Hi zusammen, ich bin der Entwickler und Designer bei VEOLO und gerade über euren Thread gestolpert und nehme das mal zum Anlass paar Gedanken zum Hintergrund zu teilen.
Angefangen hat es vor rund zwölf Jahren: Randonneur, ein Satz Ortlieb-Taschen, damit habe ich alles transportiert. Mit dem ersten Kind kam ein zweirädriger Thule-Hänger ans Rad – und der übernahm schnell auch den Rest des Gepäcks. Plötzlich fuhr ich wieder mein leichtes, unbeladenes Gravelbike, nur eben mit Anhänger hinten dran. Damit war ich quer durch Europa unterwegs, und das Fahrverhalten hat mich überzeugt: einfach, aber sportlich. Vollbeladen mit Taschen am Rad fühlt sich das ganz anders an. Klar, bergab mit Hänger und anfangs noch mechanischen Scheibenbremsen muss man etwas mitdenken – aber durchgekommen sind wir fast überall, echte MTB-Trails mal ausgenommen. Ich bin sportlich unterwegs, auch mit Hänger im Schnitt um die 25 km/h. Dazu das schnelle Packen: rein und los. Gerade auf kurzen Touren mit Familie ein echter Gewinn.
Als mein Kind dann selbst fuhr, fehlte mir der Hänger – dieser Begleiter, der einfach immer da war, alles mitnahm und sich unauffällig integrierte. Ich hätte Taschen ans leichte Rad montieren oder ein Lastenrad nehmen können. Aber genau die Dynamik und Leichtigkeit des puren 28ers wollte ich behalten. Dafür hatte ich das Rad gekauft und in das geringe Gewicht investiert.
Den Aha-Moment hatte ich, als ich beides direkt vergleichen konnte. Ein Kindersitz oder Taschen am Rad bringen das Gewicht nach oben – das Rad wird kopflastig, kippelig, beim Lenken und Anfahren spürt man jedes Kilo. Mit dem Anhänger blieb genau dieses Gefühl aus: Die Last hängt tief und ist vom Rad entkoppelt, mein Bike fuhr sich nach wie vor leicht und agil, fast als wäre nichts dran. Genau das hat mich als Konstrukteur überzeugt: die Last tief und vom Rad entkoppelt, ausbalanciert auf zwei Rädern. Der Anhänger braucht nur den Impuls über die Kupplung, um zu folgen oder die Richtung zu ändern. Das sind Grundlagen der Fahrdynamik – jedes schnelle Fahrzeug wird entsprechend ausgelegt.
Was ich als Nachfolger für den Kinderanhänger gesucht habe, war ein sportlicher, leichter Lastenanhänger, der ästhetisch und technisch mit modernen Bikes mithält. Den gab es nicht. Mein Eindruck: An den Rädern hat sich in den letzten Jahren enorm viel getan – Scheibenbremsen, E-Antrieb, neue Schaltungen, Dämpfungstechnik. Die Anhänger haben dieses Tempo nur selten mitgemacht.
Also habe ich aus eigener Erfahrung ein eigenes Konzept entwickelt und VEOLO gegründet. Die Grundidee: ein vielseitiger, sportlicher Anhänger. Nicht nur auf der Biketour, sondern auch im Alltag – Ausflug, Einkauf, Sportgepäck, Hund. Ein Multitool für jedes Rad, als Alternative zu Packtaschen auf der einen und sperrigen Lastenrädern oder dem Auto auf der anderen Seite.
Einrädrige Konzepte (Weber Monoporter, BOB Ibex und Co.) habe ich zuerst getestet. Für mich kippte das Handling mit zunehmender Last: ab etwa 20 kg spürte ich den Hänger zunehmend als Pendel – beim Beschleunigen, in Kurven und vor allem am Berg, je nach Beladung und Schwerpunkt. Logisch – das Einrad bezieht seine Stabilität über das Fahrrad. Auf engen Trails läuft es dafür besser, das stimmt. Aber genau die schwereren und größeren Lasten sind für mich der spannende Teil, und da bin ich beim zweirädrigen Prinzip geblieben.
Im Fokus der Entwicklung stand die Fahrdynamik. Drei Punkte: tiefer Schwerpunkt, Einzelradaufhängung, einfache Konstruktion. Darum herum ein leichter, hochfester Rahmen, der zugleich als Schnittstelle dient, um aus dem Anhänger ein Multitool zu machen. Alles nach dem K.I.S.S.-Prinzip – der Reiz des Anhängers liegt für mich gerade in seiner Einfachheit und Zeitlosigkeit.
Im letzten Jahr habe ich jedes Teil nochmal optimiert. Der Anhänger wiegt jetzt 6,7 kg und deckt mit Add-ons alles ab, vom Einkauf über den Hund bis zum kompletten Expeditions-Setup. Für den Alltag zählt die Usability: überarbeitete Schnittstellen, eine neue Kupplung und ein Magnetsystem, mit dem sich Taschen und Zubehör schnell wechseln lassen. Auf den letzten Metern lässt er sich auch als Handwagen ziehen.
Das Ganze hat in Summe drei Jahre, viel Engagement und einige Ressourcen gekostet; ein paar Designpreise und Berichte in den einschlägigen Magazinen sind dabei zusammengekommen. Was bleibt: Die Vorurteile gegenüber Fahrradanhängern halten sich hartnäckiger als gedacht. Aber das ist letztlich auch die Mission – den Anhänger aus seiner Nische zu holen. Ich bin überzeugt, dass er das Potenzial dazu hat.
Mich würde eure Sicht interessieren: Anhänger – Vorurteil oder unterschätztes Werkzeug? Und für alle, die tiefer einsteigen wollen: Das aktuelle Modell veolo 2.0 stelle ich wie schon im Forum angemerkt gerade auf Kickstarter vor.
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