Johnny Loco Cargo Coupe (Gebrauchtkauf), Erfahrungen

Liebe Cargobike-Forum-Mitglieder,

auf der Suche nach dem passenden Lastenrad war ich auf dieses schöne Forum gestossen und hatte nach Rat gefragt, zunächst im thread "Bullit vs. Rapid vs. Long Harry". Die Idee ging in Richtung Bullitt mit Selbstaufbau einer Kabine für zwei Kinder, vielleicht durch Montage einer Kinderanhänger-Kabine vom "Bluebird". Ein Forenmitglied hatte das gebaut und mich sprach das Foto sofort an. Zumal ein Bluebird-Anhänger eh bei uns im Keller "gammelt".

Zuvor hatte ich bereits die Modelle Gazelle "Cabby", Babboe "City" und Dolly Probe gefahren, mich aber nicht entscheiden können. Das preisliche Limit hatte bei 2000,-€ gelegen, inklusive aller Alltags-praktischen Details wie Regen-/Wetterschutz, Licht, etc., aber exklusive Elektromotor.

Es gibt viel Schönes und Interessantes am Markt, aber die praktischen Belange stehen für mich im Vordergrund. Daher schieden auch schon bald alle jene Modelle aus, deren Kinderkabine oder -box keinen hinreichend stabilen und praktischen Wetterschutz liefern. Die filigranen Konstruktionen von Gazelle, Babboe und Dolly sind nun einmal nicht mein Geschmack. Außerdem finde ich Nabendynamo-Licht wichtig, wenn irgend technisch realisierbar. Das Für und Wider um die Notwendigkeit von Scheibenbremsen beim Lastenrad kenne ich. Im Vergleich zu unserem bisherigen Kindertransport mit Anhänger am Alltagsrad mit Felgenbremsen war mir aber klar, dass sich sowieso nur eine technische Verbesserung ergeben kann, egal mit welcher Neuanschaffung. Rollenbremsen fand ich bei Probefahrten zwar etwas "zaghaft", aber nicht zwangsläufig nachteilig, sofern man entsprechend vorausschauend fährt. Man könnte ja schließlich mit Wurfanker-artigen Scheibenbremsen auch "überbremsen".

Das Johnny Loco Cargo Coupe schien alle gewünschten Punkte bestens zu erfüllen, nur konnte ich vor dem jetzigen Kauf nie eines in Augenschein nehmen oder gar testfahren. Als dann ein Exemplar zum Gebrauchtpreis von 900,-€ anstatt des Neupreises 1800,-€ daher kam, noch dazu mit sinnvollem Teiletausch (Verbesserungen Sattel, Pedale, etc.), habe ich einen Fernkauf via Internet gewagt. Das Rad kam vorgestern und ich habe den Kauf nicht bereut! Und das, obwohl wahrscheinlich der Spediteur noch den Rahmen zerkratzt hat. Egal.



Ich schildere erste Eindrücke, vergleiche mit dem wenigen Lastenrad-Erfahrungen, die ich bisher sammelte (siehe oben). Die "Mühe" mache ich mir gern. Zum einen bekundeten Mitleser hier Interesse, zum anderen fand ich selbst auf der Suche nach brauchbaren Informationen zum Rad fast garnichts. Ich versuche fortlaufend zu schreiben, zu ergänzen, auf Fragen zu antworten. So, wie es die Zeit mit zwei kleinen Kindern eben zulässt.

Der Hersteller Johnny Loco in Holland, welcher scheinbar auch in USA, England verkauft, aber hier in Deurtschland ein für mich undurchsichtiges Vertriebssystem unterhält, hat nach meinen Informationen den Bau des Modells eingestellt. Im Netz findet man noch den Abverkauf von Lagerbeständen oder aber ein Gebrauchtrad. Selten ist das Modell aber schon, noch viel seltener als das dreirädrige Modell "Cargo Cruiser". Die Firma macht in der Werbung im Netz ziemlich auf stylish, das nervt mich und war gleich anfangs ein Grund zur Skepsis. Taugt das Zeug denn technisch auch was? Die mir zunächst nur per Internet verfügbaren Eindrücke (Bilder) zeugten von technischen Merkwürdigkeiten, wie etwa an der Konstruktion des Gepäckträgers zu erkennen, der weder für die Befestigung von Standard-Fahrradtaschen, noch für die Standardbeleuchtung sinnvolle Lösungen bietet. "Zu viel Design", dachte ich und zögerte daher zunächst.

Ich hätte nicht zögern müssen. Davon werde ich im Weiteren berichten. Ein wenig thematisch gestaffelt: Fahrverhalten, Ausstattung, Kinderkabine und so. Für heute genug, die Familie ruft.

Beste Grüße!
Manuel
 
Ja, Familie. Zack! - schon ist schon fast wieder eine Woche herum und ich habe noch nicht Zeit gefunden weiter zu schreiben. Wollte eigentlich etwas besser strukturieren: Themen Kindertransport, Antrieb und so fort gesondert. Na ja.

Dann fange ich einmal wahllos an mit einem IKEA-Einkauf. Den Transport habe ich gestern gefahren (ohne Kind).

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Es waren gute 50kg, das größte Paket 149 x 41 x 14cm (25kg). Ich bekam alles prima unter. Ein Trick für das sperrigste lange Stück: Ich habe einfach fünf Holzlatten à 90 x 7cm so positioniert, dass die erste quer vorne über dem Metallkorb kam, die anderen vier schräg von der ersten in die Transportbox runter. Damit hatte ich dann schon gut 90cm Auflage für das große 149cm Paket (nur 59cm hingen "frei"). Sehr wichtig außerdem: Der sonst etwas überstehende Lenkkopf war unbeladen und frei in der Rotation. Ein einziger Spanngurt reichte schließlich aus.

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Der Heimweg war gar kein Problem. Allerdings war das Gewicht auf der Lenkgabel vorne deutlich spürbar, schließlich hing die Masse ja auch noch gut nach vorne über. Das Lenken war etwas steifer und ungenauer als sonst. Bremsen völlig o.k., ich fuhr gemütlich. Hatte aber erst bei dieser Gelegenheit bemerkt, dass das Lenkrohr die Transportbox hinten mittig etwas einengt. Was aber bei der normalen Kinderbestuhlung zweier Einzelsitze gar kein Problem darstellt.

Was nicht so angenehm war: Den zuvor herausgenommenen verbliebenen einen Einzelsitz (zweites Kind noch nicht im Radtransport-fähigen Alter) zu remontieren war sehr unpraktisch. Fummelig. So schön die Sitzkonstruktion wegen ihrer Variabilität ist (werde ich noch drauf eingehen in einem späteren Eintrag), aber Handschrauben für die zwei Befestigungspunkte der Sitze an der Unterseite der Transportbox blind einführen und dann das entsprechende Gewinde der Sitzgestelle treffen, das kann recht nervig sein. Dazu sind die Alugewinde Sensibelchen, da sollte man nicht rohe Gewalt anwenden.

Für noch schwerere oder sperrigere Lasten als gestern würde ich mir aber wohl doch lieber ein Dreirad wünschen als das aktuelle Transportrad. Oder wie bisher einen Hänger. Eigentlich werden ja Hänger wohl eher belächelt im Cargobikeforum, könnte ich mir vorstellen. Aber mir kam der Gedanke, dass ein großer Vorteil zumindest gegenüber zweirädrigen Lastenrädern darin besteht, dass man bei langsamer Fahrt, Hindernissen, etc., mit dem relativ frei beweglichen Rad vor dem Hänger sich gut einpendeln kann, mit Körpereinsatz. Und zwar ohne, dass eine zusätzliche Ladung / Masse sich aufschaukelt und das Ganze schwierig bis unmöglich macht. Erinnert mich an diese italienische Art der kleinen "Ape"-artigen Lastenmofas, bei denen das vordere Segment mit Lenkung und Fahrer eine Seitenneigung zulässt, das hintere Segment mit Ladung aber horizontal verbleibt. In jedem Fall habe ich gestern mehr Schwung gebraucht mit Ladung als ohne. Ein vorausschauendes Fahren war recht sinnvoll. Bald mehr. Dann auch zu unserem eigentlichen Kaufgrund für das Rad: Kindertransport.
 

Anhänge

Mit Kind / Kindern zu fahren macht einfach nur Spass. Da ich nicht viel Lastenrad-Vorerfahrung habe, mag das nicht sonderlich verwundern. Aber ich denke, dass es auch mit dem speziellen Modell zu tun hat, Das Sardinendosen-Aufpell-Verdeck erinnert mich an seelige Zeiten im 2CV.

Besonders gut gefällt mir die Konstruktion der Bestuhlung. Leicht, bequem, variabel. Das Grundgestänge aus Alu lässt sich fast beliebig einstellen, um alternative Sitze / Bezüge einzuspannen. Die aus dem Croozer geliebte Baby-Hängematte scheint machbar, wir werden das im Frühjahr ausprobieren. Zudem kann man mit den vorhandenen Sitzen / Polstern verschiedene Sitzneigungen auf Wohlgefallen bei den Kindern hin durchprobieren.

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Die Sitze kann man im Übrigen in einer Art Schienen Verschieben, es gibt per Hand gut drehbare Befestigungsschrauben dafür und Schiltze in der Bodenplatte. Die komplette Demontage der Sitze ist wegen der fummeligen Remontage nicht so empfehlenswert, außer man braucht eben den maximierten Laderaum. Das Verschieben ist sehr einfach.

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Sehr schön finde ich die Option, dass beide Sitze gegenüber anstatt nebeneinander montiert werden können. Wir wollen zukünftig das jüngere Kind auf diese Weise entgegen der Fahrtrichtung sitzend transportieren, Die "Lounge-Situation" könnte den Kindern auch Spass machen. Zudem ist so mehr Schulterbreite möglich.

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Die Gurte sind nicht so gut, vor allem verrutschen sie recht leicht. Wir wollen da noch durch Aufpolsterungen und Ähnliches Abhilfe schaffen. Mal schauen.

Das Verdeck schliesst gut, hat sinnvoll positionierte und robuste Fenster. Die Kombination aus einer Art Metallkorb (Alu) zum Schutz und für die Kraftaufnahme, einer Bodenplatte aus Schichtholz mit Sitzführungen und der recht steifen Beplanung mit rasch öffnenbarem Verdeck (5 Sekunden), welches nicht weggestaut werden muss, welches in einer Kombination aus Reißverschlüssen und Klettverschlüssen hochvariabel gestaltet ist (again: 2CV!), das alles finde ich einfach prima. Und habe es so bislang nirgendwo anders gesehen.

Was mich konstruktiv etwas überrascht hat, beim Drübernachdenken aber vollkommen logisch erscheint: die Metallkonstruktion um die Transportbox ist nicht etwa mit dem eigentlichen Rahmen verschweisst, sondern "nur" verschraubt. Für den Alltag sicher vollkommen ausreichend, zudem für einen Versand / Transport vorteilhaft: Das Rad lässt sich schlanker schrauben. Mein Plan aber, ggf. auch schwerere oder größere Lasten direkt auf die Oberkante der Transportbox zu laschen, der könnte bei größeren Gewichten problematisch sein. Sollte man bedenken. Schraubverbindung ist nicht Schweißnaht.

Ne, sonst alles fein, vollkommen zufrieden. Die nächsten anstehenden wichtigen Verbesserungen betreffen das Licht (Glühbirne zu LED 70 Lux), Rücklicht (Dynamoanschluss), Sattelstütze (länger, 400 anstatt 300mm, komischer Rohrdurchmesser 28,8) und es muss noch eine Konstruktion für den Gepäckträger her (Ortlieb-Taschen sollten ranpassen, dazu würde ich gerne im Weiteren hier im Forum euch um Rat fragen).

Seid herzlich gegrüsst beieinander! Manuel
 
Ich wollte regelmäßiger schreiben, wie erwähnt. Aber die liebe Zeit!

Das Fahren macht weiterhin großen Spass, die praktischen Aspekte überzeugen auch. Neulich habe ich ein Konvolut Bäckerkisten und eine Rollplattform dazu weggeschafft, war beladen wie ein indischer Händler, fahrtechnisch aber war alles easy. Lustige Blicke der Passanten.

Was mir durch den Kopf ging, der "Gedanke für heute", ist diese Sache mit dem Wirkungsgrad von Schaltungen, der Entfaltung, dem Verlust. Ihr wisst schon, letztlich geht es um: Die Optimierer gegen die Pragmatiker unter uns (Lasten-) Radfahrern.

Die an meinem Lastenrad verbaute Shimano 7-Gang-Nabe ist sicher nicht das Bestmögliche. Ich bin sonst 24-Gang Kettenschaltungen gewohnt, gute oder hinreichend gute Gruppen. In der Vergangenheit war es der Kindertransportanhänger "Croozer", der bremste, oder aber ein zum Lastenesel umgenutzter "Bluebird"-Hänger (der mit der "Blechwanne"). Das "Problem" war dabei, dass ich immer langsamer fuhr als vielleicht maximal möglich. Aus Sorge um die Kinder / Ladung, die ich ja dazu nicht dauerhaft im Blick behalten konnte.

Am Lastenrad fällt mir auf, dass ich in der Ebene und ohne Gegenwind ähnliche Zeiten wie mit einem unbeladenem Trekkingrad erreichen kann. Nur schwitze ich dann mehr und der Puls geht spürbar.

Vielleicht wäre es sinnvoller, anstatt sich in lange technische Abhandlungen zu Schaltungstypen zu vertiefen, als Produkt-Test gewissermassen, dass standardisierte Strecken in standardisierter Zeit von Fahrern mit Pulsmesser abgefahren werden. Es wäre interessant zu erfahren, welche Puls-Sprünge der Wechsel der Technik bei jeweils gleich bleibendem Fahrer hervorruft.

Fände ich nachvollziehbarer als "x Prozent Wirkungsverlust". Gerade mit einer guten Kettenschaltung fährt man ja zeitweise so nahe am Optimum (oder gar persönlichem Maximum) dass ein paar Prozente mehr an Kraftanstrengung darüber hinaus subjektiv als sehr schwer empfunden werden können.
 
Zuletzt bearbeitet:
Tja, das liess sich nicht vermeiden:

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Weihnachtsbäume mag ich eigentlich überhaupt nicht. Halte das für eine blöde Tradition. Mache es nur der Familie wegen. Aber der Transport hat großen Spass gemacht. Geparkt, ausgeladen, neben mir ein SUV-ler, der just einen gleichartigen Transport entlud, nettes Gespräch "auf Augenhöhe". Interesse am Lastenrad, wie schon oft.

Weiter zu meinen Erfahrungen:

Es macht weiter Spass, das Rad wird fast täglich genutzt, für die KiTa-Runden ist es erstklassig, der Regenschutz für das Kind ist gut.

Zwei Punkte bisher auf der Negativliste:

Zum Einen: Meine großen Wochenendeinkäufe fahre ich doch lieber mit dem Trekkingrad. Mit Radtaschen und noch einem Tramper-Rucksack auf dem Rücken. Der Rucksack trägt das Meiste und da ich recht viele Treppen hoch muss lässt sich der noch am besten schleppen, besser als Taschen und Beutel. Das hat nichts mit dem Johnny Loco im Speziellen zu tun, mehr mit dem Typus Lastenrad allgemein. Das Abschliessen, Anschliessen, rangieren etc. dauert einfach länger, jedes Mal der Klappständer und so, da bin ich mit Trekkingrad fixer und bekomme (ohne Kind) doch auch alles weg. Ich habe mal nachgewogen, oft sind es so 30 bis 40kg. Immerhin.

Zum zweiten wünschte ich mir manches Mal auf längerer Strecke, so ab Kilometer Fünf, dann doch eine Kettenschaltung. Nabe schön und gut, das Im-Stand-Schalten-Können prima, aber die feine Stufung der Gänge ... nun ja, bin ein gutes Trekkingrad 24 Gang gewöhnt und vermisse das manchmal. Das nächste Lastenrad wird sicher ein Bullitt mit Kettenschaltung werden! War ja auch mein erster Plan. Da ich sommers noch mal deutlich mehr fahre, wird dann vielleicht der Wechsel in Angriff genommen.

Ansonsten ist das Axa 70 Luxx Licht vorne montiert und der hintere Scheinwerfer (ab Werk Murks) durch was ordentliches ersetzt, beide am NaDy und problemlos. Dauerlicht. Der Axa 70 überzeugt nicht 100%, war aber als Gebrauchtkauf nicht ganz so teuer, reicht mir.

Anders als alle Räder zuvor mache ich nun immer eine Plane drüber, vor allem der Kindertransportkabine wegen. Die hat zwar ein Dach, aber ist eben doch nichts Festes sondern irgendein Synthetik-Stoff. Mir scheint, dass die Abplanung aber auch sonst dem Rad gut tut, und sei es, dass Vandalismus und Müll in das Rad werfen vermieden wird. Ist eine Motorradplane mit entsprechender Beschriftung, auf den ersten Blick vermutet wahrscheinlich keiner ein Fahrrad darunter.

Bald vielleicht mehr, zeitknapp (wie immer), dennoch ... wenn Fragen sind: Gerne!
 
Einen 2m-Weihnachtsbaum habe ich heute auch mit dem Lastenrad nach Hause gebracht, ging inklusive 1m-Kind ohne Probleme. Und vor allen Dingen viel leichter als letztes Jahr mit dem Trekkingrad ;-)
 
Ja, klasse Sache. Und der Schwerpunkt vom Baum liegt ja auch gut für so einen Transport.

Was mich derzeit umtreibt ist die Idee, sommers den zwei Kindern eine Art Kuschelhöhle in der Lastenbox zu bauen. Ich denke nämlich, dass bei langsamer und umsichtiger Fahrt vielleicht das klassische Gestühl nicht sein muss, sondern auch eine Art Liegend- oder Halbliegend-Transport der ggf. schläfrigen Kinder möglich sein müsste. Gurtsicherungen dann ggf. Gebäudekletterer-mäßig adaptiert.

Die von mir gesehenen "Lösungen" kompletter Kindersitze mit Gurten, konfektioniert ab Werk, schienen mir qualitativ eh nicht hochwertig oder durchdacht. Beim Johnny Loco sind die Gurte alles andere als verrutsch-sicher.

Es dürften andere Standards als beim Kfz gelten. Weiß dazu jemand was? Gesetzliche Vorschriften zum Kindertransport im Fahrrad? Bau- bzw. Einrichtungs-Tipps für den Innenraum der Box? Vielleicht mit so einer Art verstellbarer Klappliegen? Kann man was industriell vorhandenes, Kindergestühl aus XYZ, dafür nehmen?
 
Liebe Forumsleser,

zur thread-Eröffnung am 1.11.2015 habe ich getextet:

"Ich versuche fortlaufend zu schreiben, zu ergänzen, auf Fragen zu antworten. So, wie es die Zeit mit zwei kleinen Kindern eben zulässt."

Und heute ist mein letzter Beitrag ein bisschen her (23.12.2015).

Nun, im Prinzip bedeutet das nur: Die Kiste läuft und erfüllt meine / unsere Erwartungen. Steht in Bereitschaft, erst im Herbst und jetzt im Winter. Ist kurzfristig einsatzbereit, wenn benötigt. Die Abplanung mit einer Mofa-Plane erfüllt den Zweck: immer einigermassen sauber und trocken ohne Pflegeaufwand und kein Vandalismus oder so. Die einfache Technik, Nabenschaltung und Rollenbremsen, verzeiht die momentane Wartungsfaulheit des an anderer Stelle gefragten Zweifach-Vaters. Den Sohn freuen die Ausflüge, die Wege zur KiTa nach wie vor. Kälte bis 0°C kein Problem, darunter halt Dach zu und vielleicht noch eine Wärmeflasche rein. Probleme / Reparaturen bis jetzt? Fast keine. Eine Rolle des Parkständers hatte sich gelöst ... na, gut - Inbus und festgezogen, fertig. Sonst nix.

Aber die Sitzposition des Bubs ist verbesserungsbedürftig. Zudem wird im Frühjahr / Sommer der Mittransport der Tochter anstehen. Dazu mache ich mir fast täglich konstruktive Gedanken und werde dann, wenn es so weit ist, dazu noch posten und euch um eure geschätzte Meinung bitten. Der erste Schritt wird eine komplette Dekonstruktion der vorhandenen Transportbox sein, verbunden mit Messungen am größeren der beiden Kinder (vielleicht mit Pappmodellen), auf der Suche nach dem "Goldenen Schnitt" für den Kindersitz. Dafür sollte es aber ein wenig wärmer sein draußen.

In diesem Sinne: Bis bald, allen eine gute und sichere Fahrt, freuen wir uns gemeinsam auf den baldigen Frühling!
 
Hallo Joshua!

"Ich versuche fortlaufend zu schreiben, zu ergänzen, auf Fragen zu antworten. So, wie es die Zeit mit zwei kleinen Kindern eben zulässt."
Naja, wie ich das so sehe, sind die meisten Lastenradler hier aktive Väter oder Mütter. Da hat sicher jeder Verständnis, daß andere Dinge deutlich wichtiger sind, als hier zu schreiben.

Ich selber habe seit Mitte Dezember nicht mehr in diesen Faden geguckt, obwohl er recht interessant begonnen hatte.

Es dürften andere Standards als beim Kfz gelten. Weiß dazu jemand was? Gesetzliche Vorschriften zum Kindertransport im Fahrrad? Bau- bzw. Einrichtungs-Tipps für den Innenraum der Box? Vielleicht mit so einer Art verstellbarer Klappliegen? Kann man was industriell vorhandenes, Kindergestühl aus XYZ, dafür nehmen?
Gesetzlich ist geregelt, daß nur Kinder bis 7 Jahre mitgenommen werden dürfen, wenn der Fahrer über 16 Jahre ist.
Kinder müssen auf dem Fahrrad in dafür geeigneten Sitzen untergebracht werden oder in einem für den Kindertransport geeigneten Hänger.
Darüber, was da nun geeignet ist, lässt sich der Gesetzgeber, so weit ich weiß, nicht aus.

Ich schätze, daß wir uns mit dem Transport von "Beifahrern" (egal ob Kinder oder Erwachsene) in einer Grauzone bewegen.
Wenn ich auf meinem Mundo jemanden mitnehme, wird das Mundo eben zum Tandem.

Was die Sicherung angeht, bin ich jetzt mal ganz provokativ:
Ich könnte mir vorstellen, daß es rechtlich vielleicht gar nicht nötig ist, Sitze in der Box Deines Rades zu haben, weil die Kinder eh nicht rausfallen können. Möglciherweise ist auch ein Gurt nicht zwingend.
Es muss aber sichergestellt sein, daß sie nicht z.B. in die Speichen greifen können. Diese Forderung ist sowohl bei Anhängern, wie auch Kindersitzen zwingend. Wird also analog auch hier gelten.

Weiß Du, was ich damals mit meinem Mundo gemacht habe, um zu wissen, ob ich auf dem Gepäckträger meine Kinder oder Erwachsene mitnehmen darf?
Ich bin mit dem Mundo zur Rennleitung gefahren und haben denen das Rad gezeigt und konkret gefragt, ob ich da, wenn ich noch Griffe unter dem Sattel anbaue, jemanden mitnehmen darf. ("Fußrasten" gibt es schon in Form der Ladebügel und der Gepäckträger ist stabil und nicht scharfkantig.)
Ich bekam ein "Das müsste klargehen." als Antwort und habe noch versucht, eine definitivere Antwort zu bekommen, was aber nicht ging. Dafür habe ich seitdem einige Argumente, die ich nutzen würde, wenn de Polizei mich anhalten würde.

Am sichersten für Dich wäre also, Dir möglichst konkret zu überlegen, was Dir und den Kindern am besten gefallen würde. Die Idee sollte sich für Dich gut anfühlen.
Damit fährst Du dann mit dem Rad zur Polizei und befragst die dort.
Die sind sich auch nicht immer sicher, weil es offenbar eine gewisse Grauzone ist. Aber solange die nicht "Nö!" sagen, sollte alles in Butter sein.

Und ich sehe gerade, daß Du aus Berlin kommst. Ich schätze, daß die dort im Zweifelsfalle eher zu einem "Nein!" tendieren werden, als etwas im Zweifel durchgehen zu lassen.
Aber keine Angst, die beissen nicht! Die sind sogar verpflichtet, Auskunft zu geben.
Und ich wette, daß es denen sogar lieber ist, wenn Leute wegen so was fragen, als daß sie irgendwann jemanden wegen so einer Sache aus dem Verlehr ziehen müssen.
Polizisten sind auch Menschen, wie Du und ich und sie wollen eigentlich nur, daß der Verkehr sicher rollt!

Wenn Du da hin gehst, bringe etwas Zeit mit! Ich musste damals erst mal 15 Minuten warten, bis ein Beamter Zeit hatte, raus zu kommen und mit mir zu reden. Es war aber ein richtig nettes und interessantes Gespräch.
Du danach hast Du die Sicherheit, daß das so durchgehen wird.

Eine andere Frage, die mich ab und etwas beschäftigt, ist die Frage, was im Falle eines fremdverschuldeten Unfalles mit Personenschaden an meinen Kindern die gegnerische Versicherung sagen würde.
Aber das lasse ich auf mich zukommen.
Man kann sich im Leben nicht gegen alles absichern! Geht einfach nicht! Auch wenn man uns das immer suggerieren will! Ist mir seit meinem Schlaganfall noch bewusster geworden, als es vorher schon war.
 
Lieber triton-mole,

Danke für Deine ausführliche Replik!

Die Tipps zur Rechtslage und der Möglichkeit bei der POL nachzufragen habe ich verstanden. Meine Erfahrung mit der Berliner Polizei ist dahin gehend allerdings sehr unterschiedlich. Mal interessieren sich KollegInnen sehr für Radfahrer-Belange, mal herrscht eine unglaubliche Desinformiertheit gepaart mit Desinteresse vor (nicht selten bei Polizisten, die angeben, selbst begeisterte Radfahrer zu sein - mein letztes Erlebnis dazu wäre eine Veröffentlichung wert, Realsatire!).

In jedem Fall wären zwei Dinge problematisch. Zum einen würde einem ja eh nie ein Beamter schriftlich versichern, dass etwas so in Ordnung sei (ist ja auch kein technischer Prüfverein für Selbstbauten). Zum anderen würde man sich nie auf irgendeine vorgeblich stattgehabte mündliche Auskunft je berufen können, im Zweifelsfalle.

Meine Gedanken:

- Finde Kindertransportanhänger von der Einrichtung her zumeist recht gut, praktisch nur die Lage (Hänger) nicht.

- Wollte daher immer einen ausgemusterten Hänger ohne Räder auf ein Lastenrad konstruieren, zumal die größere Breite gegenüber Lastenrad-Boxen sehr gut ist (und für mich nicht störend).

- Wesentliche Vorteile der meisten Kinderanhänger sind aber bei unserem Johnny Loco Cargo Coupe (sperriger Name!) bereits konstruktiv vorhanden, so dass ein kompletter Kabinenaufbau nicht lohnt. Heisst: stabiler Metallrahmen zum Schutz vorhanden, wettersichere Nylonkabine vorhanden, Möglichkeit das Dach zu öffnen und aber auch schnell zu schliessen, hinreichend feste Bodenplatte für auch mal einen Lastentransport, ausreichend Fußraum, ausreichend Kopfraum.

- Was stört, das sind die Sitze. Zu labberig, nicht verwitterungssicher, bedingt durch die relativ hohe Sitzauflage wächst unserer Größerer bald an die Dachbegrenzung heran, Gurte schlecht konstruiert, mangelnde Möglichkeit ein einzeln sitzendes Kind mittig zu transportieren, keine gute Lage zum Transport in Schlafendposition.

Die Maße sind also gegeben, die Bodenplatte dient als Fixpunkt für die neue Konstruktion. Erst wollte ich eine Zweiteilung der ganzen Kabine machen: "Beifahrerseite" mit Hängematte für die Tochter (derzeit 4 Monate alt) und "Fahrerseite" Sitz mit Liege-Verstellmöglichkeit für den Sohn (derzeit etwas über 2 Jahre alt). Dann aber könnte ich KiTa-Freunde unseres Sohnes nicht mitnehmen. Also: Besser doch Zweierbank und dann Einhängemöglichkeit für die Transporthängematte (jene übrigens aus dem Croozer-Anhänger) für unsere Tochter.

Ich hatte über das Forum hier bereits den Tipp zu den Veleon-Sitzen bekommen und in Erfahrung gebracht, dass LittleBigCargo im Norden der Stadt diese Sitze modifiziert für andere Lastenräder anbieten wird. Was nach den derzeitigen Katalogpreisen des Veleon auf sicher um 200,-€ hinauslaufen würde und für die Hängematte müsste ich dann eh noch was basteln.

Oder aber gleich Selbstbau, angelehnt an die Veleon-Bank (welche ich sehr gut finde und aber nur von Fotos her kenne). Als Gurte könnte man alles Mögliche nehmen, was aus Autokindersitzen etc. "ausschlachtbar" wäre.

Alternativ könnten auch gleich schmale Autokindersitze schmaler gesägt (angepasst) eingabaut werden. Falls das geht, falls das konstruktiv sicher ist (hält).

Die Unterkonstruktion (Holz) mit entsprechenden Aufnahmepunkten für die Hängematte stelle ich mir recht einfach zu bauen vor. Die Sitzbank will aber gut durchdacht sein: Neigung der Lehne, Höhe der Lehne, Flächen / Auflagen, ggf. auch eine Klappmöglichkeit ähnlich manchem Balkongestühl - damit auch ein schlafendes Kind bequem transportiert werden kann.

Zu diesen aufwändigeren Lösungen dachte ich mir, dass ich zunächst mit dem Bub anhand von Pappmodellen Versuche anstellen sollte, wie das mit der Sitzposition optimal wäre. Und ich müsste mir natürlich mal diese Veleon-Bank irgendwo anschauen.

GLG! Joshua
 
Postscriptum: Was ich gerade noch nachgemessen habe - bei so einem älteren Standard-Maxi-Cosi-Autokindersitz (einem mit guter Seitenstabilisierung des Kinderkopfes) liesse sich die eigentliche Sitzschale auf 27 bis 28cm schmaler machen durch Wegnahme von Material seitlich (Stichsäge? Thermisch?). Das geht zwar sicher ein bisschen auf Kosten der Stabilität, da aber die (dann einfachen und nicht mehr in Wabenkonstruktion teils gedoppelten) Seitenwände noch stehen bleiben, dürfte eine für den Radtransport hinreichende Stabilität gegeben sein. Und die Breite würde dann passen. Hat das schon mal jemand versucht? Und falls Ja: mit welchem Werkzeug?
 
So, nun habe ich auch die mütterliche Erlaubnis zum Transport der Kleineren (4 Monate) im Lastenrad bekommen. Und zwar im Tausch gegen die Zusage, bei Ikea nach einer neuen Küche schauen mitzukommen. (Argh!).

E wie Einfach und P wie Praxis.

Nach den oben angeführten theoretischen Überlegungen schließlich den Maxi Cosi Autokindersitz mit Zurrgurt an der Bodenplatte befestigt. Zur Federung noch etwas Schaumstoff und Schlauch von einer Kinderwagenbereifung unter den Sitz. Ging prima, auch bei Schneeregen. Das zweite Kind musste freilich woanders mitfahren, bei Mama.

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Die Besonderheit des zweizügigen Reißverschlusses für die Regenabdeckung erwies sich als besonders günstig: Vorne (in Fahrtrichtung) zu, gegen Wind & Regen & Kälte, zum Lenker hin offen, zum Kontakthalten und anlächeln. Es wurde auch fleissig zurückgelächelt (wenn nicht gar geschlafen).

Nur Ikea war dann die "Hölle" (mit zwei Kindern zur Mittagsschläfchen-Zeit an einem SAMSTAG!).
 
Zuletzt bearbeitet:
Ikea finde ich jedes Mal zu jeder Zeit die Hölle! Unter 1 Stunde geht da gar nichts! Nicht mal "nur druchlaufen"!

Nein, Polizisten werden Dir so was nie schriftlich geben. Ich persönlich hatte vorher selber drüber nachgedacht und konnte so dem Polizisten gezielt Fragen stellen und hatte Argumente, die ich vortragen konnte.
Somit weiß ich heute, wie ich bei einer Kontrolle argumentieren würde.
Wenn Du es ganz genau wissen wolltest, bräuchtest Du einen Rcehtsanwalt und wahrscheinlich einen Ingeneur für Fahrzeugbau. Und auch die würden Dir nur sehr ungerne was definitives geben, befürchte ich.
Aber das wäre dann schon Overkill!

Ja, selber etwas bauen ist wohl am besten.
 
Als nächste Stufe nach der Babyschale habe ich einen Maxi cosi priori (9-18kg) in der Kiste. Zur Federung liegt unten drunter sowie hinter der Rückenlehne eine mäßig aufgepumpter Schlauch aus einem Schubkarrenreifen. Die eigentliche Sitzbank ist in den Zustand hochgeklappt. Befestigt mit einem Spanngurt und somit leicht zu demontieren. Zersägen musste ich nix. Allerdings klappt in Kombination mit dem Regenverdeck nur eine Montage in Fahrtrichtung, da die Rückenlehne des Sitzes sonst zu hoch ist. Das scheint mir aktuell eine recht sichere Sache zu sein in dem Sitz, der Nachteil ist natürlich das Gewicht und das die Kiste dadurch bei mir fast voll ist, sodass ein Teil des Einkaufs nun in Gepäcktaschen am Träger hinten wandern muss. Aber auch diese "Transportphase" geht ja rasch vorbei und wenn der kleine Passagier besser sitzt dann kommt er mit Helm auf die eigentliche Sitzbank.
 
Hallo Köllefornia!
Aber auch diese "Transportphase" geht ja rasch vorbei und wenn der kleine Passagier besser sitzt dann kommt er mit Helm auf die eigentliche Sitzbank.
Damit hast du sicher Recht, wie überhaupt alle diese Lösungen temporären Charakter haben. Bei der Kleidung der Kinder legen wir ja auch auf Perfektion weniger Wert als auf praktische Belange. Schwupps - und schon wieder herausgewachsen. Das kennt ihr ja.

Tja, der Perfektionismus. Daheim haben wir dennoch häufiger solche Optimierungs-Debatten. Das Rad / den Kindertransport und neuerdings (leider) auch die Küche betreffend. Alles muss neu und besser sein. Seufz!

Da bei der Kindersitzlösung im Lastenrad meine Vorschläge zum Ausschlachten eines alten Auto-Kindersitzes oder zurechtsägen desselben auf Transportbox-Maße stets grundsätzlich zurückgewiesen wurden, habe ich mal zur Verdeutlichung der Problemstellung unsere aktuellen Lastenrad-Kindersitze mit deren Gurt-"System" (links im Bild) dem Maxi-Cosi gegenübergestellt, fotografiert:

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Da wird ja eigentlich sehr schnell klar, dass die Fahrradtechnik (hier mal "pars per toto") der Autotechnik hinterher hinkt. Oder anders formuliert: Jede Veränderung des Vorhandenen unter Einbeziehung von Autokindersitzteilen sollte eine Verbesserung darstellen. Vorausgesetzt, man macht es mit ein bisserl Hirn und Geschick. Der Maxi-Cosi würde auch für dem Säuglings-Alter entwachsene Kinder noch eine kleine Weile taugen, theoretisch. Unser Bub hat mit zwei Jahren allerdings bereits etwas zu breite Schultern. Sitzauflage-Länge und die Position wären nicht so problematisch.

Perfektionismus hebe ich mir für das nächste Leben auf. Ich warte jetzt noch auf wärmeres Wetter und zufliegende Gebrauchtteile, dann fängt das Basteln an und ich werde weiter berichten. Bis dahin verwende ich die weiter oben dargestellen improvisierten Lösungen. das heißt, die Kinder können b.a.w. nicht zusammen im Lastenrad fahren. Unser Alltag wird dadurch aber noch nicht tangiert. Das wird sich erst im Frühjahr / Sommer ändern müssen.

Euch allen ein schönes Wochenende! J
 
Zeit für ein update.

Zunächst mal hatte ich bei Schleifgeräuschen an der Rollenbremse hinten das Fett nachgekauft. Einfache Sache das Schmieren, bisschen teuer das Fett. Bin letztlich aber für 12,- mit Versand fündig geworden in der "Bucht". Angesichts der sonst bisher niedrigen Wartungskosten des Lastenrades vertretbar. Weniger als 100 Gramm kaufen lohnt scheinbar preislich überhaupt nicht. Ob vielleicht auch ganz anderes Fett taugt als das Originale von Shimano, das habe ich nicht in Erfahrung gebracht.

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Fast zeitgleich bestellte mein Frau das da:

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Ein wirklich verdammt guter, durchdachter Kinderanhänger mit tadellosen Sitzen, Federung und zu einem guten Preis (399,-€ inklusive der zweiten Kupplung, Qeridoo Sportrex 2). Nun ja. Das Bessere ist ja bekanntermaßen der Feind des Guten und daher ist nicht ausgeschlossen, dass das Lastenrad durch diese Anschaffung den Kürzeren zieht und perspektivisch verkauft werden wird. Denn herumstehen soll es ja auch nicht. Und Eigentum verpflichtet nun einmal, im Sinne des Sich-Kümmerns. Wir sammeln erst einmal weitere Alltagserfahrungen mit den Alternativen.

Ich bin beileibe kein großer Fan von Kinderanhängern. Wegen des "komischen Fahrgefühls", des mangelnden Kontakts zum Kinder / zu den Kindern, u.s.w., u.s.f. - alles hinlänglich bekannte Argumente.

Was aber derzeit auch einfach stimmt, ist, dass ein Hänger recht gut in unseren Alltag passt. Umkoppeln von einem Rad auf das andere (KiTa Hin/Rück). Umlandausflug mit der Bahn und mal eben abkoppeln, gesondert einladen. Wechselnde Alltagsfahrräder mit zum Teil erheblichen Fahrleistungen ohne den Hänger (ohne Kindertransport) können reihum gewartet werden, während der Hänger umgekoppelt wird. Und gaaanz wichtig: Wenn einer von uns allein mit beiden Kindern unterwegs ist, Einkaufen oder Ausflug zum Beispiel, dann ersetzt der Radanhänger eben auch den Buggy und kann mit in geschlossene Gebäude oder in den Zoo - was immer.

Tja. Der Frühling holt ja gerade Luft und ich werde weiter berichten, wenn das richtig schöne Wetter da ist. Das Fahrgefühl vom Lastenrad ist Topp, möchte ich nicht missen. Aber nüchtern betrachtet ...
 
Probiere mal, den Hänger hinter dem Lastenrad zu fahren.
Bei meinem Mundo ist es so, daß der Hänger hinter dem Mundo weniger das Fahrgefühl stört, als hinter dem Trekkingrad.
Allerdings wird der Zug extrem lang.
Mundo mit Charriot, wie auf dem Avatarbild sind 3,6 Meter!
 
Zeit für ein update.

Zunächst mal hatte ich bei Schleifgeräuschen an der Rollenbremse hinten das Fett nachgekauft. Einfache Sache das Schmieren, bisschen teuer das Fett. Bin letztlich aber für 12,- mit Versand fündig geworden in der "Bucht". Angesichts der sonst bisher niedrigen Wartungskosten des Lastenrades vertretbar. Weniger als 100 Gramm kaufen lohnt scheinbar preislich überhaupt nicht. Ob vielleicht auch ganz anderes Fett taugt als das Originale von Shimano, das habe ich nicht in Erfahrung gebracht.
Hab mich das damals auch gefragt. Fakt ist das es sehr warm werden kann in der Bremse und somit ein Fett benötigt wird was hohe Temperaturen abkann. Bei normalen Fett steht die Temperatur die es abkann meist mit drauf. Bei Shimano habe ich nichts dazu gefunden. Somit ist nicht klar wie hoch es erhitzt werden kann. Da ich aber davon ausgehe das es höher ist als normal hab ich ein wechsel auf billigfett verworfen. Fetten kannst du mit diesem Fett die Getriebenabe selbst und selbstverständlich die Rollenbremsen. Daher ist die Menge ok, Preis war mit 12 Euro auch recht gut.
 
Hallo triton-mole und core,

Danke für eure Antworten!

@triton-mole: Ja, das Anhängen des Hängers ans Lastenrad wäre technisch möglich. Aber ungünstig hier in Berlin. Es gibt immer wieder mal ein paar Nadelöhre auf der Strecke, wo es sinnvoll ist, entweder das Lastenrad rangieren zu können (kurzes Anheben des Rückrades inklusive), oder aber den Hänger mit einem kurzen Zug-Fahrrad zu versetzen (oder durchschlängeln zwischen Pfosten bspw. zu praktizieren). Ein "road train" zu basteln wäre in der Tat cool, aber eben nicht so Alltags-tauglich. Die Zukunft könnte eher so aussehen, dass das Lastenrad neben dem Gespann noch mitkommt bei gemeinsamen größeren Ausflügen. Des Gepäcks wegen, der Variabilität wegen. Vielleicht wollen mal auch die Kinder getrennt gefahren werden, warum auch immer. Eben Luxus.

@core: Danke auch für Wissen / Überlegungen teilen. Fand die 12,-€ auch moderat. Habe soeben meiner Liebsten die Felgenbremsbeläge komplett getauscht für gut 20,-€. Ist schon recht günstig, die Rollenbremserei. Zu etwaigen Nachteilen wurde bei cargobikeforum ja - Weiß Gott! - schon genug geschrieben. Mir reichen die Dinger vorerst.

Wir haben übrigens gerade mit etwas Amusement festgestellt, dass wir derzeit sieben Kinder würden transportieren können. Im Johnny Loco vier (zwei in der Box, eines im Kindersitz hinter dem Sattel, eines im Croozer Anhänger, der noch nicht verkauft ist) und mit dem Trekking-Rad drei (eines im Kindersitz hinter dem Sattel, zwei in dem neu erworbenen zweisitzrigen Kinderanhänger). Das wäre ja schon die Häfte der KiTa-Gruppe!
 
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