nich Probleme mit allem möglichen Sachen aber die Lenkung tut bisher gut. Reibung ist deutlich da aber nicht störend bisher. Freihändig würde ich damit aber nicht um eine kurve kommen, glaube ich. Die bremsleistung der Bremse ist sehr mau. Sonst wäre ich mal den großen berg rauf geschoben und runter gerollt. Vorne fehlt nich ein is auf pm Adapter zum Bremsen. Aber hinten geht aber es kommt recht wenig bremsleistung. Blockieren auf schotter ist nicht. Braucht das erst etwas zum einbremsen oder ist die Bremse stumpf neu aus dem Regal genommen schon scheiße?

Grüße Sebastian
 

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