Speichung 20er Laufrad mit Nabendynamo

Moin,
ich möchte mir ein Bullitt aufbauen und lese schon seit einiger Zeit hier fleissig rum. Viele gute Tipps. Bei den Komponenten bin ich mir einigermaßen sicher, deshalb erspare ich Euch die Teileliste. In Sachen Laufrad habe ich einige ungeklärte Fragen, bei denen ihr mir bestimmt helfen könnt.

Ich baue die Laufräder selbst auf und plane Ryde Andra 40 mit 36er Speichung. Hinterrad is klar, aber beim Vorderrad wollte ich eine Shutter SD-8 verbauen. Die finde ich im Netz nirgends für 36er. Außerdem hat in einem Thread hier schon mal jemand geschrieben, dass das Einspeichen bei 36er Speichung bei Nabendynamo und 20" Laufrad kritisch wäre.

Meine Fragen:
  1. Ist eine 36er Speichung so viel besser als 32, oder ist das eher eine akademische Diskussion. Immerhin reden wir über 180kg Systemgewicht.
  2. Sollte ich vielleicht doch das Geld in eine SON Delux stecken? Klar ist das Dynamoporn, aber mein SON28 verrichtet am Reiserad seit Jahren klaglos und unbemerkt perfekt seinen Dienst.
Ich freue mich über jeden Tipp und danke schon mal im Voraus.
 
Moin,

ich habe mir vor gut zwei Jahren auch selbst ein Vorderrad mit NaDy für mein Bullitt gebaut, mit 32 Speichen (2-fach gekreuzt). Ich habe eine Alexrims DM22 und einen Shimano DH-3D72 genutzt -habe nicht die geringsten Probleme mit dem Laufrad.

Grüße
Kim
 
Sollte ich vielleicht doch das Geld in eine SON Delux stecken? Klar ist das Dynamoporn, aber mein SON28 verrichtet am Reiserad seit Jahren klaglos und unbemerkt perfekt seinen Dienst.
Ich hab zwar kein Lastenrad, aber den SON schon seit es ihn für das Brompton gibt dort eingebaut. So unauffällig wie der ist, ist er jeden Euro wert. Von den Shim... hört man ja öfter von Service Fällen und das sie eine höhere Verlustleistung haben.
 
Moin,

ich beabsichtige das auch so (Shutter PD8, Ryde Andra 40, 32 Loch) zu bauen. Bei statischer Betrachtung hat bei 32 vs. 36 Loch jede Speiche 0,3% mehr Last zu tragen, das ist im Bereich dessen, was ich als Rechenfehler hinsichtlich der Bauteilsicherheit ansehe.

Grüße, M.
 
Ich habe eine 36er Felge und einen SD-8 in 36 mit 3fach gekreuzt aufgebaut.

Das Laufrad ist extrem stabil, allerdings war die Wahl zu 36 der Felgenauswahl geschuldet. Ansonsten hätte ich ohne Bedenken die 32er Ausführung genommen.
Die letzte Speiche musste ich schon arg "vergewaltigen" aber es ging.

Meiner Meinung nach reicht 32 und 2fach gekreuzt locker aus. Und der SD-8 tut bei mir seinen Dienst seit über 2 Jahren problemlos.
 
Merci an Euch alle, das hilft sehr. Dann kann die Planung ja weitergehen und ich schaue was der Teilemarkt hergibt.

@SonnenCargo, Du schreibst PD-8. Wenn ich das richtig verstanden habe, ist die S-Version (SD-8 für 6-Loch) für kleine Laufräder, weil er erst bei höheren Geschwindigkeiten die volle Leistung (und damit auch den zusätzlichen Kraftaufwand) bringt. Ein 20er macht ja mehr Umdrehungen bei gleicher Geschwindigkeit als ein 26" oder 28", oder? Bietet SON nicht deshalb auch den Delux für kleinere Laufräder an? Verbessert mich, wenn ich das falsch verstanden habe. War in Physik immer ne Niete. :D Oder gibt es einen anderen Grund, dass Du den PD nehmen willst?

Allen schon mal ein schönes Wochenende.

Mike
 
Der PD macht bei geringerer Geschwindigkeit mehr Saft als der SD. Ohne Leistungsabnahme dürften die Werte kaum groß erfahrbare Unterschiede produzieren, da ich aber nen Faible für Licht habe und im Dunkeln eh selten Rekordfahrten veranstalte, greife ich stets lieber zu der Option, die mir mehr Licht macht.

Grüße, M.
 
Ich habe genau die gleichen 2 NaDys auf die Gleiche Felge wie @kimmey eingespeicht und die laufen ebenso problemlos.
Aufjedenfall 2fach gekreuzt, 36 loch geht auch bringt aber nix macht nur etwas mehr arbeit.
Ich würde wie@SonnenCargo auch zum PD8 raten dann hast du etwas mehr power.
 
Moin,
bin gerade auch dabei einen LRS für mein Lastenrad-Projekt aufzubauen und frage mich, welche Nippellänge Sinn macht... Ich werde vorne auch eine Andra Ryde 40 20" mit einem Shimano DH-3D32-QR Nabendynamo (32 Loch und für Disc Brake) verbauen.

Was empfehlt Ihr da?

Grüße
 
Ich liste gerne einige Varianten, aber zunächst das Grundwissen.

Verschiedene Bauformen von Speichennippeln haben alle nur eine zentrale Aufgabe - mit den Speichen zu verschrauben. Dazu besitzt eine Speiche ein aufgerolltes Gewinde. "Gerollt" (eigentlich gewalzt) bedeutet, das Gewinde ist nicht in den Draht hinein geschnitten worden, sondern der Draht wird durch eine Anordnung von Walzen gedrückt, welche auf der Oberfläche feine Falten erzeugen. Dabei wird die Speiche also kaltverformt.

Wichtigstes Merkmal eines aufgerollten Gewinde ist, das es einen größeren Durchmesser als der übrige Teil der Speiche aufweist. Ein geschnittenes Gewinde hätte den gleichen Durchmesser wie die Speiche.
Weil ein gerolltes Gewinde nun höher als die eigentliche Speiche steht, lassen sich Speichennippel auch weiter aufdrehen, als das Gewinde reicht. Bei einem geschnittenen Gewinde würde man an der Stelle an der das Gewinde endet, auch nicht weiter spannen können.

Um nun das Metall der Speiche so zu verformen, das ein Gewinde entsteht, müssen die Walzen die Speiche so quetschen, das das überschüssige Material wie eine Falte auf einem Tischtuch aufgeworfen wird. Dabei entstehen dann viele Falten (Gewindestege) die fast alle gleich hoch sind, so lange, wie das überschüssige Metall dafür reicht. Und diese Länge ist begrenzt. In der Regel kommt das Gewinde auf eine Länge von etwa 10mm. Es ist dann noch 1-2mm länger zu erkennen, verjüngt sich aber, weil eben kein Material mehr unter den Walzen war, das noch ausreichend hohe Falten legen konnte.

Das bedeutet, ein Speichengewinde ist 10mm lang.

Wenn man sich also nun fragt, wie lang der Speichennippel sein sollte, lautet die Antwort eigentlich 10mm. Um eine Streckung der Speiche ausgleichen zu können, wählt man allerdings 12mm als Nippellänge.
Längere Nippel nutzt man nur, um unpassend kurze Speichenlängen einbauen zu können, oder um durch eine besonders dicke Felge hindurch auf der Speichenseite noch genug Platz zu haben um einen Nippelspanner ansetzen zu können. Das trifft etwa für Felgen aus Holz zu. Für Felgen aus Alu oder Stahl genügen Standardlängen. Vorteile bei der Stabilität bieten sie nicht. Im Gegenteil, ist die Speiche so kurz, das sie den Nippel nicht gänzlich ausfüllt, kann dieser durch die hohe Belastung sich leichter verformen oder abreissen.
Daher ist es wichtig, das die Speichen bis ins innere Ende des Nippels aufgedreht werden.
Ob über die 10mm Gewinde hinaus dann der Nippel 14 oder 16mm lang reicht spielt für die Haltbarkeit keine Rolle.

Ein Standardnippel sollte also 12mm lang sein.

Dann gibt es noch die Materialfrage. Alu oder Messing. Nur diese beiden Materialien sind gängig und die Wahl ist einfach. Alu ist anfällig für Salzkorrosion und kann mit der Stahlspeiche mit der Zeit verschweißen. Ein Rad das im Winter öfter mit Streusalz in Kontakt kommt, braucht also mehr Pflege, und dennoch ist damit zu rechnen, das sich die Speichennippel nach Jahren der Nutzung nicht mehr drehen lassen oder diese durch Korrosion bedingt reissen. Daher stellen sich zwei Überlegungen. Hat die Optik oder das Gewicht hohe Priorität, dann greift man zu leichteren oder farbig gestalteten Nippeln aus Aluminium.
Fährt man Rad auch im Winter und möchte beste Haltbarkeit, wählt man Nippel aus Messing.

Da eine schwere Felge und eine schwere Nabe gewählt wurden, lautet die Empfehlung also bislang, 12mm Messingnippel zu nutzen. (Sapim Polyax)

Und dann gibt es noch besondere Bauformen. Für sehr hohe Felgen gibt es Nippel mit optimierter Werkzeugaufname. Diese haben ein Sternprofil wie die DT Swiss Sqorx-Nippel auf der Innenseite oder auch ein Vierkant- oder Sechskantprofil. Hat man das dazu passende Werkzeug, lassen sich diese Nippel durch die Felge hindurch nicht nur leichter einsetzen, sondern auch spannen und zentrieren.
Das kann auch bei sehr kleinen Laufrädern hilfreich sein, die wenig Platz zwischen den Speichen bieten und wo sich viele Nippelspanner nicht ganz herumdrehen lassen ohne hängen zu bleiben.
Solche Nippel sind bauartbedingt auf der Innenseite der Felge etwas länger, daher sind auch die Nippel etwas länger. Bei DT Swiss Sqorx sind es immer 15mm, andere Hersteller fertigen 14, 15 und 16mm-Varianten mit Vierkant- oder Sechskantaufnahme.
Nippel mit besserer Werkzeugaufnahme sind etwas teurer und erfordern das zugehörige Werkzeug. Das aber lohnt sich erst, wenn man damit mehrere Laufräder aufbaut. Für ein einzelnes Laufrad lohnt sich die Mühe nicht.

Und dann gibt es noch Upsidedown-Nippel. Die haben nur einen Vorteil - man sieht sie nicht. Es handelt sich um Nippel die von Innen in die Felgenbohrung gesetzt werden und mit einem passenden Werkzeug aufgeschraubt und gespannt werden.
Das ist vor allem ein optischer Gag, wenn man am Laufrad keine Nippel sieht, der eigentliche Sinn ist allerdings eine verbesserte Aerodynamik. Erneut ergibt sich hier durch die Materialwahl, das es auf Aerodynamik nicht ankommt und man vor allem für die Nippel und das Werkzeug ein paar Euro mehr ausgeben muss.

Hier findest Du eine Auswahl der beschriebenen Nippel.
 
Zuletzt bearbeitet:
Danke für die Erklärung, Christoph. Ist gerade genau mein Thema.

Ich habe den Rechner von Komponentix verwendet und mich der Empfehlung folgend für eine 32er Andra40 3-fach gekreuzt entschieden. Ich habe mich trotz der Empfehlung hier im Forum für 3- statt 2-fach gekreuzt entschieden, nicht zuletzt, weil Bullitt die LRs so verkauft. Wir werden sehen, wie es läuft, jeder muss aus seinen eigenen Fehlern lernen. :cool: Der Komponentix Rechner empfiehlt allerdings mit dem pd-8 14mm Nippel. Für das Hinterrad empfiehlt er 12er. Ich gebe zu, ich wollte der Einfachheit halber auch da die 14er verwenden. Verstehe ich Dich richtig, dass Du 12er nehmen würdest?
 
Du kannst beide Typen wählen. Länger spielt keine Rolle. Es hat nur eben keine Vorteile, statt dessen addiert es Gewicht.
 
Klasse, vielen Dank für die Rückmeldung. Dann muss ich nicht nochmal einkaufen gehen. Ich werde berichten. Einstweilen ein frohes Fest für alle und nochmal danke an alle für die Unterstützung. (y)
 
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