Rückspiegel für Longtail

Hallo Miteinander,

in einen Tagen wird mein Yuba Mundo Steps zum Abholen bereitstehen. Ich freue mich schon wahnsinnig darauf und hoffe, dass sich mein täglicher Bring- und Abholwahn der Kinder dadurch wesentlich entspannt :)
Ich hab die Tage ein Fahrrad mit Rückspiegel gesehen und dachte „hey, das wäre doch ein super Add-On, um den kleinen Passagier, der sich ganz hinten im Yepp Kindersitz befindet „zu beobachten“ (und auch den Verkehr :)
Das Forum und das weite Internet habe ich schon etwas durchstöbert. Noch nicht wissend, ob diese Modelle beim Yuba passen würden, habe ich folgende Spiegel auf meine „interessant“-Liste gesetzt:

- Ergotec M-88 und M-99
- Busch+Müller Cycle Star E
- Sportourer Eyelink


Vielleicht gibt es den ein und anderen unter euch, der ebenfalls einen Spiegel an seinem Longtail verbaut hat und mir eine Empfehlung geben kann (und diese Modelle sogar kennt).

und noch eine letzte Frage: Reicht ein Spiegel (spontan dachte ich an einen für die linke Seite) oder macht nur 1 Spiegel keinen Sinn?

Vielen herzlichen Dank für eure Antworten
Sonnige Grüße
Julia
 
Ich radele in der Stadt und habe für mich entschieden, das ich keinen Spiegel will. Der Verzicht ist aber keine allgemeine Empfehlung, sondern meine persönliche Erfahrung damit und eben speziell im Stadtverkehr.
Hier muss ich ständig meinen Blick nach rechts und links schweifen lassen, um unachtsame Fußgänger, querende Radfahrer und vielleicht auch stehende PKW mit Insassen darin zu erkennen, die möglicherweise gleich die Tür öffnen werden.
Das klingt sehr stressig, aber wie viel Aufmerksamkeit ich dafür aufwende, bemerkte ich erst, als ich mir einen Spiegel an den Lenker montierte.

In der Regel genügt ein einzelner Spiegel und dieser wird meist links montiert, da Überholende oder der Kraftverkehr auch links von Dir fahren. Ein Zweirad ist auch nicht so breit, das ein Spiegel auf der rechten Seite einen deutlich anderen Blickwinkel ermöglicht.
Für die Beobachtung des Verkehrs stellst Du also den einzigen Spiegel linksseitig so ein, das Du den Bereich hinter dem Rad gerade so sehen kannst und etwas mehr von der Fahrbahn links daneben, also etwa die Straße.

Ich blickte dann so oft in den neu angebrachten Spiegel, in Erwartung dort eine Gefahr zu erkennen, das mir spürbar das Maß an Aufmerksamkeit für die anderen Himmelsrichtungen fehlte. Statt mich sicherer zu fühlen, fühlte ich mich abgelenkt und entfernte den Spiegel nach rund zwei Wochen wieder.

Ich glaube, diese Erkenntnis ist nicht auf jede Person gleichermaßen übertragbar und es ist entscheidend, ob man überwiegend in einer belebten Innenstadt radelt oder eher auf dem Land entlang von Feldwegen und Landstraßen.
Im Überlandverkehr möchte ich vielleicht eher vor einer breiten Landmaschine oder einem unerwartet schnellen Fahrrad gewarnt werden. In der Stadt droht mir von hinten selten eine Gefahr, aber der Trubel um mich herum ist viel dichter und unübersichtlicher. Die Gefährdung droht mir also viel mehr von rechts, links und vorne.

Nun willst Du aber den Blickkontakt mit den Kindern herstellen. Das bedeutet, Du richtest den Spiegel eher zu den Sitzen aus als auf einen Bereich weiter hinter oder neben dem Rad und somit siehst Du im Spiegel vorwiegend die Kinder (und sie Dich) und nicht so sehr den Verkehr.
Also stünde tatsächlich die Frage offen, ob Du nur einen einzelnen Spiegel auf die Kinder ausrichtest, oder auch einen zweiten Spiegel für den Blick auf den Verkehr anbaust.

Den Nachteil, den ein solcher Spiegel haben kann, habe ich ja geschildert. Ein zweiter Spiegel mit anderem Blickwinkel verdoppelt die Ablenkung. In wieweit Dich das während der Fahrt vom sonstigen Verkehrsgeschehen ablenkt, wirst Du nur durch einen Selbsttest erfahren.
Ich glaube, für den Anfang solltest Du einen Spiegel auf die rechte Seite montieren und damit Blickkontakt mit den Kindern aufnehmen.
Wenn das gut funktioniert, kannst Du später einen zweiten Spiegel links montieren, um auch den rückwärtigen Verkehr besser sehen zu können.

Zu den Spiegeln:
Ich habe zwei Modelle von Busch+Müller getestet. Die beiden Varianten des E-Bike-Spiegels.
Beide werden mit einer Klemme links in das Lenkerende gesteckt und verlängern dadurch den Lenker.
Bei einem stark gewinkelten Lenker (etwa die Stuttgarter Form) ist das ungünstig und ein Spiegel mit Klemmschelle statt Endstopfen ist besser geeignet.
Bei einem sehr breiten Lenker kann man mit der zusätzlichen Breite des Spiegels öfter mal anstoßen oder man hat gelegentlich Probleme beim parken des Rades.
Ein Spiegel mit längerem Arm kann besser eingestellt werden und ausladender nach hinten blicken. Kurz montierte Spiegel blicken eher seitlich an Dir vorbei, so das Du die Kinder nicht sehen kannst, sondern nur Dich selbst.

Viele Spiegel sind gewölbt. Sie verzerren das Blickfeld in die Breite, so das Du einen breiten Bereich sehen kannst, alles dadurch aber verkleinert wird. Ein gerader (bzw. flacher) Spiegel zeigt mehr vom eingestellten Bereich und diesen dann größer.
Möchtest Du also Kinder und Verkehr sehen können, wähle einen gewölbten Spiegel. Du siehst dann die Kinder nur in einem Teil des Spiegels und auch umgekehrt sehen die Kinder Dich im Spiegel kleiner.
Wählst Du zwei Spiegel, sollte der Spiegel der auf die Kindersitze gerichtet wird, also ein flacher Spiegel sein. Der zweite Spiegel für den Verkehr kann dann auch ein gewölbter Spiegel sein.
Nicht alle Spiegel lassen sich rechts montieren. Am Besten klappt das mit kreisrunden Spiegeln.
 
Zuletzt bearbeitet:
Lieber Christoph, vielen vielen Dank für Deine sehr ausführliche und auch sehr hilfreiche Antwort. In erster Linie will ich die Kinder sehen und nach Deinem Hinweis würde ich tatsächlich erst einmal nur die rechte Variante testen. Wir wohnen in Berlin und ich verstehe was du meinst ;)
Danke Dir!
 
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