XYZ Cargobike Nachbau

Dieses Thema im Forum "Technik allgemein / Selbstbau" wurde erstellt von Breitmaulgnumpf, 07.10.2018.

  1. Breitmaulgnumpf

    Breitmaulgnumpf

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    Hallo zusammen,
    ich möchte mich und meinen XYZ Cargobike Nachbau gerne vorstellen:

    Da es hier in Stuttgart noch viel zu wenige Cargobikes gibt und ich meinen Anhänger immer dann wenn ich ihn wirklich brauchen würde nicht dabei habe UND weil ich das XYZ Konzept unbedingt mal ausprobieren wollte, fiel die Entscheidung zum Bau des XYZ Cargobikes.
    Zum Glück habe ich aus dem Velomobilforum erste Tipps und Maße bekommen.
    Zuerst habe ich (Ende 2016) einen Prototyp der Vorderradaufhängung gebaut, um mich mit der Bauweise vertraut zu machen und zu schauen, wie und ob diese Aufhängung funktioniert.
    Erste Erkenntnisse waren:
    - Alurohre nicht im Baumarkt kaufen, da die Wandstärke nicht ausreicht. Ich habe dann bei www.aluverkauf.de bestellt, das ist auch sehr praktisch weil man auf Maß bestellen kann, was die hässlichen Aluspäne in der Werkstatt doch deutlich reduziert. Die Schnittkanten sind dann auch wirklich erste Sahne.
    - Um die XYZ-Verbindungen richtig festziehen zu können, unbedingt Hülsen einbauen. Da ich die nirgends in der passenden Länge gefunden habe, musste ich erstmal meine Dreh-kenntnisse auffrischen und dann ca. 200 Hülsen selbst ablängen...
    -Wichtig bei den Hülsen ist auch ein ausreichender Innendurchmesser: 6,5 mm und es gibt keine Probleme mit festhängenden Schrauben.
    - Für die "Achsschenkel" (bitte korrigieren, kenn kein besseres Wort), habe ich aus PE-Stücken von
    www.technoplastic-shop.de
    entsprechende Quader gefräst.
    - Parallelität, saubere Bohrlöcher, Aufbau der Lagerungen etc. sind ein wichtiges Thema-->dazu später mehr.

    Nach einem Jahr Pause, Umzug und neuer Werkstatt, die einzurichten war, habe ich dann dieses Jahr im April mit dem Aufbau begonnen. Aber jetzt such ich erstmal einige Bilder raus.
    Gruß
    Patrick

    Edit: Der Aufbau bis zum ersten Roll-out hat dann ca. 5 Monate gedauert. Dazwischen mehrere reisebedingte Pausen und ausgedehnte Grübelphasen über Details. Trickreich sind die gesamte Lenkmechanik und Lagerung und die Aufnahme des Tretlagers.

    Die ersten Runden habe ich dann mit provisorischer Lenk-schubstange (das Rundrohr, das ich verwenden wollte, war mit 25x3 mm quasi unbiegbar) und als, *ähem* Single-speed, da ich noch nicht die genaue Position der Hinterachse festlegen wollte und daher zu faul war, das Schaltwerk einzubauen.
    Geplant ist aber hinten 9-fach, vorne aktuell 1-fach aber mit Hintergedanke, auf Bafang BBS01 umzubauen. Warum Mittelmotor? Weil er zuhause rumliegt :)

    Erster Fahreindruck war ziemlich wackelig, weil die provisorische Lenkstange keine Längeneinstellung hat. Deshalb war der Lenker bei Geradeausfahrt leicht schräg, was sehr ungewohnt ist.
    Auch der lange Radstand war für mich als Cargo-Neuling ungewohnt.
    Gegenmaßnahme: Radstand kann ich noch um 10cm verkürzen.

    Nachdem ich die Schubstange korrigiert habe, ist die Lenkung jetzt gerade. Das fühlt sich viel besser an!
    Jetzt wird allerdings ein anderes Problem deutlich: Die Lenkungslagerung habe ich mit Axial- und Radiallagern und aktuell noch einigen Unterlegscheiben etc. als Distanzstücke für die teilweise zu langen Schrauben aufgebaut. Ich habe es noch nicht geschafft, alle Gelenke genau zwischen "wackelt" und "klemmt" einzustellen. Deshalb benötigt die Lenkung um die Mittellage herum immer etwas Kraft, was die Geradeausfahrt eher in eine Schlangenlinienfahrt ausarten lässt.
    Angenehmer Nebeneffekt: Autos machen richtig Platz und versuchen keine engen Überholmanöver.(y)

    Nach ca. 15 km Fahrt drehte sich dann auf einmal der gesamte Antrieb nicht mehr. War zum Glück 100m vom Büro entfernt, wo ich sicher und trocken parken konnte. Also am nächsten Tag abgeschleppt und zuhause festgestellt, dass die Tretlageraufnahme (nur zwischen Aluplatten geklemmt) doch etwas optimistisch gebaut war. Deshalb wieder ab in den Keller und verbessern.

    Hat jemand Erfahrung mit dieser Art von Lenkung? Mir fehlen Ideen, wie ich die Lagerungen spielfrei gestalten kann.
     
    Zuletzt bearbeitet: 07.10.2018
  2. Breitmaulgnumpf

    Breitmaulgnumpf

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  3. Maper

    Maper

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    Hallo BMG,

    das ist ein cooles Projekt. Wenn ich das richtig sehe versuchst du einfach nur über eine Mutter das Spiel einzustellen. Das ist technisch schwierig. Ich würde dir vorschlagen, dass Prinzip von normalen Steuersatz zu übernehmen. Da wird über eine kleine Schraube vorsichtig für Vorspannung aufgegeben und anschließend geklemmt.
    Alternativ könnte man das Prinzip von den Shimano Naben übernehmen. Da werden Kontermuttern verwendet, damit sich bei der geringen Vorspannung, die du für die Lager brauchst, nicht alles direkt lõst.

    Du solltest dir auch Gedanken über die Abdichtung machen, sonst hast du regelmäßig Probleme.
     
  4. RoCMe

    RoCMe

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    Hallo Breitmaulgnumpf,
    Ist dein Projekt noch aktuell? Hast du vielleicht sogar schon Fortschritte gemacht?

    Ich habe vor ca. 3 Jahren mal ein paar Profile zu einem Kasten zusammengeschraubt, um die grundsätzliche Stabilität der Verbindung zu testen. Die hat mich damals überzeugt, aber bislang fehlte dann die Zeit für eine detailliertere Planung.
    Hast du einen Bauplan / eine Teileliste, an der ich mich orientieren könnte ?

    Hast du das Tretlagerproblem lösen können? Mir schweben hier zwei Aluplatten mit einem Loch in der Mitte vor, dessen Durchmesser exakt dem Ausendurchmesser des Tretlagers entspricht. Sollte ähnlich ist es auch beim XYZ Oneseater gelöst.

    Würde mich freuen, von dir zu hören!
    Viele Grüße
    RoCMe
     
  5. Breitmaulgnumpf

    Breitmaulgnumpf

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    Hallo @RoCMe, hmm, wenn ich mich recht erinnere, hattest du damals auch einige Male im Velomobilforum über den XYZ Oneseater gepostet und mir die 3d-Skizzen zur Verfügung gestellt?
    Schön von dir zu lesen!
    Ja, ich habe auch mit dem "Cargokasten" angefangen um mich von der Stabilität zu überzeugen und dann losgelegt.
    Insgesamt denke ich, dass mich die Herstellung von Kleinteilen (Passhülsen abdrehen, etc) bisher am meisten "gebremst" hat.
    Technisch am schwierigsten ist wohl die Lenklagerung, hier möchte ich demnächst ein bisschen variieren.
    Für das Problem mit der Tretlagerbefestigung: ja, ich hatte grob das Prinzip vom Oneseater kopiert, allerdings mit nur je 1 Aluplatte 6mm auf jeder Seite anstatt der Aufdoppelung.
    In der Herstellung hatte ich das Problem, den Durchmesser genau hinzubekommen, Fräser hatte ich keinen passenden zur Hand, CNC-Fräse auch nicht. Also mit Lochsäge in der Bohrmaschine...war nicht so perfekt.
    Eine weitere Idee wäre der Ansatz von den Jungs, die den Oneseater geknickt nachgebaut haben und eine gekaufte Tretlagerhülse quasi in 4 geteilte Alurohre einspannen. An deren Fertigungsqualität komme ich aber lange nicht hin *meinen-Hut-zieh*.
    http://www.mzr-online.com/e-trike.htm
    Gruß
     
  6. RoCMe

    RoCMe

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    Hi
    :D Ja, die Pläne hast du dann vermutlich von mir, ich hoffe, dass sie dir etwas geholfen haben.

    Hast du an der Geometrie viel verändert, oder sind die Maße einigermaßen gleich geblieben? Erzähl mal: Wie fährt / sitzt man denn? Ich bin wirklich neugierig!
    Aktuell habe ich noch ein Möbelbauprojekt abzuschließen, danach werde ich aber vermutlich auf das Rad zurück kommen!

    Die Hülsen hältst du also wirklich für notwendig? Ich hatte das Gefühl, dass Unterlegscheiben auf der Außenseite die Kraft schon genügend verteilen, um ein Zusammenziehen des Profils zu vermeiden - allerdings sieht das natürlich nur mäßig aus...

    Bei der Tretlagerhalterung vermute ich auch, dass meine Fähigkeiten nicht die erforderliche Genauigkeit hergeben. Hier würde ich dann eventuell Hilfe von Profis mit einer CNC Fräse in Anspruch nehmen. Angefragt hatte ich aber bisher nirgendwo.

    Viele Grüße
    RoCMe
     
  7. Breitmaulgnumpf

    Breitmaulgnumpf

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    Ja, ohne die Pläne hätte ich es nicht gemacht. Die Maße habe ich größtenteils übernommen, mit kleinen Anpassungen:
    1. Zusammenbau der Cargobox dann doch von den N55-Fotos abgeschaut, da war glaube ich irgendwo mal ein Rohr falsch angeordnet.
    2. Position Tretlager und Sattelrohr an einem bestehenden Treckingrad angelehnt.

    Sitzen ist erstmal ein bisschen ungewohnt, da das Tretlager höher als an einem normalen Fahrrad ist. Dadurch muss auch ich mit 1,94m erstmal "klettern" und man sitzt, wenn der Sattel auf die Beinlänge eingestellt ist, doch recht hoch.
    Deshalb habe ich den Sattel erstmal ein bisschen niedriger gestellt.
    Davon abgesehen finde ich die gewählte Sitzposition recht angenehm. Ich habe einen riesigen 800mm-Lenker eingebaut, den ich vielleicht später noch kürzen möchte, aber eigentlich ist er recht bequem. Als Reifen habe ich 50mm Big Apple drauf, die sorgen auch für ein entspanntes, leicht federndes Fahrgefühl. Sonst fahr ich ein Specialized AWOL mit echt harter Gabel und hohem Luftdruck, da ist es mit den Big Apple eine nette Abwechslung.

    Beim Fahren gibt es aktuell noch das Problem mit dem Spiel in der Lenkung (siehe oben) und was mir auch aufgefallen ist, dass die Vorderradaufhängung beim Bremsen eine leichte Nickbewegung vollzieht. Das führe ich aber auf das Konstruktionsprinzip zurück-->haben die in anderen Rädern vorne eingebauten normalen Gabeln doch einen Sinn :)

    Bezüglich der Hülsen: ja, die braucht man wirklich, sonst ziehen sich die Rohre stark zusammen und die Schraube wird nie richtig fest-->kein Kraftschluss, leiernde Verbindung.
    Ausnahme: Die Verbindungen in die 30x30x3-Rohre können auch ohne Hülse gemacht werden, das 3mm starke Profil verbiegt sich nicht.

    Habe das Rad jetzt noch ein bisschen überarbeitet:
    a) Hinterrad 12 cm nach vorne verlegt ( der Platz war da)
    b) Tretlager wieder identisch eingebaut, aber darauf geachtet, dass die Schrauben, die das Tretlager klemmen, auch bis zum Nylonring in der Mutter sind :whistle: und zusätzlich mit Loktite gesichert. Das sollte das Tretlager besser festhalten...sollte...
    c) evtl. wird die Cargobox vorne noch ein bisschen gekürzt. 80cm ist wirklich sehr lang, 65cm würden mit für 2 Bierkisten + Wocheneinkauf auch reichen.
    d) Schaltwerk eingebaut-->großer Fail. da ich es ja nicht nach unten ausrichten kann, sondern nur mit dem Käfig nach vorne, funktioniert es gar nicht. Dicker Denkfehler, habe mich da von dem einen Foto von N55, auf dem Ein Rad mit Kettenschaltung zu sehen ist, zur Annahme "ah, cool, Kettenschaltung geht auch" verleiten lasssen.
    Jetzt weiß ich: nö. Zumindest krieg ich es nicht hin.
    Muss jetzt ein Rad mit Nabe+Discaufnahme suchen...bleibt wohl noch ne Weile als Single-speed:(

    Zwischenfazit: das Konzept überzeugt zwar in der Theorie, aber nach dem Bau kann ich echt sagen, dass es ohne viel Zeit und Werkzeug halt doch nicht ganz so leicht zu machen ist. Finanziell lohnt es sich auf keinen Fall, wenn es ein XYZ sein soll, dann wahrscheinlich besser bei XYZCARGO im Workshop bauen, da fällt auch das Kleinteileproblem weg.
    Im Hinterkopf nistet sich auch der Gedanke zum Kauf eines Bullitt-Framekits o.ä. ein, bin letztens eines Probegefahren, bzgl. Wendigkeit liegen da natürlich Welten dazwischen...

    Gruß
    Patrick
     
  8. lowtech

    lowtech

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    Babboe CityE, Bakfiets Cargobike long m. VR Motor, Cargo Trike Wide
    Zum Nabe mit Disc Problem: bei eBay gibt es immer wieder Lsufräder mit Nexus 7/ 8 Gang für Rollenbremse. Mit einem Adaper von Cesur bikes kann man da Scheiben montieren und gährt oft deutlich günstiger als mit Nabe mit Disc. Die Nexus 8 ist aufgebaut und übersetzt wir die Alfine und unterscheidet sich durch Gleit- statt Wälzlager.
     
  9. Breitmaulgnumpf

    Breitmaulgnumpf

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    XZY Cargo Nachbau
    Danke, @lowtech für den Tipp mit der Nexus. Vielleicht gehe ich noch in diese Richtung.
    Jetzt habe ich erstmal das Schaltwerk auf dem 3. oder 4. Gang fixiert und ausprobiert, wie es sich mit dem verkürzten Radstand um 12 cm fährt. Das ganze Rad ist jetzt noch ca. 265 cm lang.
    Ich muss sagen: deutlich besser und weniger wackelig! Wendekreis ist zwar immer noch in der Größenordnung eines Containerschiffs, aber Manövrierfähigkeit bei niedriger Geschwindigkeit und beim Anfahren ist viel besser.
    Wahrscheinlich habe ich mich auch ein bisschen daran gewöhnt.
    Werde es also vorerst nicht vorne an der Box kürzen.
    Damit es nicht ganz grau bleibt, habe ich einen Stickerbomb-Boden eingebaut:
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    Zuletzt bearbeitet: 05.05.2019


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