Vier Kolben für ein Halleluja - Bremsentausch am Load 75

Ich meine, dass die Gabel am Lasti beim Bremsen deutlich mehr belastet wird als 'an anderen Modellen' und man deshalb vielleicht nicht ohne Weiteres eine größere Scheibe verbauen sollte?
 
Ich schrieb ja gerade deshalb, dass R&M am 75er Load (auch beim S-Pedelec) bei gleicher Gabel die 180er Disc verbaut. Ein S-Pedelec mit voller Zuladung ist wohl so ziemlich das Härteste, was man einer Bremse und der Gabel abverlangen kann.
 
Da meine original 160 mm Tektro Scheibe vorne nach 11500 km noch 1.5 mm Stärke hatte, habe ich mir eine 180 mm Scheibe mit Adapter gakauft. Blöderweise (besser: Glücklicherweise) ist die Shimano SM-RT66 für schmale Beläge, die Tektro hat aber breite Beläge. Also mal nen Satz BR-MT520 Sättel gekauft, dann wird zunächst vorne, später hinten umgebaut...
 
Lange hydraulische Leitungen mit „BanjoEnd“:

Auch ich habe auf eine Scheibenbremse umgerüstet.
Dabei musste ich eine 2,6m lange Leitung verlegen, die Shimano nicht anbietet (!).
Lösung (nach vergeblicher Recherche bei allen lokalen Fahrrad-„profis“):
5€
„Universal Banjo End mit Gewinde aus Edelstahl“, +Meterware

Ich hoffe hiermit allen Umrüstwilligen diese Sorge und Suche zu ersparen
- Scheibenbremsen sind imho ein Muß!



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Hallo,

nochmal eine grundsätzliche Frage zum Thema Bremsen mit vier Kolben: Eigentlich dürfte die Bremskraft doch sich genau nicht ändern, egal wie groß/klein man die Kolben als auch die Beläge macht. Zumindest unter der Annahme dass
a) Der Abstand der Bremsklötze zu Bremsscheiben im nicht betätigten Zustand gleich ist
b) Die Kraft (genauer gesagt das Drehmoment) am Bremshebel gleich ist
c) Der Hub (genauer gesagt die Rotation) der Bremshebel gleich ist
d) Der Reibungskoeffizient linear mit dem Anpressdruck zunimmt.

Warum verbaut man nun Bremsen mit mehr als zwei Kolben?

Meine Vermutung ist, dass das zwei (physikalische) Gründe hat:
1) Die Beläge sind größer und können so mehr Wärme abführen und erwärmen sich langsamer
2) Der Reibungskoeffizient steigt nicht linear mit dem Anpressdruck. Sondern ein großer Bremsbelag erzeugt bei gleicher Kraft mehr Bremskraft als ein kleiner Bremsbelag. D.h. die Annahme d) stimmt nicht.

Punkt 1) würde ich als trivial betrachten, zu Punkt 2) finde ich aber keine Literatur. Ist das wirklich so? Ansonsten verstehe ich den Grund nicht warum man überhaupt vier Kolben Bremsen verwenden sollte. Vier Kolben werden schließlich auch leichter undicht als zwei.
 
Die 4 kolber haben natürlich mehr Biss, weil die Bremsbelagfläche ja größer ist, ob du das in der Realität wirklich ausnutzen kannst, hängt ganz entscheidend davon ab, ob deine 2 Finger ABS "beherrschen".
Die Standfestigkeit!!!! einer Scheibenbremse hängt ganz wesentlich von der Bremsscheibe selbst ab, weil die wird warm und gibt natürlich ihre Wärme an die Beläge etc weiter. Wenn du die z.B.auf einer längeren Abfahrt zur Weißglut bringst, helfen dir auch keine 8 Kolben, auch wenn die das cool überstehen, die Scheibe wird sich zerfalten.
 
Die 4 kolber haben natürlich mehr Biss, weil die Bremsbelagfläche ja größer ist.
Mag ja sein, aber das ist ja genau meine Frage. Warum soll eine größere Bremsfläche mehr bremsen als eine kleine?

Bei Wikipedia steht bez. Reibung:
https://de.wikipedia.org/wiki/Reibung
"Oft ist annähernd die Abhängigkeit linear und die Reibungskraft von der Größe der Kontaktfläche unabhängig (siehe Amontonssche Gesetze)"
Amotonschen Gesetzt steht dann "Die maximale Haftreibungskraft und die Reibungskraft beim Gleiten sind von der Ausdehnung der Reibfläche unabhängig."
Also ist die Größe der Bremsbeläge egal, zumindest für die Bremskraft. Ist ja auch naheliegend, wenn man die Bremsflächengröße verdoppelt, halbiert sich bei gleicher Anpresskraft der Anpressdruck und die Bremswirkung bleibt gleich.
 
soweit so richtig, nur bei einer 4K verdoppelt sich """""vermutlich""""" die Anpresskraft, wenn die pysikalischen Möglichkeiten entsprechend angewandt werden (vom Hersteller). Wenn du den Geber(eines 2 Kolben systems nimmst und den auf ein 4K pimmst, hast du natürlich kein Gewinn.
Wenn man genau den gleichen Bremshebel nimmt, wäre der Anpressdruck (Kraft/Fläche) genauso hoch wie bei der Zwei-Kolben-Bremse, die Kraft mit der die Bremsbeläge gegen die Scheiben gedrückt werden doppelt so hoch. Man hätte eigentlich in dieser Situation gewonnen.
Allerdings: Man müsste die Bremshebel dann auch doppelt so weit betätigen, biss die Bremsbeläge die Scheiben berühren. Oder man bring die Bremsbeläge auch im unbetätigten Zustand nähre an die Scheiben, was sie anflälliger für Dreck/Fehlausrichtung machen würde. Das wäre also kein fairer Vergleich. D.h. man muss für die Vier-Kolben-Bremse einen Kolben nehmen, der eine doppelt so große Querschnittfläche hat, wie bei einer Zwei-Kolben-Bremse. Und dann hat man wiederum nicht bezüglich der Bremskraft gewonnen.

Ich kann mir gerade zwei Dinge vorstellen:
1. Das Amontonssche Gesetze gilt genau nicht. D.h. wenn man einen großen Bremsbelag verwendet, hat man mehr Bremskraft als bei einem kleinen Bremsbeleg - bei gleicher Kraft. Da würde ich mich dann dafür interessieren, warum das so ist. Ich verstehe das nicht.
2. Die Vier-Kolben Bremse bremst gar nicht besser als eine Zwei-Kolben Bremse. Die Hersteller haben sie einfach so ausgelegt, dass die Bremsbeläge näher an den Bremsscheiben sind, was sie anfälliger für Dreck macht. Das würde natürlich die Vier-Kolben Version in Frage stellen. Mit gleichem Erfolg könnte man auch bei einer Zwei-Kolben Bremse die Beläge näher an die Scheiben bringen und dann bei den Bremshebeln einen kleineren Kolben(durchmesser) verwenden. Der Vorteil der besseren Standfestigkeit bleibt natürlich trotzdem bestehen.

Ich bin gespannt ob das jemand erklären kann...
 
Ich extrapoliere hier aus dem Motorradsektor.
Es ist ein Mix verschiedener Vorteile. Die 4 kleinen Kolben kann ich schöner hinter einem der Lauffläche angepassten, länglichen Belag verteilen, habe dadurch gleichmässigeren Anpressdruck, grössere,also mehr Wärme aufnehmende Fläche, bessere Doierbarkeit und höhere Standfestigkeit.
 
Wenn ich analog Mal aus dem PKW-Sektor extrapoliere, geht es primär um die Qualität der Belagführung und das Ansprechverhalten.
Die Einkolbenbremse ist eher als Gummibremse verschriehen, während die Vierkolbenbremse unmittelbar und ziemlich präzise Pedalfeedback gibt.
Zudem scheint 1.) tatsächlich nicht zuzutreffen, andernfalls macht es keinen Sinn, dass Fahrzeuge mit Einkolbenbremse an allen Rädern vorn größere Beläge haben. Kraft verteilt sich schlussendlich ja auf die Fläche, bei mehr Fläche und gleicher Kraft ist die Kraft immer noch gleich groß, aber die Dosierbarkeit in meinem Kopf besser. Das Argument pro Kühlung hattest du ja bereits selbst benannt.

Grüße, M.
 
Moin zusammen,

ich kann technisch nicht viel betragen.
Zumindest aber bei Shimano und Tektro sind die Geber, also die Bremshebel, sowohl mit 2- aber auch mit 4-Kolben-Sätteln kombinierbar. Es scheint also so zu sein, dass Mineralölmenge und Druck in den Systemen unabhängig von 2- oder 4-Kolben gleich sind und die Geberkolben den selben Durchmesser aufweisen. Daraus folgere ich, dass der Flächeninhalt der Kolben in Summe bei 2- und 4- Kolbenbremsen gleich ist. Vielleicht hat jemand die Durchmesser der Kolben und kann die Theorie bestätigen.
Im Endergebnis aber bleibt festzuhalten: Die 4-Kolbensättel haben eklatante Vorteile was Standfestigkeit und vor allem Bremskraft anbelangt, das belegen Tests aber auch eigene Erfahrungen. Ich erkläre mir das mit größeren Belägen, besserer Führung und gleichmäßigerem Anpressen an die Scheiben. Die vier Kolben der Shimano-Zangen sind unterschiedlich groß. Größe/Länge der Beläge ist zusätzlich ein Vorteil zur besseren Ableitung von thermischer Energie besonders bei Verwendung von Icetech-Kühlrippen.
 
Habe mir jetzt auch BR-MT520 montiert. Vorne passt alles super, hinten ist de Bremszange 1-1,5 mm zu weit von der Achse weg, d.h. an den Belägen steht außen eine entsprechende Kante über. Das ist doof und auch nicht ganz ungefährlich. Hätte erwartet, das die Zange einfach passt:unsure:
Problem sowohl mit originaler 200er-Tektro Scheibe mit breiter Reibfläche als auch mit neuer Shimano Scheibe mit schmaler Reibfläche gegeben.
Kann mir kaum vorstellen, das ein anderer IS2000 auf PM Adapter hier helfen würde? Falls doch, wäre es wohl der SM-MA-R203P/S2 von Shimano.
 
Habe mir jetzt auch BR-MT520 montiert. Vorne passt alles super, hinten ist de Bremszange 1-1,5 mm zu weit von der Achse weg, d.h. an den Belägen steht außen eine entsprechende Kante über. Das ist doof und auch nicht ganz ungefährlich. Hätte erwartet, das die Zange einfach passt:unsure:
Problem sowohl mit originaler 200er-Tektro Scheibe mit breiter Reibfläche als auch mit neuer Shimano Scheibe mit schmaler Reibfläche gegeben.
Kann mir kaum vorstellen, das ein anderer IS2000 auf PM Adapter hier helfen würde? Falls doch, wäre es wohl der SM-MA-R203P/S2 von Shimano.
Hatte gleiches Problem, habe mit der Feile die 1mm und 1,5mm vom Adapter weg gefeilt, dabei kann man den Winkel (Adapter zu Aufnahme und zur Bremszange) auch anpassen, der meist auch nicht genau passt. Mit Schraubstock so einspannen das der Winkel passt, und mit Augenmaß und großer Flachfeile ging das gut!
 
Ich meine, dass die Gabel am Lasti beim Bremsen deutlich mehr belastet wird als 'an anderen Modellen' und man deshalb vielleicht nicht ohne Weiteres eine größere Scheibe verbauen sollte?
Ein blockierendes Rad bekommt man mit V-Brakes auch hin, mehr Belastung geht nicht, der Unterschied ist, ob man mit einem Finger tippen muß oder ob man die ganze Hand mit viel Kraft braucht damits blockiert, Zweiteres kann man halt, nicht mit Gefühl machen!
Würde sagen die max. Belastung für die Gabel ist wenn man gegen/über einen hohen Randstein fährt, in die eine Richtung, und auf Biegung wenn man den Randstein wieder runter plumpst.
Habe schon mehrere Gabeln an meinem Enduro vernichtet, immer beim springen ins Flache (Biegung), und beim im spitzen Winkel gegen Hindernisse fahren, nie beim Bremsen, das geht vergleichsweise sanft von statten, die Kraft wirkt länger, ist aber bedeutend kleiner als die Spitze beim dagegen krachen !
 
So, nach knapp 3000km ist der erste Satz Sinterbremsbeläge in einer Saint-Vierkolbenbremse (BR-M820) mit Tektro-Hebeln vorn und hinten am Packster 80 HS runter gebremst und musste getauscht werden. Kolben zurückdrücken, alte Beläge raus, Sattel säubern, neue Beläge rein, fertig.
Weil hier im Faden die Frage aufkam, ob der Tektro-Ausgleichbehälter für 4-Kolben-Sättel ausreichend ist: ja isser. :)
Die Hebel waren am Ende der Belege ganz minimal weicher als nun mit neuen Belägen, ansonsten einwandfreie Funktion. Ich kann weiterhin die Umrüstung nur wärmstens empfehlen.

Die Saint hat übrigens bis auf's Finish und Design und die Belaghalteschraube statt Splint keinerlei Vorteile zur BR-MT520. Beide tun, was sie sollen und liefern die gleiche Performance.
 
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