Radreise Berlin-Usedom und zurück mit kleinen Kindern Sommer 2017 und 2018

Liebe Forums-Leser und -Freunde,

nachdem wir dieses Jahr das zweite Mal eine Radreise Berlin-Usedom und zurück gemacht haben, möchte ich berichten. Bei Nachfragen: Immer gerne.

Ich schreibe das Ganze chronologisch und unterteile. Der Länge wegen. Ich will nicht im Telegramm-Stil Informationen weitergeben, sondern ein wenig Atmosphäre vermitteln. Die Entscheidung pro oder contra Radreise mit Kindern fällt vielleicht einigen anderen, nicht nur uns, schwer. Das Thema Lastenrad ist damit verbunden, gleichwohl nicht das Wichtigste. Passt aber dennoch hier in das Forum, wie ich denke.

Vorbereitungen, Vorjahreserfahrungen

Die Lütten und die Eltern
Wir haben zwei Kinder, in 2017 (bei der ersten Tour) knapp 2 und knapp 4 Jahre alt, und jetzt in 2018 knapp 3 und knapp 5 Jahre alt. Wir beide sind im Alltag viel mit Rad unterwegs, allerdings fast nur im Flachland. Den Lastenrad-Virus haben wir seit 2014. Erst einen Einer-Kinderanhänger, dann ein Long John von Johnny Loco mit Kabine für zwei, dann Zweier-Kinderanhänger, dann Long Tail Yuba Mundo mit Sitzen für zwei, dann Bullitt mit Box oder Kabine (im Wechsel Sommer / Winter, für zwei Kinder und/oder Gepäck). Wir haben uns an die großen Radreise durch kleinere Touren in Berlin und Umland herangetastet, haben - gerade auch der Kinder wegen – Probe-gezeltet. Eine außerordentliche Outdoor-Familie sind wir nicht, wir machen sonst eher Flugreisen nach Griechenland mit festem Dach über'm Kopf. Die genannten Lastenräder (plus immer auch Trekkingräder zusätzlich) haben sich zeitlich überschnitten, jetzt sind zwei Lastis wieder verkauft und das Bullitt ist aber noch da. Wir staunen zuweilen, wie rasch die Entwicklung bei Kindern voran geht und wir rasch sich demnach die Transport-Erfordernisse ändern. In dem Sinne: Ein Kind fährt jetzt selbst Rad zur KiTa, das andere passt locker in den Römer Kindersitz eines Trekkingrades.

Material
2017 sind wir mit einem Standard-Trekkingrad Bikemanufaktur (Kettenschaltung 24G), einem gefederten Qeridoo-Doppelsitzer-Kinderanhänger und dem Bullitt als Lastenesel für alles Gepäck gefahren. Das Bullitt hatte (und hat auch weiterhin) eine Euro-Box 80 x 40 x 44cm drauf, die sich aufgrund der kubischen Maße und mit einer selbstgenähten Regenplane versehen sehr bewährt hat. Den Hänger haben wir abwechselnd gezogen (zwei Hängerkupplungen), am Lastenrad aber möglichst nur dann, wenn keine nennenswerten Steigungen anstanden. Neu in 2018 war die Anschaffung eines Pedelec, da meine Frau kein zweites Mal den Hänger ohne Motor ziehen wollte. Pegasus Solero E8 mit Kettenschaltung und 500Wh Akku, mit dem kleineren Bosch Mittelmotor (Active Line). Die Wahl fiel auf genau dieses Modell vor allem wegen der Rahmengeometrie (Trapez und groß). Ich habe mein Bullitt mit Alfine-8-Nabenschaltung vor der Reise 2018 und aufgrund der Vorjahreserfahrungen mit den Steigungen in der Uckermark mit einem größeren Ritzel versehen: 22 anstatt 20 Zähne (bei Kettenblatt mit 39 Zähnen). Genutzt habe ich diese Primärübersetzung mit recht hoher Trittfrequenz und ohne übertriebene Krafteinleitung, da das Drehmoment in dieser Konfiguration etwas außerhalb der Zulassung liegt. Letztes Jahr hatten wir zwei Ortlieb Backpackers als zusätzlichen Stauraum mit, dieses Jahr kamen zwei weitere Packtaschen hinzu, denn ich habe mein Bullitt mit einem Gepäckträger versehen (das Original von LvsH für 40,-€). Ferner haben wir dieses Jahr die Räder der Kinder mitgenommen (Laufrad für die Kleine, 16“ Fahrrad für den Großen) und diese bei Nichtnutzung auf die Eurobox des Bullitt draufgeschnallt oder aber das Laufrad getrennt vom 16“ Fahrrad quer auf dem Gepäckträger des Pedelec transportiert. Das Camping-Equipment wurde verbessert, was aber zusätzliches Gewicht bedeutete: Größeres Zelt („Blackout IV“), größere Luftmatratzen (zweie und Gesamtfläche 260 x 210cm). Ansonsten: Schlafsäcke für vier, Essensbox, viel zu trinken, Werkzeug, Unterwegs-Kinderklo, Strandsachen, Picknickdecke, Spielzeug … (bestimmt habe ich etwas vergessen).

Zeitrahmen, Route
Das Vorjahreskonzept - einige Tage hinfahren (maximal eine knappe Woche, minimal vier Tage), zelten unterwegs, dann eine Woche Unterkunft (FeWo) auf Usedom (in Heringsdorf), anschließend in gleichem Modus wieder zurück (zeitlicher etwas flexibler, je nach Verpflichtungen in Berlin) - hatte sich 2017 bewährt und so wollten wir es wieder machen. Das Wetter war 2017 auf der Hinfahrt sehr schlecht gewesen (viel Regen) und wir freuten uns auf eine trockene Hinfahrt 2018 (Haha!), geplant mit mehr Umwegen, um unterwegs etwas anzuschauen (Schiffshebewerk Niederfinow, Besuch bei Freunden in der Uckermark abseits des Fernradweges). Daher war die Etappe Joachmisthal bis Prenzlau auf der Hinfahrt jetzt 2018 abweichend von 2017 gewesen. Für die Rückfahrt war geplant: Viel Zeit lassen, Uckermärkische Seen genießen, kleine Tagesetappen.

Navigation
Die App von Kommoot hatte sich 2017 bewährt und wurde wieder verwendet. Allerdings haben wir wegen der genannten Umwege noch eine Planung über caminaro.de online vorgenommen (open cycle map-Einstellung), in der Hoffnung, gute Radwege abseits des BU-Fernradweges zu erwischen. Eine Papier-Karte haben wir anders als 2017 nicht mitgenommen.

Unter dem Strich ...
kam viel Gepäck zusammen, deutlich mehr als 2017 schon, das machte mir Sorgen. Allerdings war der Umstand, dass meine Frau nun Pedelec fährt und bereit war, durchgehend den Kinderanhänger zu ziehen, entlastend. Vor dem Aufbruch haben wir beide Räder und den Hänger technisch gut durchgesehen. Gepackt haben wir recht eilig, am Morgen des Aufbruchs. So kam es, dass sehr viel Kram mitfuhr, den ich zum Teil lieber daheim gelassen hätte (Bücher aus der Leihbücherei, Labtop zusätzlich zu zwei Internet-fähigen Handys – na, ja). Andererseits kommt eben auch zwangsläufig viel zusammen, wenn man die Ferienwoche in der Unterkunft den Kindern versüßen will, weder an Kuscheltieren, noch an Spielzeug sparen. Der mp3-Player-Würfel / Lautsprecher als Unterhaltung für die Kinder (Musik, Hörspiele, teils Dateien vom Handy per Bluetooth beim Fahren übersendet) musste wieder mit – gut so! Dass Werkzeug, Kettenöl und ausgewählte Ersatzteile mit sollten, das war klar.
 
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Ein Fahrraddieb, nachts

Kurz vor dem Aufbruch zur Reise versuchte tatsächlich ein Dieb meine insgesamt drei (!) Schlösser mit einer Akku-Flex zu öffnen und das Bullitt zu stehlen. Ich hatte Glück, habe es gehört (wir schlafen zur Straße raus), habe den Dieb aus dem vierten Stock herunter angeschrien, woraufhin er von meinem geliebten Bullitt abließ. Rad gerettet.

Das dickste der drei Schlösser (zwei Mal Kette plus ein Rahmenschloss) hat 10mm Kettenglieder und wiegt heftig. Natürlich hat der Typ mit diesem angefangen und hat es in nur Sekunden (ich hörte den Beginn des Schleifgeräusches) zur Hälfte getrennt gehabt. Inklusive Auskehlung des Schnittes, denn die Kettenglieder hätten ja noch aneinander vorbei gemusst. Profi, wie ich denke. Arschloch, wie ich auch denke.

Am liebsten hätte ich ihn erwischt und der Polizei übergeben. An dem Lärm hat sich in der Nachbarschaft keiner außer mir gestört (auf Nachfrage am nächsten Morgen). Sommernacht, überall Fenster offen, monsterlaute Trennscheibe, ruhige Wohngegend, taghell beleuchteter Stellplatz unter einer großen Laterne, Nacht von einem Sonntag auf einen Montag zur Schulferienzeit. Den Rest zum Thema Fahrradsicherung kann sich jeder denken.

Leider gehört wohl das Bullitt auch bei Dieben zu den beliebteren Rädern und ich würde meinen, dass mein Rad speziell ausbaldowert worden ist zum Klau. Huh! Es parkt jetzt definitiv sicherer.

Falls übrigens einer von euch einmal in die Verlegenheit kommen sollte, aus der Wohnung heraus einem Fahrraddieb draußen nachzustellen und kurz über eine Art Distanzwaffe nachdenkt (der Typ hatte immerhin einen Trennschleifer in der Hand): Ein Feuerlöscher ist vielleicht ganz probat. Habe ich so gemacht, der Blödmann war aber schon über alle Berge gewesen, bevor ich ihn hätte pulvern können.
 
Tag 1 der Hinreise, erste Etappe Berlin-Schöneberg zum Werbellinsee

Die Stadt wollten wir nicht durchqueren, daher ging es ab Bahnhof Südkreuz mit der S2 Richtung Bernau, geplanter Radtour-Beginn dann in der Natur. Das mit Aufzügen am Südkreuz klappte wieder gut (das Bullitt geht auch mit Gepäckträger hinten und Eurobox vorne quer gerade so hinein). Die S2 war werktags am Vormittag in der Ferienzeit recht leer gewesen (später Aufbruch erst nach 11 Uhr). Anders als in 2017 hatten wir dieses Mal die Verbindung nicht vorher gecheckt und waren daher überrascht gewesen, dass wir nur bis Blankenburg fahren konnten, wegen einer Streckensperrung nördlich davon.

Ab Blankenburg war der BU-Radweg aber gut ausgeschildert und nach einer kurzen Etappe auf der Straße dann schließlich als reiner Radweg sehr gut zu fahren. Also: gleich die Kinder auf die Räder, hat großen Spaß gemacht! Der Weg wurde halt einige Kilometer länger als geplant, aber das juckte uns nicht. Bis Werbellinsee wird es langsam hügeliger, aber alles noch gut zu machen (die schlimmeren Steigungen kommen auf der nächsten Etappe am Werbellinsee entlang bis Joachimsthal).

Unterwegs gibt es gute Rast-Möglichkeiten, teils mit Bänken und Tischen am Weg. Gut war in jedem Fall, dass wir ausreichend Verpflegung dabei hatten. Picknick-Decke und Proviant herausgeholt und die Pause konnte sofort beginnen. Das Camping-Klo für unsere Kleine war rasch im Einsatz und hat sich erneut bewährt: Plastikeimer mit „Obst“-Tüte drin, darüber einen Toilettensitz-Aufsatz für Kinder.

Abends kamen wir noch knapp vor dem Regen am Werbellinsee an (Berolina-Camping am Süssen Winkel, Zufahrt für Räder etwas nördlicher als für Autos, Weg über eine Holzbrücke über einen Kanal und dann durch den Wald). Das Badehaus da haben sie neu gemacht seit 2017, das war auch nötig gewesen, jetzt ist es o.k.. Zelten direkt am See auf einer Wiese, Bademöglichkeit gut, einen Strand gibt es auch.

Leider aber spielte das Wetter nicht mit. Während sich die Berliner in der Hitze aalten hatten wir die Nacht hindurch gewittrigen, heftigen Regen. Premiere für das neue Zelt. Aber es halt gehalten! Nur leider war der Regen auch sehr laut gewesen, das störte den Schlaf. Und wir hatten das Vorzelt schlecht aufgebaut, zu eilig, hier standen Pfützen. Das Gepäck war teilweise in der Eurobox des Bullitt und teilweise im Hänger gestaut und war dort immerhin gut trocken geblieben.

Kinderanhänger, früher eng geworden als gedacht ...
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Fertig gepackt ...
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S2 ...
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S2, andere Perspektive ...
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Endlich unterwegs, frei fahren außerhalb der Stadt, Sohn und Papa ...
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Die Lütte schläft währenddessen, endlich Platz im Hänger ...
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Tag 2 der Hinreise, Werbellinsee bis Camp Solaris am Unteruckersee, knapp südlich von Prenzlau

Der Aufbruch bei Regenwetter war nicht sehr spaßig gewesen. Frühstücken, Bad-Programm, Packen inkl. des Stauens eines nassen Zeltes – nun, ja. Das Zelt hatte sich aber trotzdem sehr bewährt, auch in den kommenden zwei Regennächten.

Am Tag ließ der Regen etwas nach, der über Hügel neben der Straße geführte Radweg nach Joachimsthal war aber anstrengend, die Last im Bullitt spürbar. Teils habe ich die Auto-Straße weiter unten gefahren, weniger Steigungs-intensiv, aber Nahüberholer-LKW mit überhöhter Geschwindigkeit machten dem ein Ende.

Meine Frau hat mit ihrem Pedelec im Eco-Modus den Zweieranhänger, zwei Gepäcktaschen und das Laufrad der kleinen mühelos die Hügel rauf pedaliert, war immer schneller gewesen als ich. Und dennoch hielt der 500Wh Akku gut 120km. In der Ebene waren wir bei 20 bis 25km/h gleichauf, sonst fuhr sie öfters mal etwas vor. Was aber auch den Vorteil hatte, dass die allfälligen Pausen für Zuwendungen an die Kinder (Essen, Trinken, Unterhaltung, Fragen, aber leider auch mal Streit) meistens dann stattfanden, wenn ich noch den letzten Hügel im niedrigsten Gang hochfuhr. Das größere Ritzel beim Bullitt hatte sich bewährt. Der 1.Gang der Alfine passte und ich musste nur selten mal schieben, deutlich seltener als in 2017.

Ab Joachimsthal fuhren wir verschiedene Kreisstraßen abseits des BU-Radweges über Gerswalde bis Potzlow (und von da weiter auf dem BU-Radweg nach Prenzlau). Den abweichenden Weg machten wir, da wir Freunde besuchen wollten. Der Besuch musste von denen leider kurzfristig abgesagt werden, aber wir fanden den Weg abseits des Bekannten landschaftlich interessant und haben ein sehr schönes Cafe / Wirtshaus entdeckt (in Gerswalde).

Der Wermuthstropfen: die „tolle“ open cycle maps-gestützte Planung war nicht gut gewesen. Die als explizite Radrouten ausgewiesenen Streckenabschitte waren teils mit Lastenrad (oder Hänger) nahezu unbefahrbar gewesen: Waldwege, grob steinig und mit Wurzeln, rauf und runter. Wir hatten halt vielbefahrene Autostraßen vermeiden wollen. Die Wahrheit ist wohl sehr einfach. Die Uckermark ist schön, eben weil sie so dünn besiedelt ist. Das bedeutet aber auch, dass jeder halbwegs für Lastenräder gut befahrbare Weg, sofern freigegeben, auch für Autofahrer interessant ist. Die noch kleineren, abseitigeren Wege sind was für MTB-Fahrer. Der BU-Radweg ist streckenweise auch nicht ganz so dolle, wie man sich das vielleicht vorstellen mag. Aber unser „Umweg“ hat stellenweise einfach nur noch geschlaucht.

Wir sind schließlich müde und später als gedacht am Camp Solaris angekommen. Schöner Zeltplatz. Bademöglichkeit, alles sehr nett und persönlich, vor allem recht klein und nicht so riesig wie andernorts. Kanuten / Wasserwanderer gibt es und von denen kann man etwas lernen: Sich Zeit lassen! Regenwetter? Egal, dann fahren eben morgen weiter. Wir andererseits hatten etwas „Eile“, weil wir unsere Unterkunft an der Ostsee im Zeitrahmen erreichen wollten.

Es war noch Zeit zum Zelt aufbauen, für Picknick am See, dann setzte nachts wieder heftiger Dauerregen ein, stärker noch als in der Nacht zuvor. Das Zelt hielt, der Lärm durch den Regen ließ uns leider wenig schlafen. Wir hatten das Zelt diese Nacht vorsorglich besonders stramm abgespannt.

Eine Pause, mal ohne Regen ...
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Die Kleene fährt auch ...
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Tag 3 der Hinreise, Camp Solaris (Prenzlau) bis Wasserwanderstation Pasewalk

Am nächsten Morgen verging die übliche Zeit mit sich sortieren, die Kinder und sich selbst frisch machen, Zelt abbauen und packen. Wir waren dann erst gegen 11 Uhr unterwegs (wie eigentlich immer) und prompt begann nun auch tagsüber ein Dauerregen. Wir fuhren teils durch Wände von Wasser. Die Kinder hinten im Qeridoo Anhänger waren trocken, wurden mit mp3-Player-Hörspielen und Leckereien bei Laune gehalten, leicht war es nicht gewesen.

Die bekanntermaßen schlimmste Etappe erwartete und nördlich von Schmarsow, wo wir 2018 einen engen, sandigen Pfad vorgefunden hatten, der Richtung Autobahn-Querung (wie so oft, wenn man eine Autobahn auf so einem Radweg quert und den einen ehemaligen Agrarweg hinüber zum nächsten kreuzt) mit einer blöden Steigung so richtig ungenießbar wurde. Man hatte uns bereits berichtet, dass sich baulich etwas tue, aber nur zögerlich. Und tatsächlich: Der „Weg“ war jetzt in 2018 auf einer Breite von ca. 2,50m planiert. Der Untergrund allerdings weiterhin loses Geröll und Sand. Bei Dauerregen und entsprechend durchmatscht ein großes Vergnügen!

An dieser Stelle muss nach zwei Fahrten Berlin-Usedom und zurück bemerkt werden: Dieser Flickenteppich von teils guten und teils aber auch völlig lieblos angelegten Wegen ist einer Bezeichnung als Fernradweg nicht würdig. Man kann es fahren und man vergisst angesichts der Schönheit der Landschaft tatsächlich auch einigen Unbill. Aber wenn man diese Verhältnisse auf die übermächtige Welt der Autofahrer übertragen wollen würde: Gute Nacht! Schuld ist wohl die Zuständigkeit der Kreise. Eine überregionale Planung und Finanzierung scheint zu fehlen.

Nun. Wir haben uns durchgekämpft, die Campingwiese der Wasserwanderstation Pasewalk erreicht. Dort logiert tagsüber eine Mitarbeiterin der Stadt in einer Art Würfelhäuschen mit Tisch, Stühlen, Duschen, WC. Man bekommt gegen Pfand 20,-€ einen Schlüssel zu diesem Häuschen (für die Nacht, für die Toiletten), denn zwischen 20 Uhr und 8 Uhr ist sonst keiner mehr da. Zelt aufbauen, Abendbrot im Abendrot (Essen gehen in Pasewalk auch gut möglich, man kann auch einen Skulpturengarten um die Ecke besuchen, etc. p.p.). Die nahe gelegene Landstraße ist leider nachts gut hörbar. Im heißen Sommer 2018 kam/kommt es zu Noternten und die Landwirtschaftsmaschinen fuhren bei Nacht in Kolonnen die Straßenbrücke über die Ucker (Uecker) entlang. Aber es war einmal eine fast regenfreie Nacht gewesen – das war gut!

Durchnässte Eltern, trockene Kinder ...
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Tag 4 der Hinreise, Wasserwanderstation Pasewalk bis Usedom, Heringsdorf, Zeltplatz

Am nächsten Tag weckte uns endlich einmal die Sonne und neben ausgiebigem Frühstück war ein Trocknen der ganzen Plünnen möglich. Gründliches Packen, Aufbruch gegen 11 Uhr, wieder Radfahren für die Kinder bei gutem Wetter - nördlich der Campingwiese übrigens sehr gut möglich!

Ein schöner Tag. Geplant war eine Etappe bis Ueckermünde mit Übernachtung dort, aber wir kamen dermaßen gut voran, dass wir gleich in Ueckermünde zum Hafen gefahren sind. Mecklenburg-Vorpommern: Es ist nun flach, es fährt sich (auch mit Ladung) sehr gut, nur langweilig ist es. Es geht an militärischen Sperrgebieten und Bundeswehrkasernen entlang.

In Ueckermünde dann Eis essen, die Fähre rüber nach Kamminke um 15:10 Uhr genommen, 60,-€ für alle vier mit Rädern, Kinderrädern, Hänger, Gepäck, Fahrzeit 1:20h. Die Schiffsfahrt war ein Vergnügen gewesen, die Besatzung sehr nett, wir haben Proviant dabei gehabt und gut gegessen (wir haben uns immer in Supermärkten längs des Weges verproviantiert, waren unterwegs nur selten in Cafes oder Restaurants gewesen).

Ab Kamminke dann den uns aus der Westentasche bekannten Weg nach Swinemünde hinein genommen und von da aus weiter zur deutschen Seite von Usedom, nach Heringsdorf. 2017 hatten wir viel Zeit in Swindemünde verbracht, haben Geld getauscht und sind essen gegangen. Heuer wollten wir früh da sein, noch ein Quartier klarmachen, denn wir waren einen Tag zu früh angekommen.

Das Appartment war erst eine Nacht später gebucht, also haben wie auf dem örtlichen Zeltplatz (eher ein Wohnmobil-Stellplatz) nachgefragt. Trotz Saison war es kein Problem gewesen. Es kostete die üblichen 20,-€ /Nacht für uns vier und das Zelt. Das war eigentlich immer so gewesen, mit kleinen preislichen Schwankungen.

Am Abend waren wir gleich noch beachen, anbaden, picknicken an der Ostsee. Angekommen! Viel Regen auf der Hinfahrt, aber keine technische Panne, keine körperlichen Probleme.

Dem morgendlichen Aufbruch ging das Trocknen der Plünnen voraus ...
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Alles mögliche war nass geworden, sogar dasjenige, welches wir gut verpackt wähnten ...
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Den Bienenhonig am Rande des Weges (Vertrauenskasse) sollte man übrigens kaufen, lecker ...
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Urlaub auf Usedom eine Woche Appartment plus zwei Tage Campingplatz

Bis auf zwei Schlechtwettertage (Wind, Regen), die wir mit Karls Erlebnisdorf in Koserow und einer Strandwanderung abmilderten, war es dann ein schöner Strandurlaub gewesen. Beachen, Sandburgen bauen, abends grillen. Und im Gegensatz zum Binnenland immer erträgliche 23 bis 26°C, keine Hitze, immer ein Hauch Wind.

Die Räder vor Ort zu haben war eine Wonne gewesen. Dieses Mal sind wir nicht noch einmal zwischendurch nach Polen rübergefahren, aber umso mehr auf Usedom westlich. Nach Ückeritz, Koserow (18km Entfernung) zum Beispiel. Dabei sollte als Lastenrad-Fahrer wissen: der Weg an den Strandpromenaden entlang wird um Ückeritz herum (im Wald) sehr hügelig, es fährt sich leichter auf dem Straßen-begleitenden Radweg entlang der Landstraße. Den einen Tag war an der Landstraße allerdings die 18km bis Koserow komplett Auto-Stau gewesen – heftig! Hindert einen nicht, man kann gelassen vorbeipesen. Stinkt aber.

Wir haben anschließend den Aufenthalt auf Usedom für zwei Tage verlängert, als Kompensation für das schlechte Wetter auf der Hinfahrt. Der Wohnmobil-Stellplatz in Heringsdorf nahm uns wieder gerne auf, alles sehr entspannt.

An der Stelle sei kurz der Akku des Pedelec erwähnt. Wir haben für die Hinreise zwei Ladungen benötigt und konnten dies am Camp Solaris und an der Wasserwanderstation Pasewalk für lau realisieren. Einfacher, als gedacht. Vor der Rückreise haben wir im Appartment aufgeladen und den Akku bis zum Aufbruch zurück nach Berlin geschont. Die Fahrten in Heringsdorf zum Strand oder aber nach Bansin für Abendvergnügen, Musik, die gute Eisdiele dort (unten an der Fußgängerzone) waren ohne Motor völlig problemlos. Außerdem fuhren die Kinder am Ort stets in der Eurobox meines Bullitt (Sitzbank und Gurte montiert) oder selbst Rad, so, dass der Hänger stehen blieb und demnach das Pedelec nichts ziehen musste. Auf dem Rückweg wussten wir dann schon, wo wir gut nachladen können.

Das Handy (Navigation!) hatte als backup eine Powerbank (für geschätzt drei bis vier Handy-Ladungen), das reichte vollkommen.

Schön war es auf Usedom. Wir hätten nur angesichts der neuerlichen Hitzewelle, die im Binnenland einsetzte, einfach mal länger dort bleiben sollen!

Quatsch am Strand ...
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Tag 1 der Rückreise, Heringsdorf bis Wasserwanderstation Pasewalk

Easy, easy, easy. Schönwetter, schöner Aufbruch, wieder via Swindemünde nach Kamminke und die Mittags-Fähre zurück genommen. Hier sollte man den Fahrplan beachten, an manchen Wochentagen (Di, Mi) ist der Betrieb sehr ausgedünnt, nur wenige Fahrten (und nicht die von uns favorisierte Verbindung um 13:05 Uhr zurück nach Ueckermünde)!

Mit guter Laune Richtung Pasewalk weiter. Dort alles wie gehabt problemlos.

An solchen schönen Tagen fuhren die Kinder selbst viel Rad (Laufrad, Rad), wie auch auf Usedom.

Wir planten bis zur Uckermark (Prenzlau) zwei Tage und dann: Zeit lassen, genießen! Wir wussten von der Hitze im Binnenland, bekamen diese allmählich zu spüren und überlegten schon, ob wir besser hätten ad ultimo an der Ostsee bleiben sollen. Alternativ hieß es nun: Unteruckersee, Oberuckersee, Werbellinsee – bummeln, Urlaub machen, kleine Tagesetappen.

Deutsch-Polnische Grenze nähe Kamminke ...
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Anhänge

Tag 2 der Rückreise, Pasewalk bis Camp Solaris

Wieder ein schöner Radfahrtag, wieder die Kinder viel gefahren.

Einzig getrübt wurde der Spaß von erneut diesem blöden Wegesabschnitt (jetzt von nördlich kommend) bis (Gut) Schmarsow. Eine einheimische hatte uns noch Alternativen genannt und diese als inzwischen Radwegs-optimiert ausgebaut hingestellt. Aber wir haben das ganze trotz Nachfragen (man traf sich häufiger längs des Weges) geografisch nicht verstanden und sind daher weiter den BU-Radweg gefahren. Als Quittung hatte ich dann ein plattes Hinterrad, trotz Schwalbe Marathon Plus Bereifung. Pech. Alles nicht so schlimm, nur, dass die Reparatur nach –zig schönen Halten ausgerechnet an einer engen und viel befahrenen Landstraße stattfinden musste. Nun ja. Hinterrad wegen Schlauch-Wechsel (anstatt Flicken) komplett ausgebaut (Nabenschaltung), eine knappe Stunde ging drauf, es war auch sehr, sehr heiß gewesen. Wiedertreffen mit dem Rest der Familie im nächsten Ort am Spielplatz.

Camp Solaris am Abend sehr entspannt und routiniert. Dieses Mal deutlich voller, dafür aber auch mit vielen Kindern – ein Segen!

Pause mit Einkauf wieder bei einem Stand mit Vertrauenskasse im Dorf ...
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Tag 3 der Rückreise, Camp Solaris bis nahe Potzlow, der Sohn verunfallt, vorzeitiger Abbruch der Tour

Der Tag begann schön. Bei Sonnenschein und Trockenheit macht sich alles beim campen viel leichter. Frühstücken, Zelt abbauen und packen gingen spielerisch ineinander über, die Kinder konnten noch toben, alle gut drauf. Die Tour ließ sich gut an, die Kinder fuhren selbst.

Da die Tochter auf dem Laufrad bald schon schlapp machte, nahm meine Frau sie in den Hänger, nebst Laufrad und fuhr schon einmal voraus, gut einen Kilometer vor uns. Der alleinige und flache Radweg ging bald in einen leicht hügeligen und straßenbegleitenden, engeren über. Dabei bemerkte ich, dass unser Sohn bei zunehmender Tageshitze teils ganz schön kämpfte bergauf. Ehrgeizig wie er ist, wollte er aber unbedingt weiterfahren und freute sich bei einem ärgeren Anstieg schon sehr auf die Abfahrt.

Bis dahin hatten wir (auf der Rückreise mehr als auf der Hinfahrt) wundervolle Papa-Sohn-Gespräche geführt, nebeneinander fahrend, wenn es der Platz zuließ. Er fragte mich nach den Leuten oben in den Windrädern, wie die Maschinen da bedienen. Und ich erklärte ihm die Generatorhäuschen (unbemannt, zu seiner Enttäuschung) in Bau und Funktion.

Hinter diesem einen größeren Hügel kam Gegenverkehr, es war gut Platz gewesen und unser Sohn fuhr weit vor mir. Er verriss dann den Lenker und stürzte über das Rad auf den Asphalt. Zum Glück mit Helm! Kurz darauf kniete ich auf dem Weg und hielt mein blutendes, schreiendes Kind in den Armen, ein Schneidezahn lag auf der Straße (zum Glück noch Milchgebiss!) einer anderer hing lose im Mundraum, das Blut lief und lief, es war furchtbar. Der Helm hatte beim Anprall an der Stirn eine deutliche Marke hinterlassen, Hämatom, viele Schürfwunden an allen Extremitäten, bezüglich innerer Verletzungen oder solcher des Skelettsystems oder Gesichtsschädels ließen sich nur Vermutungen anstellen (zum Glück nichts von alledem!).
 
Notfallmanagement Kind verunfallt

Rechts und links Kornfelder, kein Ort, Frau vorausgefahren. Ich bat einen zufällig vorbekommenden schnellen Radfahrer, dass er meine Frau einholen und zurückholen möge. Wir verbanden und desinfizierten das Nötigste. Meine Tränen und väterlichen Selbstvorwürfe versuchte ich zu unterdrücken. Die sich sammelnden Umstehenden waren hilfreich und aber anstrengend zugleich (viele Fragen).

Schließlich bewahrte vor allem meine Frau einen kühlen Kopf: das alles hier geht gar nicht, das verletzte Kind muss in den nächsten Ort, dort Rettungswagen. Rückblickend war das eine sehr gute Entscheidung gewesen. Wir fuhren die knapp 4km nach Potzlow, fanden dort an einem Supermarkt eine gute Basisstation für mich mit Tochter, Rädern und Gepäck.

Der Rettungswagen aus Gerswalde kam schnell an. Das Beste war dann gewesen, dass die Rettungssanitäter anstatt in das nahe gelegene Prenzlau fast 70km weit nach Eberswalde fuhren, über die Stettin-Berlin-Autobahn, damit eine fachgerechte Versorgung stattfinden könne. Meine Frau fuhr mit, in der Eile nahm sie das Handy samt Navigation mit sich, dazu alle Papiere und Karten, ließ mir etwas Bargeld da. In Eberswalde wurde unser Sohn 1A versorgt, konnte am selben Abend mit Mama im Regionalzug heim fahren.

Ich staute das Pedelec, die zwei Kinderräder und überschüssiges Gepäck in ein Nebengelass vom Supermarkt. Die Verkäuferinnen da waren sehr hilfreich und unkompliziert gewesen! Dann kuppelte ich den Hänger an das Bullitt, nahm das nötigste Gepäck für Campen etc. mit, setzte die Tochter hinein und los ging es, Richtung Heimat.

Den BU-Radweg, so schlecht er auch teils ausgeschildert sein mag, hätte ich sicher weiter verfolgen können. Aber mir stand nicht mehr der Sinn nach schönen Seen, campen, einem Umweg über die Blumberger Mühle, etc. Ich wollte rasch zuhause alles fit machen und die Familie schnell wieder zusammenführen. Mangels Karte hielt ich mich, was eine Abkürzung anbelangt, zunächst an Tipps von Einheimischen, was aber (wie auf der Hinfahrt schon) kompliziert war. Denn Lastenrad plus Hänger wurde stets in Bezug auf die erforderliche Wegbeschaffenheit von den Tippgebern unterschätzt.

Daher fuhr ich schließlich nach Himmelsrichtung (Süd) über Kreis- und Landstraßen, was sehr gut gelang. 120km nach Berlin, aber nach knapp der Hälfte hatten wir Angermünde erreicht: Regionalbahn! Unsere Tochter hat gut durchgehalten und war bei guter Laune, sang Lieder. Das tat mir gut, denn mir flossen die Tränen! Ansonsten habe ich bei der Hitze und Anstrengung wie ein Loch gesoffen, habe ob der geringen Bargeldvorräte in der Tasche einfach darauf vertraut, dass mir bei der Vorgeschichte einfach jeder helfen möge.

Am Bahnhof traf ich zufällig einen ohne Geld und Papiere gestrandeten Fernradler auf dem Heimweg von der Masurischen Seenplatte, die Freundin mit seinem Fahrschein und auch allem sonst in einem übervollen Zug, er aber wurde unsanft unterwegs auf den Bahnsteig gesetzt – wegen Überfüllung. Eigentlich wollte er nur kurz jemanden aus dem Waggon lassen und hatte sein Rad aus der Tür geschoben um Platz zu machen. Die Schaffnerin fand das eine gute Gelegenheit, den Zug etwas leerer zu bekommen.

Wir zwei Gestrandeten - eine gute Alliance. Er half mir mit Lastenrad, Hänger und Tochter in den Zug und ich machte mich bei der Schaffnerin für ihn stark und fuhr mit ihm ab Berlin-Gesundbrunnen den Weg heim (selber Bezirk). Das war echt gut gewesen und tat gut!

Das Schönste war dann das Wiedertreffen der Familie in Berlin, Sohn nebst Mama schon heimgekehrt, Genesungsprogramm, durchatmen, pflegen, aufräumen, Wäsche waschen, Wunden lecken.

Unser herzlicher Dank gilt allen Helfern, Erst- und Zweithelfern, der RTW-Besatzung Klaus und Kompagnon, dem sehr netten und fachlich guten Chef der MKG in Eberswalde, einer netten Schaffnerin, einem sehr herzlichen Sebastian, und, und, und ...

RTW ...
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Der verunfallte Sohn jetzt nach gut zwei Wochen und Innenschau des Vaters

Manchmal heilen die körperlichen Wunden (beim Sohn) schneller als die seelischen (beim Vater, für den Sohn mag ich hier nicht sprechen). Der Bub ist echt tapfer, spielt und spaßt und hat die temporäre Zahnlücke bis jetzt gut verknust. Alles heilt, wie es soll und kann. Selten einmal kommt bei ihm der Schreck vom Unfall noch hoch und das selber-Rad-Fahren ruhte noch etwas bis vor einigen Tagen. Macht man sich Vorwürfe als Papa / Eltern? Ja! Kann man alles von seinen Kindern abwenden, selbst, wenn man sich noch so vorsichtig verhält? Nein! Wohl dosiert darüber sprechen hilft, gerade auch mit dem Sohn. Mal will er das Thema nicht haben (lieber nicht nachfragen), mal setzt er es spielerisch in Szene (Kuscheltier hatte einen Unfall und muss verarztet werden).
 
Gedanken

Lastenräder sind schon ganz schöne Tanker, vor allem beladen. Das Probefahren in der Ebene und Umland hat wenig mit den Steigungen auf dem BU-Radweg zu tun. Meine erwähnte Modifikation der Primärübersetzung fiel so aus, dass ich in Berlin den Wechsel vom 1. Zum 2. Gang bei der Alfine überhaupt nicht mehr gespürt habe. Unterwegs in der Uckermark war dieser Gangsprung einige Male sehr entscheidend gewesen. Eine Kettenschaltung wäre nicht verkehrt.

Last, Last und noch mehr Last. Baut man sich einen Gepäckträger an, dann wird das von der Familie dankbar aufgenommen und noch mehr gepackt. Uff! Da dachte ich dann für mich: Vielleicht ist das einfach nur ein Experiment, und zwar mit dem Ziel, präkollaptische Systeme in kollaptische zu überführen. Ich hatte kapituliert, aber ich will kein weiteres Mal mit so viel auf Gepäck Radreise fahren. Weniger ist mehr. Durch die Basis-Ausstattung inkl. Verpflegung kommt schon genug zusammen. Ein Segen, wenn dereinst die Kinder komplett selbst fahren und auch noch Packtaschen mitführen können!

Ich würde einmal gerne den Usedom-Radweg mit einem Cyclocrosser 2x10 Kettenschaltung fahren, mit nur dem allernötigsten Gepäck, in ein oder zwei Tagen.

Landschaft und zur Ruhe kommen waren schön, die Leute unterwegs immer nett und hilfreich. Eine gewisser Gegensatz zur Großstadt.

Wenn man von dem Werkzeug und den Ersatzteilen kaum etwas gebraucht hat, so war es dennoch gut, es dabei gehabt zu haben. Es gab einige Fahrrad-Schrauber längs des Weges, die sahen aber nicht immer geöffnet aus. Und man will ja auch weiter kommen und nicht stranden, warten müssen.

Pedelec und rein mechanisches Lastenrad in Kombination sind ein ungleiches Paar. Es hat die erwähnten Vorteile, wenn eben auch die Kinder unterschiedliche Geschwindigkeiten mit ihren Rädern haben. Es hat Nachteile und kann nerven, vor allem dann, wenn man sich eine Steigung hochquält und vom Pedelecsattel hinter einem ertönt: „Von mir aus kannste ruhig ein bisschen schneller fahren!“.

Ein vierjähriges Kind, welches direkt vor dem Lastenrad auf seinem 16-Zoller daherschwänzelt und unvermittelt den Rücktritt bis zum Blockieren durchtritt (weil etwas interessantes am Wegesrand liegt) stellt eine echte Herausforderung für die Bremsen des vollgeladenen Bullitt dar.

Ich will keinen davon abhalten, diese schöne Tour zu machen und würde aber auch niemanden ermutigen, sich kritiklos auf den Weg zu begeben. Tagesetappen von 40 bis 50km sind auch mit kleinen Kindern gut zu machen. Wetterpech und anderes Pech gehören halt auch mal dazu. Dann hat man mehr zu erzählen. Die Entscheidung für den gefederten Kinderanhänger mit guten Sitzen darin war in 2017 und 2018 auch rückblickend eine gute gewesen.

Der Unfall des Sohnes hängt nach und trübt das Ganze, leider. Es gab trotzdem viele schöne Momente!

Habt es gut beisammen!
Manuel
 
Errata:

Die bekanntermaßen schlimmste Etappe erwartete und nördlich von Schmarsow, wo wir 2018 einen engen, sandigen Pfad vorgefunden hatten
Tippfehler. Der damals noch schmale Pfad war in 2017 gewesen und jetzt, in 2018, der "Ausbau" zu einer miesen Trasse - vielleicht folgt noch was.Die Einheimischen im Ort Gut Schmarsow übrigens sahen schon die Zerstörung des Weges im Herbst voraus. Es werde regnen, durch den Matsch würden sich dann die Traktoren der Bauern wühlen, ohne Asphalt oder Betonplatten darauf mache das alles keinen Sinn. Mal sehen.

2017 hatten wir viel Zeit in Swindemünde verbracht
Swinemünde soll es natürlich heißen.
 
Danke für den ausführlichen Reisebericht. Hoffe, Ihr hattet trotz aller Fährnisse eine gute Zeit zusammen. Wenn die Kinder erst mal richtig selber fahren, wird alles einfacher.
Haben wir auch noch vor uns ;-)
 
Danke für den bericht und mach' Dir keine vorwürfe wegen des unfalls. Passieren halt und es ist ja (anscheinend) nichts passiert, was nicht in kürze verheilt und (!) vergessen sein wird.
 
Danke für den tollen Bericht!
Gute Besserung an Dich und Deinen Sohn!
Ich kenne das sehr gut. Unsere mittlere Tochter hat sich schon beim Laufradfahren (mit Helm) den vorderen Zahn ausgeschlagen. Zu schnell zu stark gebremst und ab gings über den Lenker. Zum Glück ein Milchzahn.
Mit 12 ist sie dann mit dem Fahrrad am Bordstein hängen geblieben.... Da war es kein Milchzahn mehr :cry:.
Wir hatten Glück und konnten noch am Abend über sehr nette hilfsbereite Menschen zu einem sehr netten Zahnarzt. Es war schon nach 18:00 Uhr. Der Nerv war nicht betroffen und sie hat jetzt einen wunderschönen Aufbau bekommen.
Selbstverständlich hatte sie auch da einen Helm auf.
Also Kopf hoch, sowas kommt vor. Und meine Tochter hat das nicht vom Radfahren abgehalten.
Ich drück Euch ganz fest die Daumen, dass es beim verletzten Milchzahn bleibt!
 
Lieber Manuel,

ich lese erst jetzt vom Unfall deines Sohnes. :cry:
Ich hoffe, es ist alles verheilt!

Wir waren auf Rügen unterwegs und die Stürze verliefen glimpflicher!
 
Ich hoffe, es ist alles verheilt!
Hallo Martin!

Ja, weitgehend alles wieder gut. Der Sohn sitzt auch wieder auf dem Rad. Die nachfolgenden Zähne werden hoffentlich gerade und gesund herauskommen, die kleine Zitterpartie bleibt uns nicht erspart. Wird schon! Rückblickend dennoch ein guter Urlaub, aktiv und an der frischen Luft. Viele Erinnerungen.

Hoffe, euer Rügen-Urlaub war schön gewesen! Von HH kommend dann sicher (trotz Elektrifizierung) nicht als Radtour, oder? Wir trafen auf Usedom zwei Mädchen aus Österreich, die tatsächlich die gesamte Deutsche Ostseeküste geradelt waren. Ich staunte ob der Kilometer (die Buchten und Umwege machen einiges aus). Die waren begeistert gewesen. Und ganz nebenbei: Mit sehr wenig Gepäck und sehr "normalen" Rädern unterwegs (freilich ohne Kinder). Konnte man neidisch werden.

Beste Grüße!
Manuel
 
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