Umbaubericht: Enviolo zu 3X3 NINE am Carqon Cruise

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Liebes Cargobike-Forum,

ich wollte hier mal etwas für die Öffentlichkeit dokumentieren, weil es für mich selbst sehr hilfreich gewesen wäre. Nicht nur weil die Recherche sonst sehr mühsam ist, sondern auch weil manche Dinge trotzdem nicht vorhersehbar sind, und zu dem konkreten Thema generell noch nicht so viel im Internet zu finden ist. Und zwar habe ich am Carqon Cruise e-Cargo (von 2023) die Enviolo durch eine 3X3 NINE ersetzt. Dabei bin ich kein hardcore Radlschrauber, und das ganze war eher aus der Not motiviert, weil die Enivolo nicht mehr wirklich fahrbar war und der Familientransporter natürlich nicht länger ausfallen darf.

An der Stelle eine Warnung an Nachahmer:
  • Ich bin kein Profi, in dem was hier steht stecken bestimmt Fehler!
  • Alle Maße/Komponenten vorher am eigenen Rad gegenprüfen, nicht blind auf das verlassen was ich hier schreibe!
  • Es ist etwas Metallbearbeitung notwendig, sowohl an der NINE Achsplatte, auch als am linken Ausfallende des Fahrrads.

Bestandsaufnahme​

  • Enviolo Heavy Duty: 36 Loch, 148mm Einbaubreite mit modularem Befestigungskit
  • Felge: Ryde Andra 40, 27,5 Zoll, 36 Loch
  • Ausfallenden: 148mm Einbaubreite, kompatibel mit M12x1,0 Boost Steckachse
  • Riemenscheibe Hinten: CDX 22 Zähne (CT1122VMN)
  • Riemen: CDX 125 Zähne
  • Riemenscheibe Vorne: 46 Zähne (CT11464AA) auf Spider Assembly S4B4BM+9.0
  • Motor: Bosch Cargo Line ohne Smart (= Gen4 BDU450 CX)
Damit ergibt sich eine Primärübersetzung von 46/22=2,09. Als maximales Drehmoment an der Kurbel ergeben sich aus Motordrehmoment und aufgerundetem Fahrergewicht auf dem Pedal: 85Nm + 0,2m*80Kg*9,81N/Kg = 242Nm. Durch die Primärübersetzung halbiert sich das grob auf 115,7Nm an der Enviolo.

Und hier kommen wir auch direkt zum Punkt, warum es für mich nicht infrage gekommen ist eine neue Enviolo einzubauen: der ganze Aufwand mit Laufradbau dafür, dass eine ohnehin nicht für Robustheit bekannte Nabe mit mittelmäßiger Bandbreite außerhalb ihrer Spezifikation betrieben wird: ihr maximales Eingangsdrehmoment von 85Nm wird um 36% überschritten.

Auch unzufrieden war ich mit der Enviolo bei Steigungen. Die Stufenlose Übersetzungsbandbreite geht von 0,5 bis 1,9. Zusammen mit der Primärübersetzung ergibt sich eine Gesamtbandbreite von 1,045 - 3,973 (Entfaltung: 2,32 bis 8,82m).

Übersetzung​


Die NINE übersetzt 0,527-fach im ersten und 2,920-fach im neunten Gang. Die größere Bandbreite von 554% möchte ich so anordnen, dass sie vor allem kleinere Gesamtübersetzungen als mit der Enviolo ermöglicht. Ich habe mich entschieden die 46 Zähne vorne zu behalten, aber hinten auf eine größere Scheibe mit 32 Zähnen zu gehen. Das ergibt eine Primärübersetzung von 1.44, und eine Gesamtübersetzungsbandbreite von 0.758 - 4.197 (Entfaltung: 1,68 bis 9,32m). Der erste Gang liegt damit bei 72.5% des kleinsten Enviolo-Gangs, und und der neunte Gang bei 105.6% des höchsten Envilolo-Gangs. Hilfreich ist da auch der "Bicycle Drive Assistant" von Gates, findet man hier: https://go.gates.com/BDA

Gates_Drivetrain_Calculation.png


Drehmoment​


Die maximal 242Nm an der Kurbel werden mit der jetzt kleineren Primärübersetzung zu mehr Drehmoment am Nabeneingang: 168.3Nm. Das ist aber kein Problem, weil die NINE maximal 250Nm Eingangsdrehmoment verträgt, wovon wir nur 67.3% erreichen.

Riemenlinie​


An diesem Punkt lohnt es sich die Gates Unterlagen, "Gates Carbon Drive Binder" genannt, herunterzuladen. Vor allem die Module "Komponenten" und "Baugruppen", das gibt's alles hier: https://www.calameo.com/gates-corporation/subscriptions/7219999

Aus den Tabellen und Prüfmessungen am Rad ergibt sich, dass die Enviolo-Konfiguration mit einer Riemenlinie von 48,5mm läuft. Bei der NINE kommt man mit HB Sprocket und 148mm Einbaubreite auf 51,7mm. Es muss also vorne auf jeden Fall angepasst werden. Wie der Zufall es aber so will, kann man sich da mit einem kleinen Murks aus der Affäre ziehen: Wenn man das Assembly nicht in der Original-Reihenfolge Riemenscheibe → Spider → Schutzring zusammenschraubt, sondern Spider → Riemenscheibe → Schutzring und die Riemenscheibe noch von der B auf die A Seite umdreht, bekommt man 52,0mm Riemenlinie (grober gemessener Wert).

Spider_mod.jpeg


Riemenlänge​


Ich habe zunächst den Achsabstand mit den Enviolo-Teilen berechnet, mit dieser Formel:

Achsabstand_Berechnung.png


Dabei sind:
  • Lp die Riemenwirklänge (Zähne*11mm Zahnteilung)
  • D und d die Wirkdurchmesser der Riemenscheiben (Zähnezahl*Zahnteilung/Pi)
Der originale Achsabstand ist demnach 498,8mm. Für die NINE habe ich mich für 130 Zähne am Riemen entschieden, was einen Abstand von 500,0mm ergibt.

Drehmomentstütze / Achsplatte​


Das linke Ausfallende hat einen 8mm Bolzen in 39mm Entfernung zur Achse, passend zur Enviolo. 3X3 hat mir gesagt, eine dazu kompatible Achsplatte zur Drehmomentabstüzung wird im Frühjahr bis Sommer 2026 verfügbar sein. Bei mir wars aber ein bisschen dringender, und so habe ich beschlossen eine AP.TA OE.3 Achsplatte zu modifizieren. Im Grunde muss man nur die Kontur passend heraus schneiden. Bei der Achsplatte ist das Material an der Achsaufnahme dicker, was nach dem zuschneiden natürlich nicht mehr der Fall ist. Darum habe ich ein kleines Edelstahlplättchen mit M6 und dem zweiten Loch dazu geschraubt (hier nicht abgebildet). Ich habe auch keine Nut sondern ein Loch gemacht, weil ich festgestellt habe, dass sich damit die Nabe einfacher einbauen lässt: erst den Bolzen in das Loch fädeln, und dann die Nabe nach hinten/oben kippen.

Achsplatte_mod.jpeg
Achsplatte_mod_montiert.jpeg


Die merkwürdig anmutende Aussparung links oben ist für den Schlitten mit dem die verschiebbaren Ausfallenden festgeklemmt werden. Mir ist danach aber aufgefallen, dass auch die Enviolo Drehmomentstütze einen Teil des Fahrwegs des Schlittens blockiert und das kein Problem darstellt. Man muss da also nicht so viel Material wegschneiden.

Auch braucht diese modifizierte Achsplatte zu viel Platz, als dass man die Schaltansteuerung senkrecht unter der Achse platzieren könnte. Man kann die Ansteuerung zum Glück aber etwas verdreht aufsetzen, und damit leicht nach hinten versetzt montieren.

Ausfallende​

Hier wäre der Umbau fast schief gegangen. Und zwar ist die NINE etwas größer als die Enviolo HD. Vor allem liegen die Befestigungsschrauben der Bremsscheibe auf einem größeren Radius. Die Carqon Ausfallenden werden an der Stelle schon wieder dicker, da kommt auf der linken Seite schon die Befestigungsmöglichkeit für die Bremse. Die Schraubenköpfe kollidieren dort mit dem Ausfallende.

Zum Glück fehlt nicht besonders viel, und mit einer Feile kann man eine Ecke wegnehmen, so dass die Schraubenköpfe genau vorbei kommen. Es ist auch genug Material da, so dass ich jetzt keine Angst habe dass die Bremsbefestigung beeinträchtigt sein könnte.

Ausfallende_mod.jpeg
Ausfallende_mod_test.jpeg


Laufradbau​

Zunächst habe ich getestet, ob ich den Speichenrechner kapiere, indem ich die Länge der originalen Eniviolo Konfiguration ausgerechnet habe. Ich habe mal original Ersatzspeichen gekauft, und die sind 236mm. Bei der NINE ergeben sich wegen der Unsymmetrie leicht unterschiedliche Speichenlänge, ich habe aber dann 234mm für beide Seiten bestellt. Der Speichenrechner von SAPIM hat mir am besten gefallen: https://www.sapim.be/speichenrechner

Speichenberechnung_Nine.png


Das war das erste Rad das ich eingespeicht habe, und ich war mir nicht sicher ob es auf Anhieb klappt. Darum habe ich auch eine neue Felge gekauft, damit das Fahrrad weiterfahren kann bis das neue Rad fertig ist.

Als Zentrierständer habe ich ein paar vorhandene 20mm Aluprofile zu einem Rechteck verschraubt und an einen Tisch geklemmt. Aufnahmen für die Steckachsen wurden schnell 3D-gedruckt. Um die Höhen- und Seitenschläge zu sehen / bzw. hören habe ich einfach ein Geo-Dreieck dazu geklemmt.

Zentrierständer.jpeg
Zentrieständer_2.jpeg


Das Einspeichen selbst war dann nicht so schwierig wie befürchtet. Das Muster (2x gekreuzt) versteht man doch relativ schnell und muss nicht mehr bei jeder Speicher am original-Rad abschauen. Die Nippel (Polyax 14mm) habe ich am Anfang so weit eingedreht, dass auf der Antriebsseite das Gewinde der Speiche genau gerade nicht mehr sichtbar war, und auf der Bremsseite so dass noch 1mm sichtbar war. Dann immer alle Speichen 1 Umdrehung anziehen, bis leichte Spannung aufkommt. Dann immer alle linken oder alle rechten Speichen bis die Felge mittig läuft. Dann wieder alle Speichen bis die Spannung schon relativ hoch ist. Bis hier ist wichtig immer alle Speichen, oder zumindest alle auf einer Seite, gleich zu behandeln, nicht an einzelnen Speichen rum zu drehen. Wenn man am Anfang alle Nippel gleich weit drauf gedreht hat, landet man so automatisch auf einer relativ guten Ausgangsposition zum zentrieren. Jetzt einzelne Speichen die noch auffällig entspannt sind spannen. Dann für jeden Ausschlag überlegen in welche Richtung man ziehen muss und das vorsichtig mit der jeweiligen Speiche machen.

Ich habe dann mit einem Tensiometer und halben Nippelumdrehungen an allen Speichen weiter gemacht, bis die Spannung in einem ähnlichen Bereich lag wie am Originalrad.

(Weiter gehts im nächsten Post wegen Bilderbegrenzung)
 

Einbau​


Nicht schwierig, die Anleitung von 3X3 dazu ist sehr gut. Am besten vorher einmal lesen, damit man nicht von fehlendem Werkzeug aufgehalten wird (Bandschlüssel, Hollowtech II Nuss, ...). Ich empfehle die Ausfallenden zu demontieren und alles ordentlich zu reinigen. Davor fiel meine Einbaubreite 1.5mm schmäler aus und ich dachte ich hätte einen Fehler gemacht und die Schaltung passt nicht rein. Schaltzug und Hülle sind von der Länge her extrem knapp! Also die Hülle erst einziehen, und dann schauen wo man genau durchschneidet damit es passt. Ich hatte da nichts über. Von den Zügen habe ich auch nur einen gekürzt.

Eingebaut_1.jpeg
Eingebaut_2.jpeg
Eingebaut_3.jpeg


Kosten​


Ohne Werkzeug und ohne Versand:

Material:Preis:
3X3 NINE Nabe für 12mm Steckachse 148mm / 36 Loch890€
3x3 NINE Schaltansteuerung Mechanisch79€
3x3 NINE Dreh-Shifter – 9-fach Drehgriffschalter39€
3x3 NINE Achsplatte AP.TA OE325€
Fahrwerker Bremsscheibe 203mm – für 3x3 NINE55€
CDX:BLACK Fin Line Rear Sprocket, 32T, 3X3 NINE Hub110€
CDX Gates Belt Drive, black/black 130T119€
Steckachse - 12x148mm Boost - M12x1,025€
Continental Easy Tape Felgenband 24-5843€
Ryde Andra 40 - 27,5 Zoll Disc 36 Loch33€
SAPIM Strong, j-bent, silber, 234 mm, 40Stk29€
SAPIM Polyax 14G Messingnippel, 14 mm5€
Summe:​
1412€

Fazit​


Natürliche eine teure Angelegenheit, aber im Grunde gibt es für Nabenschaltung ja nur 3X3 oder Rohloff. Und das Rad fährt sich absolut großartig! Man merkt auch deutlich dass weniger Leistung verloren geht, es ist fast so als würde man beim Motor eine Unterstützungsstufe hochschalten. Berge sind auch endlich kein Problem mehr. Der Drehgriff funktioniert besser als bei Enviolo, er lässt sich leichter drehen. Auch die Rasterung in der Nabe ist sehr angenehm. Es gibt ja manche die Bedenken haben, dass die Gangabstände unangenehm groß sind. Das ist aber bei einem eBike im Stadtverkehr auf jeden Fall nicht so. Ich fahre eigentlich meistens die Gangabfolge 3-5-7, und mit schwerer Beladung 2-4-6.
 
Hallo @habitant, herzlichen Glückwunsch zu diesem Umbau. Ich habe letztes Jahr eine fast neuwertige Enviolo gegen eine gebrauchte 3X3 eingetauscht und bereue es auch nicht. Die Gangabstufung passt mir wirklich gut und wie du überspringe ich meist einen Gang beim beschleunigen. Das habe ich schon bei der Alfine 11 am Biorad gemacht und mache ich beim Nexus-Uty so. Bei der Rohloff würde ich vermutlich zwei Gänge überspringen. Ich habe noch nie einen Zwischengang bei der 3X3 vermisst.
Offenbar hast du einen Händler an der Hand, der die Teile auch einzeln verkauft. Meiner hat darauf bestanden, den Umbau selbst durchzuführen. Gut, bei mir war ja eine gebrauchte Nabe auf Schnellspanner umzurüsten. Das ist etwas mehr Arbeit. Aber war der Einbau der Bremsscheibe irgendwie schwierig? Angeblich muss bei der Montage der Achsplatte auf eine Dichtung geachtet werden.
Dass das Schalten leichter geht als bei der Enviolo ist schön, aber mir ist kein großer Unterschied aufgefallen. Vielleicht passen die neuen Züge nicht zu meinen alten Hüllen. Hast du auch den Effekt, dass du den vierten Gang manchmal verfehlst und im Leerlauf landest?
 
Ich habe die Teile bei https://nabenland.bike/ gekauft, da hatte ich einen netten Kontakt. Dort wählt man aber auch bei der Bestellung die Arte der Achse und Einbaubreite. Teile um das nachträglich an der Nabe zu ändern gibt es da nicht einzeln (zumindest nicht im Shop gelistet).

Ich schätze du meinst die Montage der Schaltansteuerung, die nach der Bremsscheibe montiert wird. Dort gibt es einen Metalldichtring, der bringt jetzt aber keine nennenswerten Schwierigkeiten mit. Man muss darauf achten, dass die Dichtung gut eingefettet ist, und dass man das ganze vorsichtig ohne zu verkanten bis rundum zum Anschlag einsetzt. Ist jetzt aber auch nicht so kompliziert, von 3X3 gibt es ein paar Videos zur Montage, relevant wäre hier das mit dem Titel "Montage der Schaltansteuerung": https://www.3x3.bike/tutorials/

Beim Vergleich des Schaltgefühls ist vielleicht ein bisschen unfair, dass die Enviolo ja schon 5000Km runter hatte. Aber das ganze Schaltinterface der Enviolo verdreckt ja auch weil es kein Gehäuse hat, und im Winter friert das auch ein. Richtig gut schalten ließ sich unsere Enviolo nur im Sommer wenn alles ganz sauber war und die Züge schon fast zu locker eingestellt.

Also in einem richtigen Leerlauf bin ich noch nie gelandet, grade in der Umgewöhnungsphase kann es aber mal passieren, dass man nicht gleich sauber im Gang landet. Unter Last kann die Enviolo auch nicht schalten, aber man kann schon ein bisschen Kraft auf den Schaltgriff geben und sobald das Drehmoment an der Kurbel runter geht beginnt der Schaltvorgang. Das ist bei der 3X3 anders. Da muss man am besten pausieren mit dem Treten, und erst dann den Schaltgriff bewegen. Bergauf sollte man also auch ein bisschen strategisch und vorausschauend schalten. Wenn man einen Gang runter will wird man sonst in der Zwischenzeit so langsam, dass man zwei runter gemusst hätte. Andersrum, wenn die Steigung weniger wird und man schneller wird erst sehr spät hoch schalten, also wenn die Trittfrequenz schon sehr hoch ist.
 
Als maximales Drehmoment an der Kurbel ergeben sich aus Motordrehmoment und aufgerundetem Fahrergewicht auf dem Pedal: 85Nm + 0,2m*80Kg*9,81N/Kg = 242Nm. Durch die Primärübersetzung halbiert sich das grob auf 115,7Nm an der Enviolo.

So kann man das Eingangsdrehmoment nicht berechnen.
Wenn man richtig rechnen will.
Muß man erst das benötigte Ausgangsdrehmoment berechnen.
Was am einfachsten über Leistung geht
P= D/r *v (D=Drehmoment, r= Laufradradius, v= Geschindigkeit in Meter pro Sekunde )
Daraus ergibt sich
D=P*r/v
Benötigte Leistung am Berg kann man damit relativ gut berechnen.

Bsp: Für 200kg an 15% Steigung bei 2m/s (7,2km/h) berechnet Kreuzotter 624 W.
Ergibt damit für 28 Zoll Rad (r= 0,35m) ein Ausgangsdrehmoment von ca. 110Nm.

Dann berechnet man über die Unter/Übersetzung das benötigte Eingangsdrehmoment.
Im Falle Enviolo im niedrigsten Gang 0,5.
Das benötigte Eingangsdrehmoment liegt damit bei ca. 55Nm.
Bei üblichem Verhältnis Kettenblatt/Ritzel von 2.
Benötigt man an der Kurbel im "Durchschnitt 110Nm"
Und jetzt müssen wir beachten, daß für das Drehmoment des Fahrers gilt daß der effektive Hebelarm je nach Stellung der Kurbel variert.
Wenn man davon ausgeht daß man nur nach unten tritt.
Ergibt sich bei 90° 0,17m
Bei 0 und 180° 0,0m (deshalb auch oberer/unterer Totpunkt genannt)

Effektiver Hebelarm= Hebelarm * sin(0-180)

Beim anfahren merkt man dies sehr stark.
Da wird niemand auf die Idee kommen. Mit Kurbelstellung kurz hinter dem oberen Totpunkt anzufahren.
Wenn sich das Rad dreht, reduziert die Massenträgheit das benötigte Drehmoment.
Und da wir an den Totpunkten etwas nach vorne drücken. Ist der effektive Hebelarm nie ganz 0.

Damit man Nabenschaltungen auch unter leichter Last schalten kann. Reduzieren die Motoren im Bereich der Totpunkte die Leistung.

Wie man sieht ist dies alles ziemlich kompliziert.
Und deshalb gibt Enviolo im Technical manual immer an, daß man bei einem Verhältnis Kettenblatt/Nabenritzel von minimal 2,0.
Bei einem xNm starken Motor maximal ykg Systemgewicht zulässig sind.

Generell gilt für die Belastung der Nabe.

Die Belastung der Nabenschaltung ergibt sich der Differenz aus Ausgangs und Eingangsdrehmoment, welche am Rahmen abgestützt wird.
Wenn man wie bei der Nexus 5 den Direktgang in den 1. Gang legt.
Dann ist die Differenz zwischen Ausgangs/Eingangsdrehmoment an steilen Steigungen 0Nm. Und man kann mit günstigem Material eine haltbare Nabe bauen.
Eine Enviolo mit 0,5 hätte im oberen Bsp.
ca. 55Nm welche am Rahmen abgestützt werden müssen.
Eine Rohloff mit Untersetzung von 0,28 im 1. Gang. Käme auf ca. 30Nm Eingangsdrehmoment. Und damit müssten 80Nm über das Getriebe am Rahmen abgestützt werden.

Bei hoher Übersetzung steigt die Belastung der Nabe theoretisch auch.
Da das benötigte Ausgangsdrehmoment aber üblicherweise viel niedriger ist. Ergibt sich in der Realität selten ein Problem.
Außer:
Im Pedelecforum hat ein schwerer Radler mal gefragt warum beim anfahren im 5. Gang. (Übersetzung 2,65) Die Drehmomentstützen der Nexus 5 regelmäßig abgeschert sind.
 
Deine Berechnung zur Überlastung der Enviolo ist erhellend... Da hat man dann wohl alle Umtausch- und Bemängelungsrechte?
Ich schätze man wird sich da in einen juristischen Jungel begeben, der wenig Spaß macht. Ich könnte mir Vorstellen, dass das als Endkunde gar keinen Unterschied macht, denn der hat ja erst mal nur die gesetzliche Gewährleistungspflicht an seiner Seite. Es wäre wahrscheinlich so, dass wenn ein Endkunde am Fahrrad innerhalb von 2 Jahren eine kaputte Schaltung reklamiert, der Fahrradhersteller das wiederum auf eigene Kosten reparieren (lassen) muss. Weil wenn er sich nicht an die Spezifikationen hält, er die dann Nabe wiederum nicht bei bei Enviolo reklamieren kann. Für den Fahrradhersteller wäre das praktisch eine nicht bestimmungsgemäße Verwendung des Bauteils auf eigenes Risiko.

warum nicht die Rohloff?
Eine Summe mehrerer Gründe:
  • Preis ist zumindest ein bisschen weniger
  • 3X3 unterstützt Steckachsen nativ. Bei der Rohloff ist das genauso Umständlich mit vielen kleinen Einzelteilen wie bei der Enviolo
  • So viele Gänge brauche ich nicht. Mehr Gewicht und Größe bei weniger Gängen lässt mich auf einen massiveren Aufbau hoffen
  • Keine Lust auf Ölwechsel
  • Mir gefällt, dass man das Innenleben der 3X3 Nabe aus dem Rad nehmen kann ohne auszuspeichen
  • Rohloff ist ja sehr einsahm im High-End Bereich der Naben. Gleichzeitig ist der SPEEDHUB 500/14 jetzt 30 Jahre alt (was ihn natürlich nicht schlechter macht!). Im Grunde finde ich es aber verwunderlich, dass es so ein altes Getriebe nicht schon längst viel günstiger nachgebaut aus China gibt. Gesittete Konkurrenz aus dem eigenen Heimatland sorgt vielleicht dafür, dass sich hier niemand zu lange auf den Lorbeeren ausruht bevor es eine böse Überraschung gibt
Nachteilig ist natürlich, dass es noch keine Langzeiterfahrungen gibt was die Haltbarkeit anbelangt, und auch nicht dazu wie umgänglich 3X3 bei der Reparatur von Defekten ist. Am Bio-Bike, wo man auf langen Strecken seine Lieblingskadenz möglichst gut treffen möchte, und auch nicht unnötig Gewicht rumfahren will, würde ich mich möglicherweise auch für Rohloff entscheiden.
 
Zuletzt bearbeitet:
So kann man das Eingangsdrehmoment nicht berechnen.
Wenn man richtig rechnen will.
Muß man erst das benötigte Ausgangsdrehmoment berechnen.
[...]
Bsp: Für 200kg an 15% Steigung bei 2m/s (7,2km/h) berechnet Kreuzotter 624 W.
Da würde ich dir wiedersprechen. Das was du ausrechnest ist ein spezifischer Fall, bei dem Gewicht, Steigung und Geschwindigkeit bekannt sind. Fahrrad- und Nabenhersteller geben ja ein zulässiges Gesamtgewicht an, das kann man also verwenden. Aber wenn das Fahrrad oder die Nabe produziert wird, können die Hersteller noch nicht wissen wo der Kunde damit wie schnell und wie Steil hochfahren wird. Was ist denn, wenn ich jetzt beschließe nicht 15% sondern 18% hochzufahren? Dann ist deine Rechnung obsolet..

Man muss also den für die Nabe schlimmstmöglichen Fall ausrechnen. Und der tritt ein, wenn an der Kurbel das größte Drehmoment anliegt das möglich ist. Und das ist wiederum dann der Fall, wenn der Fahrer mit seinem Körpergewicht auf den waagrechtem Kurbelarm tritt und der Motor voll unterstützt.

Und so handhabt das auch 3X3: Das Eingangsdrehmoment, das sich aus Kurbelarmlänge, Körpergewicht, Motorunterstützung und Primärübersetzung ergibt darf 250Nm nicht überrschreiten. Siehe z.B. vorletzte FAQ-Frage hier: https://www.3x3.bike/faq/
Wie berechne ich die maximale zugelassene primäre Übersetzung, um 250Nm am Hinterrad nich t zu überschreiten?

iprimär=(((Gewicht auf Kurbelin Kg * 9,81)*(Kurbellänge in mm/1000))+Motordrehmomentin Nm)/250Nm

Und bei Rohloff ist es genauso. Die haben zwar in einer Tabelle übliche Konfigurationen aufgelistet, die zugrunde liegende Rechnung für das maximale Einangsdrehmoment ist aber darunter erklärt:
* 130Nm Eingangsdrehmoment = Belastung durch Fahrer*in, plus Motor, geteilt durch Primärübersetzungsfaktor

Beispiel:

- Fahrer*in 150Nm. Motor leistet 100Nm. Primärübersetzung 2.5 = 150+100 = 250:2.5 = 100 (100Nm = OK)
- Fahrer*in 250Nm. Motor leistet 100Nm. Primärübersetzung 2.5 = 150+100 = 350:2.5 = 140 (140Nm = NOT OK)
Die Tabelle findet man hier: https://www.rohloff.de/fileadmin/user_upload/Tabelle_Primaeruebersetzung.png
 
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