München extrem, Unfall mit Cargobike

Dieses Thema im Forum "Lastentransport (2-Rad)" wurde erstellt von cargomaniac, 23.05.2017.

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  1. woodfabi

    woodfabi

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    Sorry, dass ich meinen Senf als nicht Münchner und nicht Berliner auch dazugebe:

    Ich war dieses Jahr mehrere Wochen beruflich in München und verstehe die Aussagen zu der allgemeinen Auto und LKW Freundlichkeit. Die Stadt selbst steht wie die meisten anderen Städte vor dem absoluten Verkehrskollaps. (Und ich hab dazu auch noch beigetragen - Schäm)
    Die momentane Verkehrsplanung in den meisten Städten (auch München und Berlin) lässt viele Berührungspunkte zwischen Auto/ Lkw , Fahrrad und Fußgänger entstehen. Daher das enorme Konfliktpotential. Egal welche Form von Verkehrsteilnehmer der Egoismus, die Ignoranz und die Rücksichtslosigkeit wird groß geschrieben. Und das mündet in Frustration und teilweise in bösen Konflikten. Jetzt ist dieser Kampf halt nicht ganz fair. Baut der Radfahrer Scheiße hat der X5 einen Kratzer, baut der x 5 Scheiße gibt's keine Radfahrer mehr. Und diese Kleinigkeit bei den Folgen von Fehlverhalten wird oft nicht gewürdigt. Es gibt Idioten im Auto und auf dem Fahrrad. Aber ich hab noch nicht gehört, das ein Idiot auf dem Fahrrad bei einem illegalen Rennen, Passanten getötet hat.
    Wenn dann die Rennleitung noch parteiisch ist, dann wird es so wie in München und Berlin.
    Grundsätzlich sollten man ausgehend vom Fußgänger aufbauen. Der hat den größten Schutzstatus und am Ende der Nahrungskette kommt der LKW der muß auf alle anderen achten.

    Aber würden wir alle aufeinander aufpassen ging es auch so ohne bauliche Änderungen. Diese können die Probleme abmildern. Aber der sicherste Radweg muß nicht gebaut werden sondern entsteht aus Rücksichtnahme
     
  2. Tamy

    Tamy

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    Die neuen Radwege in Friedrichshafen sind eine gute Sache. Leider sind die noch nicht die Regel. Und die Querstrasse dazu, weiter oben wurde m. M . dafür total fehlgeplant.
    Auch nur als Randstreifen am Strassenrand und dann noch so, dass man Angst haben muss von Autofahrern umgenietet zu werden und die können noch nicht mal was dazu, weil ein Schlenker sehr blöd angelegt wurde. Bei der Neuplanung wäre es kein Problem gewesen das besser zu planen. Sogar Platz wäre da gewesen. Durch die Bepflanzung des Mittelstreifens können Autofahrer nicht mal richtig ausweichen.
    Das Problem der Radstreifen am Strassenrand ist einfach, das zu wenig Platz bleibt, damit Autofahrer sicher überholen können.
     
  3. stan

    stan

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    In B hängt sich der Konflikt aktuell u.a. hieran auf:
    https://adfc-berlin.de/aktiv-werden...lanen-demo-fuer-sicheren-radfahrstreifen.html

    Wobei selbst die breiteren Maße meines Erachtens aus Lastisicht (sicheres Überholen) immer noch bedeutend zu schmal sind, ab 2,50 + Sicherheitsabstände (dh, irgendwas um 3,50 gesamt) wirds realistisch. Viel zu schmale (1,50, ohne Sicherheitspuffer, benutzungspflichtige, mit durchgezogener Linie versehene) Radstreifen gibts hier leider zur Genüge.

    Apropos, diesen September wurden hier gleich zwei Radfahrer durch LKW totgefahren (1x Tramschienen, 1xder klassische Rechtsabbieger).
     
    Zuletzt bearbeitet: 18.09.2018
  4. schmadde

    schmadde

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    Das ist doch genau was ich sage: es gibt keine vernünftigen Mindeststandards und damit sind separat geführte Wege einfach nur noch schlecht, weil sie keine sichere Überholmöglichkeit erlauben und daher nicht geeignet sind, das Fahrrad als Verkehrsmittel zu fördern. Damit das konkurrenzfähig ist, muss man eine Geschwindigkeit von um die 30km/h möglichst durchgängig fahren können. Und eigentlich sollte auch nebeneinanderfahren möglich sein - sich bei der Fahrt unterhalten geht nämlich sonst auch nur noch im Auto.

    Daher finde ich die von Dir genannten 3,50m für eine Richtung das absolute Minimum. Wir haben hier in und um München diverse separat geführte Radwege mit Breiten so um die 3m. Das ist für Radverkehr in beide Richtungen in nennenswertem Umfang definitiv zu wenig, wie man täglich z.B. am Isarradweg beobachten kann
     
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  5. stan

    stan

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    Jup. Aus Sicht des schnellen/großen RV ganz klar.

    Dem Volksentscheid / Changing Cities (und der ADFC hat sich dem letztlich angeschlossen) geht es allerdings gerade nicht um diesen, sondern explizit um die 8-88jährigen, die zu den 50% gehören, die gerne Rad fahren würden, es sich aber nicht trauen. (Die schnellen Mischverkehrfahrer, zu denen sich selbst zähle, machen halt nur 5-10% aus und fahren sowieso.) Und genau diese große, tendenziell unsichere Gruppe steht im Fokus, da ist ein zu schmaler getrennter Radweg subjektiv (!) sicherer/besser als Angebotsstreifen oder Mischverkehr, egal wie diese von der objektiven Sicherheit bewertet werden.

    Ich will an dieser Stelle aber auf keinen Fall das alte Thema hochkochen, sondern lediglich auf verschiedene Ansprüche an Radverkehrsanlagen je nach Nutzergruppe hinweisen und dass die Radverkehrspolitik diese aufgenommen hat - und damit Mehrheiten in der Bevölkerung zu erreichen vermag.

    Hast du mal nen einschlägiges Foto vom Isarradweg o.Ä. parat, wo man das Problem (Verkehrsfluss) gut sieht?
     
  6. schmadde

    schmadde

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    Nein, aus Sicht aller Radfahrer, die das auch tatsächlich als Verkehrsmittel nutzen wollen

    Man möchte also etwas bauen für Leute die jetzt schon nicht Rad fahren und es wahrscheinlich auch in Zukunft nicht tun, was dann aber für die Leute die jetzt schon Rad fahren nicht mehr funktioniert.

    Was gedenkt man denn, was die "5-10%" die tatsächlich schon Rad fahren tun sollen? Sollen die dann mit dem Auto fahren? Warum macht man nicht Lösungen die für alle funktionieren?

    Und da die objektiv unsicherer sind werden sie am Ende totgefahren, wie heute schon. Finde ich nicht in Ordnung.

    Nun ist das Thema ja auf dem Tisch (würde wohl ausgelagert gehören aus diesem Thread). Ich weiss sehr wohl, dass es unterschiedliche Kriterien an Rad-Infrastruktur gibt für verschiedene Nutzergruppen und Anwendungen. Nur sind die nicht alle widersprüchlich.

    Ich halte es für einen riesengroßen Fehler hier wieder nur Murks zu produzieren und ausgerechnet diejenigen, die jetzt schon das Fahrrad als echte Alternative zum Auto nutzen komplett zu ignorieren und ihnen untaugliche Radwege vor die Füße zu werfen. Wenn, dann sollte man situationsbezogen Lösungen finden, die für alle tragbar sind. Ich finde, Benno Koch hat damals als Radbeauftragter in Berlin gute Arbeit gemacht und in seiner Zeit sind viele gute Dinge entstanden. Nur war das halt ein einzelner und der hat keine Rückendeckung von Verwaltung und Politik bekommen. Strößenreuther kommt bei mir wie ein Newbie rüber, der sich mit Radverkehr erst seit kurzem beschäftigt und lediglich den Ultrakurzstreckenverkehr im Blick hat.

    Vielleicht täusche ich mich, das wird sich ja zeigen. Aber im Moment sieht es nicht so aus. Meine Begeisterung ist jedenfalls nicht so richtig ausgeprägt (wobei ich es ja gut finde, dass hier überhaupt was passiert).

    Ich mach bei Gelegenheit mal ein Video auf dem heimweg. Vielleicht fahr ich sogar heute noch einen Schlenker dort rum.
     
  7. apfelsine1209

    apfelsine1209

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    Auf dem ist bei schönem wetter so viel los, daß überholen schwierig wird, sobald und weil häufig im gegenverkehr zwei nebeneinander fahren.
     
  8. cargomaniac

    cargomaniac

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    So, jetzt ist der Berufsgrantler wieder zuhause und gibt nun auch seinen Senf ab.

    Danke Euch nochmal für die ausgiebige Diskussion. Habe heute seltsamerweise nun so einige Radwege, wie die anfangs von mir geposteten in München entdeckt. Es tut sich langsam ein bisschen was.

    Aber auch heute Richtung Paul-Heyse-Strasse wäre ich fast von einem Sprinter todgefahren worden. Alle paar hundert Meter ist die Ampel eh auf Rot. Trotzdem müssen die Vollhonks so gut wie alle ab der kurzen Grünphase mit kick down von roter Ampel bis zur nächsten roten Ampel rasen. Dabei auch noch in der S-Kurve wie die Rennfahrer Ideallinie fahren und dabei komplett über den angepinselten Radweg schiessen. Somit war der Abstand zwischen dem Sprinter-Proll und mir satte 10 cm und er hatte gute 70 Sachen drauf (für ein paar hundert Meter Weg von Grün bis Rot.

    Ganz bewusst schau ich mir die Ampel- Sprinter dann an der roten Ampel dann an und schau denen ins Gesicht, um erkennen zu können, was denn so wichtig war, mit Kick Down zur roten Ampel zu preschen. ........ Wat nu? natürlich 1. den "geilen Sound" ihres proll-BMW´s zu hören und 2. dann sofort an der Ampel das Handy zücken und herumzutexten.

    Beim jetzigen Rückweg im Berufsverkehr auch ein ständiges Bild. Die Ischen, die alle mit ihren Autos ins Büro fahren müssen, damit sie ihre Louis Vuitton-Tasche transportieren können, zücken fast ständig von Ampel zu Ampel das Handy. Leider auch die Radlerinnen, mit dem Brotkorb vor dem Lenker. Dieser ist nunmehr zum Handtaschenkorb geworden, in welchem die offene Handtasche einen leichten Griff aufs Handy jederzeit möglich macht. Ich werde aggro, wenn ich das ständig sehe.

    Ihr wisst bestimmt, wie dieses Problem in Australien gemanagt wird ! Kann man auf Youtube gut betrachten. Hier in Deutschland trotz verschärfter Strafen interessiert es kaum jemanden.

    Werde nun auch mal Fotos von dem Isarradweg machen, wenn dieser voll ist. Es ist wie auf dem Jahrmarkt. Da sind die Radfahrer fast schon in der Minderheit. Wie schon beschrieben, ist es eher Partyzone, Gehweg für Mamis mit Kinderwägen (nebeneinander) , Skaterweg, Chataufenthaltsort für Gruppen, Parallelweg für die Grillermassen an schönen Tagen, die dort leichter ihr Wagerl schieben können, etc.pp.

    Also zweckentfremdet bis zum geht nicht mehr.

    Dort gibt es einige Gefahrenstellen, die ich auch schon öfters dem Radverkehrsbeauftragten der Stadt München genannt hatte. Der Gute hat aber nur so eine sog. Einmannstelle und kann sich auch aufgrund der überlastung nicht um alles kümmern. Da wäre Manpower-Support mal wichtig, als so einen blöden Radl-Clown in München herumzuschicken (Insiser wissen davon).

    Ich schau mir morgen mal die Radlwege in Salzburg an. Wien war ein Paradies. Super guter und saubilliger öffentlicher Nahverkehr und tolle und sinnvolle Verkehrslösungen. Aber wir kochen unsere eigene Suppe und bringen nix weiter.

    keep you updatet.

    L.g.
     
  9. stan

    stan

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    @schmadde
    Damit wir uns richtige verstehen: Infrastrukturell (breite Radwege für alle usw.) teile ich deine Position komplett.
    Tatsächlich sind adfc (über den hänge ich dort mit drin), vcd und cc hier dabei, einen eigenen Alternativvorschlag zum für 2019 geplanten Senatsentwurf für ein Vorrangnetz nach MobilitätsGesetz zu entwickeln (wenns demnächst offiziell ist, kann ich gerne zur PM und Karte verlinken), der soweit wie möglich abseits des Hauptstraßennetzes verläuft und zB in Treptow-Köpenick viele Sonderwege beinhaltet. Es geht also um möglichst KFZfreie, breite, obj. und subj. sichere Radrouten für den überbezirklichen RadVerkehr, die auch tatsächlich für den Alltagsverkehr Sinn machen und für alle Rad(fahrer)typen von 5-30 km/h (dadrüber wirds kritisch, meiner Erfahrung nach zu hohe Geschwindigkeitsdifferenzen) brauchbar sind.

    Ich bin selber sehr skeptisch zB ggü. den Kleinstlösungen im Bereich Radstreifen (um mal dabei zu bleiben). Aber:

    Erstens teile ich inzwischen (dh, nach der einen oder anderen Diskussion) die politische Einschätzung, dass eine echte Verkehrswende nur mit den 50%, die sich nicht trauen, machbar ist (und die fahren dann auch, wenn sie sich sicher fühlen, wie entsprechende Studien/Erfahrungen zeigen). Und der Volksentscheid/CC war erfolgreich, es gibt ein MobG mit Vorrangnetz, eine viel breitere Mobilisierung für den RV als früher usw..


    Zweitens zeigen die Niederlande, dass zu klein gebaute Infrastruktur, gerade wenn sie nur aufgemalt ist, schnell erweitert werden kann, sofern der entsprechende Verkehrsdruck da ist. Muss gewollt sein, aber möglich ist es.


    Drittens interessiert die potentiellen Nutzer die objektive Sicherheit nur sehr bedingt. Und tatsächlich sind mir (zB aus iirc Vancouver) auch Erfahrungen bekannt, dass auf der Fahrbahn (Streifen oder Mischverkehr) mehr passiert als auf baulich getrennten Radwegen. Die beiden letzten Todesfälle in Berlin sind tatsächlich auch genau dort passiert (Tramschienen und Radstreifen am Alex). Ich sehe die Gefährdungslage in der Hinsicht inzwischen etwas differenzierter.


    Die Konsequenz ist dann tatsächlich, die 5% des harten Kerns bewusst nicht in den Fokus zu nehmen. In den USA ist dieser Paradigmenwechsel sehr erfolgreich, dort gibt es zT massive Steigerungsraten (bei minimalen Ausgangswerten...), seit das vehicular cycling (Mischverkehr, v.a. weiße Männer zwischen 20-50, jahrzehntelang das dominante Paradigma bei den Radaktivisten) durch das inklusive 8-88-Prinzip ersetzt wurde. Und ich wage mal zu behaupten, dass mit der Veränderung des modal splits zu Gunsten des RV letztlich die Akzeptanz des RV insgesamt steigt (siehe Niederlande) und somit auch die Akzeptanz des schnellen RV (RR, Velomobile, Liegen, 25er und 45er usw.) auf der Straße steigt.

    Ich persönlich habe den Eindruck, dass die Akzeptanz durch den Motorisierten Verkehr tatsächlich ansteigt, wenn man (bei mir zB mitm 25er Liegedreirad) auf der Fahrbahn neben dem engen, vollen Radstreifen mit 25-30 an den Langsamfahrern vorbeizieht. Das ist aber rein subjektiv und müsste mal kräftig überprüft werden (ich habe mit dem Fahrzeug halt generell fast keine Schwierigkeiten im Mischverkehr...).


    Zusammenfassend: Ich glaube, dass wir inhaltlich das gleiche wollen. Allerdings sehe ich den Weg der politischen Umsetzung etwas anders und habe aktuell in Berlin den Eindruck, dass wir (adfc, vcd, cc, Bezirksnetzwerke usw.) damit nicht die schlechtesten Karten haben.
     
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  10. cubernaut

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    Ganz meine Meinung!
     
  11. schmadde

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    Ich kann vieles von dem nachvollziehen, was Du sagst und stimme dem meisten sogar zu.

    Völliges Unverständnis habe ich aber dafür, dass man bestimmte Gruppen von seinen Überlegungen komplett ausschliesst und das dann mit frei erfundenen Prozentzahlen begründet, die mit der Realität nichts zu tun haben. Ich halte dagegen und behaupte, dass die, welche zügig vorankommen wollen unter denen, die das Rad als echte Alternative zum Auto nutzen eher 50% ausmachen, wenn nicht mehr.

    Das ist aber egal - warum kann man nicht versuchen, die mit einzubeziehen und halt dann in Einzelfallerwägungen sich ggfs dafür entscheiden deren Interessen hintenanzustellen, wenn sie die des vermeintlich größeren Teils negativ beeinflussen. Das kann ich aber nicht erkennen. Stattdessen werden wieder Grabenkämpfe aufgemacht und diejenigen, die jetzt schon zu weniger Autoverkehr beitragen verunglimpft und deren Interessen als nichtig unter den Tisch gekehrt.

    Das ist die Fortsetzung des alten Problems, das ich nie verstanden habe: die größten Feinde der Radfahrer sind andere Radfahrer. Rennradler und Moutainbiker sind sich spinnefeind, Trekkingradler beschimpfen erstere als "Papageienradler", während die wiederum Liegeradler verachten und letztere einen abgrundtiefen Hass auf Pedelecer entwickeln. Ich habe bestimmt noch 120 Radfahr-Sekten vergessen, die sich gegenseitig härter bekriegen als das seitens der Autofahrer passiert.

    So wird das nie was mit der Verkehrswende, es wäre schon schön wenn alle am gleichen Strang ziehen würden.
     
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  12. schmadde

    schmadde

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    Ich war dort, aber es war zu der Zeit vergleichsweise wenig los. Ich stelle das Video dennoch mal rein, weil man die Probleme an ein paar Stellen ganz gut sieht.

    Der Isarradweg fängt im Video so bei 2:20min an. Vorher ist der Radweg auf der anderen Isarseite, noch etwas schmaler und problematischer, danach (so ab 7:40) kommt der nördliche Abschnitt des Isartalbahnradwegs. Der ist im Moment noch erträglich, allerdings sind dort auch Fußgänger erlaubt und daher wirds manchmal eng - wenn der allerdings irgendwann mal genauso voll wird wie der Isarradweg wirds problematisch, denn wegen des Gefälles sind die Geschwindigkeitsunterschiede doch recht hoch (runterwegs habe ich meist so um die 40 drauf und die meisten anderen auch). Sorry wegen der schlechten Auflösung..

     
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  13. Joshua

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    Danke! Sehr erhellend. Sind ja wirklich ganz schön enge Passagen und Geschwindigkeitsunterschiede. Läuft das Video in Zeitraffer? Welches Aufnahmesystem hast Du verwendet?
     
  14. schmadde

    schmadde

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    Nein, das ist Originalgeschwindigkeit. Mein anderes Video auf YT war im Zeitraffer. Aufgenommen mit einer Actioncam Sony FDR-X3000 und geschnitten mit der beigelegten Software. Die kann höhere Qualität als hochgeladen, aber ich erspare mir die Leute zu verpixeln, weil man sie eh nicht erkennen kann :D
     
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  15. stan

    stan

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    @schmadde
    Danke fürs Video, sehr interessant. Relativ viele Situationen sahen schon wirklich eng aus (täuscht das, oder waren das zT bloß 20cm Abstände?), gerade bei Gegenverkehr bzw. breiten/nebeneinander Fahrenden. Überholen der Lastis/Videohänger (bzw mit nem Herrn mit Kamera hinten drauf) am Anfang ging offenbar gar nicht. Waren das sozusagen zwei Spuren Zweirichtigungsradweg? Oder wart ihr da Geisterfahrer? Oder war der rechte ein Gehweg?



    Zum Inhaltlichen:
    Niemand schließt irgendwelche Gruppen (oder hebt irgendwelche kontraproduktive Gräben) aus: "die 5% des harten Kerns bewusst nicht in den Fokus zu nehmen" hat eine völlig andere Aussage. ADFC, CC, VCD usw geht es ganz bewusst um die Einbeziehung aller ungeschützten Verkehrsteilnehmer (bzw. des Umweltverbundes: Fuß, Rad, ÖPNV), womit immer Kompromisse (gerade in Bezug auf RV und Fussverkehr) notwendig sind - aber auch viel Konsens möglich ist.
    Ich sehe das aktuell bei der Netzplanung, da gibt es sehr viele potentielle und bestehende Konflikte innerhalb des Umweltverbundes, die wir lieber vermeiden wollen und die auch vermeidbar sind - sofern tatsächlich mal dem motorisierten Verkehr ernsthaft Raum genommen wird.

    Hinzu kommt: Wenn ich mir selbst die aktuelle Verkehrsplanung ansehe, dann scheint der (meist männliche) Idealradler mit guter Fahrzeugkontrolle, dicken Reifen und Risikobereitschaft im besten Alter häufig (!) immer noch das Maß der Dinge zu sein. Ansonsten gäbe es schlicht keine Angebotsstreifen (mit 50cm neben dir vorbeirasenden LKWs), abrupt endende miese Radwege usw. - dort würde (8-88-Prinzip) niemand das Grundschulkind oder die Oma mit Dreirad fahren lassen bzw. würden diese Gruppen dort nicht fahren wollen. Und hier in Berlin arbeiten wir (leider) zum Teil immer noch gegen genau solche verkehrsplanerischen Vorstellungen aus dem letzten Jahrtausend an. Es gibt aber auch positive Tendenzen: Dass überhaupt geschützte Radstreifen geplant werden, gehört m.E. dazu.

    Die Prozentzahlen entstammen dem in der Forschung international üblichen 4-types-of-cyclists-model, welches sich als Daumenregel bewährt hat. Kurz und dreckig: 5% Harter Kern (fahren sowieso, egal wat), 10-15% die fahren, wenn sie sich sicher fühlen. Ergibt in etwa die 10-20% des aktuellen Modal Splits Radverkehr. Dazu: 30%, die auf gar keinen Fall Rad fahren (ergo für uns erstmal uninteressant) und massige 50%, die gerne Rad fahren würden, aber es sich nicht trauen. Und an die wollen wir ran. Und genau diese Gruppe kriegt man eben eher mit räumlich getrennten Radwegen statt Angebotsstreifen.

    Dass u.A. der ADFC sich für die generelle Aufhebung der Benutzungspflicht einsetzt, sollte bekannt sein. Und damit wäre letztlich selbst bei zu schmalen geschützten Radstreifen eine Benutzung der normalen Fahrspuren durch den schnellen RV legal und legitim.
     
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  16. Joshua

    Joshua

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    (y)(y)(y) Hier liegt der Hase im Pfeffer! (y)(y)(y)
     
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  17. Joshua

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    Ihr Lieben!

    Es gibt da etwas, das geht mir nicht aus dem Kopf.

    Dieser Faden hier war von @cargomaniac begonnen worden angesichts seines schweren und unverschuldeten (und wohl ungesühnten) Unfalls. Die letzten Tage ist so vieles Nachdenkenswertes passiert. In Berliner kamen zwei Radler einmal wieder unter rechtsabbiegende LKW, ein Radfahrer ist tot und der andere schwerverletzt. In Holland ist heute ein Elektrotransporter mit kleinen Kindern auf einem Bahnübergang mit einem Zug kollidiert und es gab Tote (tote Kinder! das Gefährt ist meiner Recherche nach zu Unrecht in den ersten Pressemeldungen als Lastenrad bezeichnet worden, es hat dem Anschein nach gar keine Pedale gehabt, sondern war eine Art Elektromobil zum Kindertransport gewesen, Ortschaft Oss in Holland, es wird über ein Bremsenversagen spekuliert). In Berlin erlebe ich alltäglichen Irrsinn und war erst heute wieder ganz ungläubig (passiert das wirklich?), als ein Volvo-Fahrer Handy-telefonierend mir entgegen kam und mich dann zu einer Notbremsung zwang, indem er vor mir (entgegen der meinen Fahrspur) meinen Weg kreuzte, um dann neben mir entgegen der Fahrtrichtung falsch einzuparken. Zum Telefonieren. Ausgerechnet heute dieses dumme und gefährliche Manöver, wo die Polizei stadtweites Vorgehen gegen Handytelefonieren am Steuer (oder Lenker) angekündigt hatte. Der Radfahrer (ich) sollte da wohl mit seinen Kindern in der Box mal nicht die Straße benutzen, Platz wegnehmen. Vielleicht wurden wir tatsächlich gar nicht wahrgenommen. Au weh! Und, und, und. Ihr kennt das: Engüberholen, Drängeln, Rotlichtverstösse, Vorfahrt mißachten. Und immer steht man vor der Wahl: Problem ansprechen und zum Dank angeschnauzt, unsachlich rund gemacht werden oder aber den offiziellen Weg einer Anzeige wählen, was auch wenig aussichtsreich erscheint und noch dazu einen größeren Zeitaufwand bedeutet.

    Wir wollen doch alle letztlich nur von A nach B, heim zu unseren Liebsten, mit unseren Liebsten, vielleicht auch ein wenig Spaßradeln.

    Die Stadt hier wird voller, dennoch wollen alle "so wie immer" und am besten noch schneller vorankommen. Wie in der Debatte um die Energiewende auch geht es viel zu oft um ein Mehr an Technik und nie um Verzicht. Und hier schließt sich für mich der Kreis. Das Isarradweg-Video, lieber @schmadde (ich habe Dich über das Forum schätzen gelernt und empfinde freundschaftlich gegenüber Dir, wie für viele andere hier auch) zeigt viele sehr knappe Manöver, die man so erklären kann: Blöde Infrastruktur, macht man eben das beste daraus. Vielleicht war die Perspektive der Kamera auch eine besondere gewesen (deutlich niedriger als der Fahrer, vorne in der Kiste? Mir war so). Auf jeden Fall finde ich es jeden Tag ein Nachdenken und eine Reflexion wert, was man so macht und treibt im Straßenverkehr. Den meisten von uns geht es so, dass man nach einem Unfall inne hält und denkt: was ein schöner Tag, die Sonne scheint, die Wunden werden heilen, empfinde ein wenig Dankbarkeit für all das, sei geduldig und hetze nicht mehr so. Noch besser wäre es, wenn weniger Unfälle passieren. Ich nehme mich selbst da nicht aus. Ich schlage auch oft über die Stränge. Aus purem Spaß, manches Mal aber auch aus unnötiger Hatz.

    Gesund ankommen!

    Es wäre natürlich komplett unredlich, wie oft geschehen, den oben genannten Opfern von rücksichtslosen LKW-Rechtsabbiegern eine Mitschuld zuzusprechen. Was mich aber verwundert, das ist das komplettes Fehlen des Themas "Schleppkurve" in der öffentlichen Debatte. Immer wieder wird betont, dass "man als Radfahrer doch nicht neben einem abbiegenden LKW fahren solle". Dass aber der Umstand, dass der LKW-Fahrer eine Schleppkurve ausfahren muss, zunächst ein Nichtabbiegen und damit vermeintliche Sicherheit für den Radler suggeriert, ist aus meiner Sicht ein ganz wesentliche Sache. Dafür muss ein Bewusstsein geschärft werden, so lange, wie die unzureichende Infrastruktur nun einmal die Verkehrsströme derart gefährlich lenkt.

    Dieser Beispiele gibt es sicher noch etliche und ich würde mich freuen, wenn das frei von Ideologie und Vorvereinnahmung von der einen oder anderen Seite diskutiert werden könnte. Die bisherigen Grabenkriege sind nicht gut.

    Heinrich Stößenreuther hat dem Radverkehr aus meiner Sicht vor allem den einen großen Verdienst erwiesen, nämlich, das Thema Fahrrad-Wege Salon-fähig zu machen. Durch sein beherztes, unaufgeregtes, freundliches und aber bestimmtes, beharrliches Auftreten (wenn nötig immer auch gerne im Jackett) hat er sich eine gute Position erkämpft, um mit Politikern und Entscheidungsträgern auf Augenhöhe zu verhandeln. Unabhängig davon sind die Straßen-Aktivisten rund um die critical mass und Artverwandtem genau so wichtig und bringen die Dinge voran. Es ist letztlich unser aller Sache, dient dem Gemeinwesen, da reichen wenige Köpfe und Ideen nicht aus. Was daher oft als Bezichtigung einer Selbstzerfleischung unter uns Radfahrern daher kommt ist, mit etwas Abstand betrachtet, vielleicht nichts anderes, als die Annahme falscher Voraussetzungen und utopischer Ziele. Ein wenig Entschleunigung würde uns allen gut tun. Und alles Schritt für Schritt, aber beharrlich.

    Wenn natürlich einer von euch hier den geheimen Knopf gefunden habt: "Draufdrücken und morgen ist hier Holland", dann Bitte, von mir aus herzlich gerne: drück drauf!

    Habt es gut und fahrt sicher!
    Herzlich, Manuel
     
    Zuletzt bearbeitet: 21.09.2018
  18. holzwurm

    holzwurm

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    @Joshua Dein Post #237 sollte mal fest angepinnt werden.
    Bin da auf deiner Linie (und fahre selber machmal etwas zu aggro durch die Strassen und maule dabei andere an...)
     
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  19. schmadde

    schmadde

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    Die extreme Weitwinkeloptik der Action Kamera macht es schwierig, Abstände einzuschätzen. Tatsächlich sieht es oft viel enger aus als es eigentlich ist. Dennoch: 1,5m Überholabstand sind bei 3m Radweg im Zweirichtungsverkehr einfach nicht drin.
    Der Radweg auf der anderen Isarseite (die ersten zwei Minuten des Videos) ist ein schmaler zweirichtungsweg, man sieht ja manchmal auch die Markierungen im Video. Rechts ist ein Gehweg, der Fahrer mit dem Lastenanhänger (Carla Cargo?) fährt auf dem Gehweg - ich vermute um den Videodreh von der Seite zu ermöglichen.

    Gut, wenn das so ist soll es mir recht sein. Die bisherigen Aussagen incl. Deiner haben sich aber für mich anders angehört.

    Niemand will solchen Murks haben, auch nicht "der männliche Idealradler", wer auch immer das sein soll.

    Das ist mir tatsächlich neu, bisher hörte man das höchstens aus einzelnen Ortsgruppen, vom Bundes-ADFC hab ich das noch nie gehört.
     
  20. stan

    stan

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    @Joshua
    Sehr schön gesagt. Gerade beim Verkehr ist weniger letztlich immer mehr.

    @schmadde
    Video: Alles klar. Immerhin habt ihr teils 3m, hier in der Gegend gibt es sehr witzige Zweirichtungsradwege mit Fußverkehr (gerade in Brandenburg), die zT unter 2m sind.

    Verkehrsplanung:
    Ich habe nicht behauptet, dass der männliche Idealradler (der statistisch gesehen mit zunehmendem RV in der Bedeutung abnimmt), sowas will. Ich habe lediglich darauf hingewiesen, dass für bzw. mit diesem Typus (ob bewusst oder unbewusst) geplant wurde und wird.

    Benutzungspflicht:
    https://www.adfc.de/fileadmin/user_.../Das_verkehrspolitische_Programm_des_ADFC.pdf S. 20
     


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