geplante Obsoleszenz bei Pedelecs, WDR-Beitrag

Aus einem anderen Grunde gerade mal die Riese & Müller Original-Betriebsanleitung angesehen und dabei für dieses Thema passende und für mich leider etwas abschreckende Passagen schwarz auf weiss gefunden:

Gewerblicher Einsatz zählt nicht zum bestimmungsgemäßen Gebrauch.
HINWEIS GEWERBLICHE NUTZUNG!Dies reduziert deutlich die Produktlebenszeit gegenübe reiner privaten Nutzung. Gewerbliche Nutzung ist daher von unseren oben genannten Garantien ausgenommen.Zudem beschränken wir bei gewerblicher Nutzung die Gewährleistung auf 10.000 km. Bei Verleih oderVermietung endet darüber hinaus unsere Gewährleistung nach 12 Monaten.
In den aktuell gültigen Normen, Prüfungen und Tests wird bei E-Bikes von einer durchschnittlichen Lebensdauer von 10 Jahren oder 16.500 km – 20.000 km ausgegangen (je nachdem was zuerst eintritt). Gemäß des hohen Qualitätsanspruchs geht Riese & Müller bei seinen Rahmen und Gabeln von einer circa dreifach so hohen Kilometerleistung aus. Die Belastung auf ein E-Bike hängt aber stark von der Zuladung, dem Straßenzustand und dem Fahrstil ab. Wenn Sie aufgrund von hoher Zuladung (Fahrzeuggesamtgewicht über 110 kg), schlechten Straßen (z. B. Kopfsteinpflaster, Schlaglöcher, Bordsteinkanten) oder anderweitig das E-Bike regelmäßig überdurchschnittlich hoch belasten, müssen Sie von einer auf das branchenübliche Maß geminderten Lebensdauer ausgehen. Nach dem Ende der Produktlebenszeit ist keine Verkehrssicherheit mehr gewährt.
 
Da scheint ja R&M nicht so vom eigenen Produkt überzeugt zu sein!

@oerd Danke für die Passagen.

>Ist das eigentlich bei den anderen auch so? Habe jetzt persönlich keine Zeit zu recherchieren.
 
Wenn Sie aufgrund von hoher Zuladung (Fahrzeuggesamtgewicht über 110 kg), schlechten Straßen (z. B. Kopfsteinpflaster, Schlaglöcher, Bordsteinkanten) oder anderweitig das E-Bike regelmäßig überdurchschnittlich hoch belasten, müssen Sie von einer auf das branchenübliche Maß geminderten Lebensdauer ausgehen.

Hm. Auch ich mit meinen nicht übermässigen 80 kg erreiche mit dem leeren Bakfiets oder Babboe schon über 110 kg.
Ich wusste nicht, dass der normale Strassenverkehr (Kopfsteinpflaster, Schlaglöcher, Bordsteine) schon eine überdurchschnittliche Nutzung darstellt.
Und von Ladung haben wir da noch gar nicht gesprochen... Ich hoffe, die Hersteller legen das anders aus.
Von welchen Fahr- Straßen und Transportbedingungen geht Riese und Müller denn aus? Nutzug nur in Kopenhagen ohne Gepäck und durch Rennjockeys?
 
Ich bin zuerst auch an den fett gedruckten Passagen hängen geblieben. Aber das sind ja nur die Normvorgaben. Wenn man das, wie im Folgesatz angedeutet mal 3 nimmt, kommt man auf bis zu 30 Jahre und bis zu 60000km, für die das Rad konstruiert ist. Finde ich jetzt erst einmal nicht so schlecht. Klar, mehr geht immer, aber 60tkm muss man auch erst einmal fahren (3000 Stunden bei 20 km/h, also 125 Tage Radeln rund um die Uhr).
Wenn man dann der Einfachheit halber mit 7000 Euro Kaufpreis rechnet, kommt man auf 12 Cent pro Kilometer ohne laufende Kosten.
Das gewerblicher Gebrauch nicht bestimmungsgemäß sein soll, finde ich allerdings auch ziemlich daneben.
 
Ich wusste nicht, dass der normale Strassenverkehr (Kopfsteinpflaster, Schlaglöcher, Bordsteine) schon eine überdurchschnittliche Nutzung darstellt.
Das interpretierst du imho falsch - der Satz lautet:
Die Belastung auf ein E-Bike hängt aber stark von der Zuladung, dem Straßenzustand und dem Fahrstil ab.
Um die Belastung bei Zuladung oder schlechtem Straßenzustand zu reduzieren, ist dein Fahrstil der Schlüssel mit den du beeinflussen kannst. Privat mit Kindern vorn drauf kannst du dein Tempo anpassen - als Kurier mit deadline im Nacken machst du das aber eher nicht.
Von welchen Fahr- Straßen und Transportbedingungen geht Riese und Müller denn aus? Nutzug nur in Kopenhagen ohne Gepäck und durch Rennjockeys?
Die gehen nirgendwovon aus, sondern sagen nur, das du im Kurierstyle mit geminderter Lebenserwartung rechnen musst, weil dieses halt nicht branchenüblich ist. Ist nix R&M-spezifisches sondern eine Klassifizierung nach "aktuell gültigen Normen, Prüfungen und Tests" ;)
Ich finde das eher gut, das R&M das ausspricht und der Kunde es nicht erst nach einem Unfall wegen Rahmenbruch von der Rechtsabteilung erfährt...
 
Auch eine valide Sichtweise.
Und klar hängt der Verschleiß auch und massgeblich vom Fahrstil ab. Aber Kopfsteinpflaster, Schlaglöcher und Bordsteine sind so alltäglich, dass ich es verwunderlich finde, dass das schon erschwerte Bedingungen sind.
 
Gesamtgewicht 110 kg... für welches Rad war das? So ein Pedelec wiegt mindestens 25 kg. Lässt 85 kg für Zubehör, Fahrradschloss, Fahrer, Kleidung des Fahrers... absolut realistisch. :rolleyes:
 
ich mach mal 1 Beispiel zum besseren Verständnis aus meinem Alltag:
meine Ladung sind 18 Kästen Bier=300kg. ich knalle eine Bordsteinkante mit 25kmh hoch und mir platzt ein Reifen.
DAS wäre im Schritttempo nicht passiert.
 
Würde mich wundern, wenn das auch für die Cargobikes gelten würde. So ein Load wiegt fahrbereit schon gerne 40-50 kg je nach Ausstattung. Da bleibt dann nicht mehr viel für den Fahrer. Bei Nicht-Cargobikesist es hingegen nicht so ungewöhnlich, von 80kg Fahrergewich auszugehen. Bei Leichtbauteilen kann das auch schon mal eine harte Vorgabe des Herstellers sein.
 
Eine Bordsteinkante hochknallen mit gut 30 Sachen (ohne Last) war bisher mein einzigster Platten vorne mit mittlerweile recht gut abgefahrenen Big Apple. Ich knalle jetzt auch keine mehr hoch :D
 
Abgesenkt ist aber auch etwas völlig anderes und zerlegt üblicherweise keine Schläuche. ;)

Kopfkino vom feinsten...
 
Bei uns in Köln ist alles von 0 bis etwa 5-6 cm abgesenkt. Das muss man also differenzieren, wie man brettern oder eben nicht kann...
 
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