Steco Baby Mee, et al. - Babies im Lastenrad

Hallo zusammen,
als (relativ) frischgebackener Elternteil habe ich mir die Schwangerschaft natürlich vor allem damit verbracht, zu recherchieren, wie man am Besten Kleinkinder via Fahrrad transportieren kann. Eine Variante ist das Lastenrad + Baby Mee. Je mehr man recherchiert, desto mehr wird klar, dass die wissenschaftliche Basis etwas dünn zu sein scheint, im Bezug auf wann Babies unter welchen Umständen mitfahren können.
Ich für mich halte es ein bisschen mit dem Vergleich zum Kinderwagen (Gehwege bei uns in Nordamerika sehen meist grob so aus), was Vibrationen angeht. Aber welche Vibrationen und Erschütterungen über welchen Zeitraum haben welchen Einfluss? Welche Massnahmen am Fahrrad sind die effektivsten um dagegen anzugehen? Wie wirkt sich das auf die Überlegungen aus, was ab welchem Alter funktioniert?
Natürlich gibt es viele Meinungen und Erfahrungen aus der Fahrrad-Community, die im Internet dokumentiert sind. Und natürlich haben wir Big Apples mit niedrigem Luftdruck am Rad. Aber was ist mit tatsächlichen Messungen und medizinischer Einordnung?

Ich würde da gerne noch mehr lesen, weil´s mich interessiert!
Das einzigste, was ich da bisher gefunden habe, ist diese Master Thesis aus Delft: https://repository.tudelft.nl/islan...9e0-a7a4-87a138948e26/datastream/OBJ/download

(Grobe Zusammenfassung:
  1. Niederländische Verbände scheinen 3 bis 4 Monate als Einstiegsalter zu empfehlen, allerdings sind die genauen Gründe nicht ganz offensichtlich.
  2. Vibrationen in einer Kinderschale auf 3-Rad wurden für 3 verschiedene Straßenbeläge gemessen. Steco Baby Mee ist der Benchmark.
  3. Steco Baby Mee scheint in dem Testaufbau größtenteils ineffektiv zu sein. Gemessen wurde über einen Pflasterweg (wie es scheint ohne Schlaglöcher)
  4. Eine neue Babyschalenhalterung wurde entwickelt, die Vibrationen gegenüber dem Fahrradboden und Baby Mee halbiert.
  5. Die medizinische Einordnung wird größtenteils via Vergleichen zu anderen Alltagssituationen und Shaken Baby Syndrome durchgeführt. Daraus resultiert allerdings auch, dass auch andere Alltagsaktivitäten (Autofahren) teilweise über den empfohlenen Grenzwerten liegen könnten)
Hat jemand noch mehr Material irgendwo gesichtet?
 
Ich habe kein wissenschaftlicher Material, aber die Erfahrung,.dass ich zweimal Babys ab 4 Wochen im gefederten Anhänger Plus Weberschale transportiert habe und sie es gut überstanden haben. Klar bin ich anfangs extrem vorsichtig gefahren, keine Bordsteine etc, Pausen bei weinen (wobei sie zuverlässig geschlafen haben, solange ich an der Ampel im Kreis gefahren bin und nicht angehalten habe ;))

Meine Hebamme hatte keine Bedenken,.Sie meinte, mir muss es ja auch gut gehen. Da wir kein Auto haben, musste ich den Alltag mit ein bzw zwei großen Geschwistern ja auch nach der Elternzeit meines Mannes wuppen.

Und meine 9jährige meint, das Packster ist besser gefedert als der Anhänger. Daher hätteich keine Hemmungen, ein Baby einzupacken (aber drei Kinder reichen mir :LOL:
 
Vielen Dank für deinen Beitrag! Material hatte ich dazu bisher nicht gesichtet, wir fahren unser Baby seitdem es sechs Wochen alt ist vorsichtig in der Steico- Halterung im Maxi-Cosi.
Es wäre auf jeden Fall wünschenswert mehr Daten dazu zu haben, damit ließen sich auch neue besser gefederte Halterungen konstruieren.
In Ermangelung dessen halte ich aber im Moment das Risiko für vertretbar. Vor allem im Vergleich mit anderen Problemen des Straßenverkehrs wie Schadstoffe, Unfallgefahr oder Fehlhaltung in den Auto-Babyschalen erscheint es mir nicht übermäßig groß.

Wenn du noch etwas findest teil aber unbedingt den Link, das Thema ist auf jeden Fall wichtig.
 
Sehr schöne Masterarbeit, allerdings scheint mir die Ausführung der verkaufsfertigen Version zu komplex (=teuer), als dass man es einem preisbewussten Kunden verkaufen könnte. Die Stecovariante taugt wirklich nicht viel: keine Dämpfung, der Aufbau schwingt stark, selbst auf glattem Asphalt, es quietscht und scheppert. Die Gummistrapse werden bei einem Unfall reißen und die Babyschale fliegt davon, die Gummis können dann im schlimmsten Fall direkt im Gesicht vom Kind landen.
Dann ist die Federrate fix vorgegeben, da sich das Gewicht vom Kind aber relativ schnell ändert (von knapp 4 auf bis zu 12kg in etwa) ist das nur ein schlechter Kompromiß.

Wenn ich das konstruieren sollte, würde ich keine Parallelogramm- Mimik verwenden, sondern mit Hilfe eines Rosta- Elements arbeiten.
Nun würde die Babyschale zwar beim Einfedern keine rein vertikale Bewegung ausführen, sondern eine Kreisbahn, dafür würde die Konstruktion sehr einfach, effektiv und auch für "Endkunden" bezahlbar. Mit dem Verschieben der Babyschale auf dem Ausleger könnte die Federrate eingestellt werden.

Gruß,
Mark
 
Hi, mit wissenschaftlichen Artikeln kann ich leider nicht dienen, aber wenn ich aktuell mit Baby planen würde, ein Familienlastenrad anzuschaffen, dass in erster Linie zum Baby- Kindertransport dienen soll, dann würde ich mir das hier mal ansehen: https://www.cagobike.com/

Da hat man sich offenbar echt Gedanken gemacht, was Sicherheit etc. angeht.


Grüße
Kim
 
Naja, noch ist das Cago nur vorbestellbar. Und für die Transportsicherheit für Babys, insbesondere für den Schutz vor Stößen durch Unebenheiten der Fahrbahn, Schlaglöcher, Bordsteine, hat es eigentlich nur die Federgabel und ist damit auf dem gleichen Niveau wie andere Räder mit Federgabel, die schon erhältlich sind.

Und ehrlich gesagt, diese "Sicherheitsbox", auf die sie da so stolz sind, halte ich für Augenwischerei. Die bringt höchstens bei Bagatelle-Unfällen bei niedrigen Geschwindigkeiten einen Vorteil. Für einen Crash mit einem Auto, der nicht nur ein Rempler ist, bringt das alles wahrscheinlich auch nur wenig.
 
Rosta klingt interessant. Haben diese Elemente auch eine dämpfende Eigenschaft?

Ich würde ganz gerne mal ausprobieren, wie sich der Baby Mee verhält, wenn man die Feder-Schraubenkombination durch eine Feder mit Öldämpfer ersetzt (ähnlich zu einer MTB Rahmenfederung oder denen in RC Autos). Allerdings hab ich (als nicht-Maschinenbauer) bisher keine Ahnung, wo ich einigermaßen preiswert Elemente in passender Größe und Härte beziehen könnte.

(Nur als Kontext, da der Thread sich einen losen Austausch zu entwickeln scheint: ich gehe mal davon aus, dass meine Situation etwas extremer ist, als die mit den meisten Lastenrädern. Wir fahren ein Circe Morpheus, dass ich in eine Cargoversion mit Eigenbau-Kiste plus Verdeck umgebaut habe. Das Gewicht auf dem Vorderrad ist ziemlich gering (da keine Holzkiste, sondern Aluminiumkonstruktion) und die Spike-Winterreifen, die ich hier in Kanada brauche, sind auch keine Balloonreifen (20x1.5 @ 1.5 bar). Mit etwas extra Gewicht wirds besser, aber ich werde wohl bis Frühling warten müssen, damit die Big Apples wieder dran kommen).
 
Könnte mir mal jemand mit Bakfiets oder anderem 2-Rad Lastenrad ohne Federgabel irgendwie beschreiben, wie "sanft" die Reise mit oder ohne Steco Baby Mee ist? Ich hätte gerne den ein oder anderen Referenzpunkt.

@Eighttoasts Kennst du eine kostengünstige Bezugsquelle für Rosta-Elemente?
 
Wir haben unseren jüngsten - in Rücksprache mit der Hebamme -ab etwa 6 Wochen mitgenommen. Anfangs nur kurz und natürlich mit sanfter Fahrweise. Der Maxi Cosi Halter wibbelt eher als das er federt.
Den meisten Komfort machen die Big Ben in 2,125" Breite.
Wir wohnen in Köln. Also Strasse, Radwege, kopfsteinpflaster und Bordsteine, Parks aber keine Feld- und Schotterwege.
Hast Du konkrete Fragen? Dann immer raus damit.

Rad: Cargobike long, VR Motor, meist 2-3 Kinder Besatzung. Luftdruck so 3-4 bar.
 
Mein Kleiner war ab ca 3 Monate im Maxicosi mit der Steco Baby Mee Halterung dabei. Rad ein Bullitt ohne Federung mit 2.0er Big Apple.

Die Hebamme, die eigene Mutter, meinte ab da mit sehr vorsichtiger Fahrweise kein Problem.
Die umsichtige, rücksichtsvolle, vorsichtige Fahrweise halte ich für wichtiger als die Federung. Die war eher für mein Gewissen mit drin. Harte Stöße kommen trotzdem durch.
Gemeckert hat er nie. Im Regelfall nach 200m eingeschlafen
 
Meine Frau hat korrigierend 8-10 Wochen eingeworfen. Das waren auch keine längeren Fahrten, sondern mal eben zum Drogeriemarkt oder Supermarkt.
Die Hebamme sagte übrigens, selber Fshrradfahren solle man die ersten 4-6 Wochen nicht und ab dann wieder, wenn man sich danach fühlt. Aber das ist nicht Inhalt hier, sondern nur von Interesse, weil die Mama zum frischen Nachwuchs ja auch dazu gehört...☺
 
Haben ebenfalls ab ca. 6 Wochen den Nachwuchs im MaxiCosi und der hohen Steco-Halterung (ältere Version, aktuell unterscheiden sich wohl die Federn) im bakfiets kurz und Bullitt mitgenommen. Jeweils mit Ballonreifen, Druck ca. 2,5 bar und angepasster Fahrweise. War kein Problem und der Kleine wurde in der Wanne des Kinderwagens im Vergleich deutlich mehr durchgeschüttelt.
Verglichen haben wir das im Anschluss noch mal aus Spaß mit einer Seismometer-App und dem Smartphone. Damit konnte man das etwas objektivieren. ;)
Die wesentlich größere Gefahr sehe ich im Straßenverkehr selbst und der ausbaufähigen Infrastruktur. Je mehr man von außen den MaxiCosi erkennt, desto zurückhaltender verhielten sich einige Verkehrsteilnehmer. Bei uns nur im bakfiets mit der hohen Halterung der Fall. Das Buliitt mit geschlossenem Canopy lässt oft kein Kind darin vermuten und man wird mal eher bedrängt.
 
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