Familienradreise mit Bullitt - Empfehlungen?

Hallo, bin ein Neuling hier.
Kommendes Frühjahr planen wir als Familie mit zwei Kindern (5 und 1) eine Reise die uns über 4 bis 5 Monate vom Süden Kretas nach Hause ins Burgenland führen soll. Mein Bullitt wird vorne Zelt, Küche usw. tragen und hinten im Kindersitz den Kleinen. Da ich mein Gefährt erst seit dem Sommer kenne, stellt sich für mich die Frage ob es die eine oder andere Schwachstelle daran gibt, für die es sich lohnt auf langer Strecke spezielles Ersatzmaterial dabei zu haben. Ich denke dabei vor allem an das Lenksystem aber auch an die stark belasteten Laufräder. Über jegliche Empfehlung zum Familien- und Lastenradreisen würde ich mich freuen!
Paul
 
Hallo Paul,
willkommen im Forum.
Gib doch noch ein paar mehr Details zu deinem Rad, beim Bullitt gibt es ja doch die ein oder andere Variante.
Mir fällt als Problemzone das Vorderrad ein, nicht weil irgendwas daran schlecht wäre sondern die unübliche Größe. Viele Fahrradläden haben nur Reifen und Schläuche für 26" und aufwärts griffbereit.
Die Lenkung macht eigentlich keine Probleme. Wenn du so schwer stürzt, dass die Lenkstange verbiegt, dann hast du andere Sorgen.
 
Da unsere Tochter auch mit 20 Zoll Bereifung unterwegs ist, werde ich jedenfalls Schlauch und Mantel dabei haben.
Hab das Fahrzeug gebraucht gekauft und vorne Marathon Plus und hinten Mondial montiert. Bei der Schaltung hab ich mich mit einem älterem XT 3x9 Kettenwerk ganz robust ausgestattet. Unsicher bin ich mir bei der Qualität der Felgen (Ryde Taurus) und bei den Shimano-Ölbremsen (BR-M395 + RT56/RT64), da ich mich damit noch kaum beschäftigt habe. Inklusive Kind wird die Zuladung wohl bei bei knapp 50kg liegen und das eine oder andere mal werden wir doch über eine Höhe von 600m steigen müssen.
 
Die Bremse ist sorglos. Für mich wäre sie nur zu schwach für das Bullitt.
Hatte die mal am CC MTB und selbst da fand ich die Bremsleistung miserabel.
Pack paar Sätze Bremsbeläge mit ein. Die verschleißen recht schnell am Lasti.
 
[...] und hinten im Kindersitz den Kleinen. [...]
Eine Swachstelle ist, dass die Kleinen beim schlafen jegliche Körperpannung verlieren und das im Kindersitz nicht so gut ankommt, da diese idR keine Schlafposition besitzen. Das resultiert meist darin, daß der Kopf wegknickt. Da ihr im Schnitt so 10 bis 20 km fahren müsst, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, daß das unterwegs mal vorkommt und gerade dann, wenn es nicht passt.

Und für die Fünfjährige bitte unbedingt mal ein langes Wochenende mit vergleichbaren Tourenetappen durchexerzieren, damit alle wissen, was auf sie zukommt, insbesondere wenn dann Höhenmeter gemacht werden müssen. Ich hoffe, sie muss keine schweres Puky fahren.
 
Hallo Paul,

ich habe ein paar Tage gezögert mit einer Antwort an Dich, weil Du ein - wie ich finde - großes Thema ansprichst, welches weit über eventuelle Reparaturen am Bullitt hinausgeht. Gerne will ich Dir ein paar Zeilen zu eurem tollen Plan schreiben. Ich muss Dir aber zum besseren Verständnis ein paar Sätze zu mir, zu uns voranstellen.

Unsere Kinder sind jetzt 4 und 6 und sie kennen das Lastenrad-Mitfahren seit dem Alter von 0 respektive 2 Jahren. Ich habe seit 2014 ein Long John in Nutzung, die längste Zeit davon ein Bullitt. Die Kilometer habe ich nicht gezählt, es sind einige. In 2017 und 2018 haben wir jeweils eine Familienradreise Berlin-Ostsee und zurück gemacht, jeweils mit dem Bullitt als Lastentransporter und dem gut gefederten Kinderanhänger für die Kleinen (sofern sie nicht selbst gefahren sind). Die Kinderräder kamen teils zum Gepäck in der Bullitt-Box hinzu (frag bitte nicht, was das wog). Wir fuhren auch etliche kürzere Touren um Berlin. Ich kenne Griechenland gut und bereise es gerne und oft. Ich kenne Kreta, gerade auch den Süden, weiß um die bergige Beschaffenheit der Wege vom Norden herüber. Ich kenne griechische Fähren (mittlerweile sind es ja viele Schnellfähren). Ich bin den langen Weg von Deutschlang nach Athen tatsächlich schon einige Male auch per Auto oder Zug gefahren, anstatt zu fliegen. Das Klima in Griechenland (Festland und Kreta) zu eurer Reisezeit ist mir vertraut.

Die Technik vom Bullitt ist sehr robust und um einen Ersatz für eine 26" Felge / Bereifung / Technik würde ich mir weniger Gedanken machen. Ich würde allerdings der Steigungen wegen eine Kettenschaltung bevorzugen, was zugleich die Reparaturfreundlichkeit positiv beeinflusst. Dem Rahmen würde ich alles Mögliche zutrauen, dem bereits zur Lenkstange hier Geschriebenen stimme ich zu 100% zu. Bremsen, Lenker, Licht - nun, ja, keine unlösbaren Probleme. Die Hydraulikleitung nach vorne ist Überlänge und ein Ersatzteile wöge nicht viel. Dass ggf. Ersatz für eine robuste 20" Vorderradfelge unterwegs etwas schwerer zu beschaffen sein dürfte, das könnte stimmen. Andererseits kann man sicher auch hier improvisieren oder bestellen und auf Teile warten. Mäntel für vorne und hinten als Ersatz wiegen nicht so viel und könnten bei der langen Reise ggf sinnvoll sein, dann sitzt man nicht fest unterwegs. Kette, Kettennieter, vernünftiges Werkzeug - na, Du weißt schon. Sehr gut ist ganz abgesehen davon, wenn man sein Rad vor Reiseantritt gut kennt und um die Schachstellen weiß. Wenn die Speichen sich gut gesetzt haben, und so weiter.

Bei mir ist in den Jahren der Bullitt-Nutzung unterwegs genau das eine passiert: einmal ein Plattfuss hinten, trotz Schwalbe Marathon Bereifeung. Der Nagel war fett gewesen. Sonst Nix! Dass es sich unabhängig davon lohnt, unterwegs immer mal das Rad durchzusehen und ggf. hier und da was nachzuziehen oder einzustellen, das versteht sich von selbst. Selbst gute Lastenräder sind unterwegs mit viel Gepäck letztlich ganz schöne Klapperkisten (wörtlich zu verstehen).

Eine schnell mit Flügelschrauben demontierbare Transportbox vorne hat sich als sehr günstig erwiesen. So kann man das Bullitt mal eben kleiner und vor allem leichter bauen und dann die beladene Box und das Rad einzeln versetzen (haben auf eine Fähre an Deck rübergehoben oder einen eigentlich zu kleinen Fahrstuhl nutzen können). Das sind übrigens auch genau die Gelegenheiten, wo ein Gespann (Rad plus Hänger) Vorteile ausspielt. Apropos Gespann: Oft haben wir der Gerechtigkeit und Lastenverteilung halber den Kinderhänger an das Rad meiner Frau gehangen (sie ist übrigens irgendwann auf E-Bike gewechselt), aber ich habe am (Biopower-) Bullitt auch eine Hängerkupplung und in der Ebene fährt sich das (auch schwer beladen) mit Hänger immer erstaunlich gut. Vor allem viel weniger nervös, als mit kürzerem und leichterem Zugfahrrad. Steigungen, auch leichtere und dafür längere, können übel werden.

Den Schwerpunkt meiner Überlegungen und ggf auch Bedenken zu eurer geplanten Reise würde ich auf die Kinder setzen, nicht auf die Bullitt-Technik. Federung (!), Kinderrücken, Sitzposition, Ruheposition, Sicherheit, wie hält man längere Strecken durch, Unterhaltung, Sonnenschutz (!), Windschutz (!), Schutz vor Kälte, Abwechslung unterwegs. Und natürlich ist die Wahl der Strecke mit beladenen Lastenrad, zumal mit Kindern im Schlepp, das A und O. Bedenke bitte auch (vielleicht habe ich Dich da falsch verstanden, korrigiere mich sonst): Ein Kindersitz noch hinten auf dem Bullitt drauf bekommt viele Stösse ab. Der Hinterbau dieses Cargobikes ist sowieso schon sehr kurz geraten und das Kind sässe wirklich direkt über Achse. Bei steifem, ungefederten Alurahmen und wahrscheinlich harter Pannenschutzbereifung ist das kein Spass und eher nicht langstreckentauglich. Athen nach Deutschland? Was für Touren-Vorerfahrungen habt ihr eigentlich (mit/ohne Kind, Kindern)?

Zum Schluss, durchaus versöhnlich gemeint, als Handreichung und auch Ausdruck von großem Respekt eurem Vorhaben gegenüber, eine kleine Seglerweisheit. Gemünzt auf Weltumsegler. Solche, die wirklich aufbrechen, aber auch solche, die es letztlich doch nicht tun:

Die, die losfahren, sind oft schlecht vorbereitet und die, die sich gut vorbereiten, fahren nie los.

Ist - meiner Erfahrung nach - was dran.

Beste Grüße von Manuel (der nie die Welt umsegelte, nur Ostsee und Mittelmeer, der nur zwei, drei Bundesländer erradelte und nicht Europa)!
 
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Ich kann Manuel nur beipflichten, will aber gern noch ein paar Aspekte ergänzen. Ein wichtiger Faktor bei einer Unternehmung wie Ihr sie plant, ist Zeit. Sollte genügend davon zur Verfügung stehen, steht einer erfolgreichen Tour fast nichts im Wege. Anhand eigener Erfahrung würde ich Euch dazu raten, mit einem Lastenrad und einem zweiten Rad (Tourenrad oder Omnium) mit gefedertem Kinderanhänger zu fahren. Je nach Bedarf und Fitness könnt Ihr die Beladung beider Räder variieren, wenn sich die Kinder mal in die Haare kriegen oder einem von Euch beiden die Ausrüstung zu schwer wird. Das heißt, daß idealerweise beide Räder über eine Weber-Kupplung verfügen sollten. Abhängig vom Gepäck, das Ihr tatsächlich benötigt, könnte es weiterhin Sinn machen einen ein-oder zweispurigen Anhänger für den Materialtransport zu nutzen (bspw. https://www.weber-products.de/de/shop/produkt/Einradnachlaeufer-Monoporter?product-id=743, https://www.croozer.com/de-DE/bob-trailer, https://www.checkfrank.de/topeak-transportanhaenger-journey-trailer, https://www.hinterher.com/produkte/modelluebersicht.php, https://www.checkfrank.de/burley-flatbed-fahrradanhaenger/, https://carryfreedom.com/blog/portfolio/the-y-large/)
Für lange Strecken und gerade in Südeuropa braucht es Sitze oder eine Hängematte, Sonnenschutz und eine Abstützung für den Kopf der Kinder, sollten sie beim Fahren einschlafen. Wir haben den Faltsitz von LvsH auf unserem Bullitt in einer Blechkiste und den Croozer Chariot als Anhänger. Ich kann Euch nur empfehlen, schon im Vorfeld verschieden lange Touren mit Eurem geplanten Setup zu machen, um herauszufinden, ob das so praktikabel ist und wie sich die Kinder und Ihr selbst auf langen Strecken schlagen. Generell solltet Ihr nur das absolut nötigste Gepäck dabeihaben, denn später auf Tour macht sich jedes Kilogramm unangenehm bemerkbar. Ausreichend Werkzeug und ein paar wenige Ersatzteile sollten dabei sein. Wir hatten auf unseren langen Touren seit 2017 nur ein gebrochenes Schaltauge am Tourenrad und eine gebrochene Speiche am Bullitt. Plant Eure Route so, daß Ihr Steigungen nach Möglichkeit meiden könnt, am besten immer in der Nähe von Bahnlinien, um im Notfall einen Plan B zu haben. Ein paar Fahrradläden sollte es auch auf der Strecke geben ;-) Für die Kinder sollte es immer etwas zu sehen und zu spielen geben und die nötige Zeit dafür, bezieht sie auch in Euren Lagerauf-und abbau aktiv mit ein, Ihr werdet sehen, das macht ihnen riesig Spaß. Bei der Navigation würde ich immer dazu raten, sich nicht nur auf digitale Geräte zu verlassen. Wenn keine Strom verfügbar ist, kann das zum Problem werden. Ich habe deshalb, fast immer noch Papierkarten dabei und überlege jetzt auch, nach längeren Nachtfahrten im Herbst 2019, mir ein Vorderrad mit Nabendynamo fürs Bullitt zuzulegen. Fahrt nach Möglichkeit nicht nachts, denn das kann übel ausgehen. Ansonsten kann ich nur sagen, fahrt einfach los und genießt die Zeit zusammen, denn intensiver kann man kaum reisen ;-) Viel Glück und herzliche Grüße, Kai PS: Ein kleiner Reisebericht hier im Forum wäre schön nach der Reise...
 
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Respekt, was @Joshua und @Milmesbach schon geschrieben haben. Auf vielen Radtouren und auch im täglichen Einsatz habe ich bisher beim Bullitt keinerlei Probleme gehabt.
Ich würde, wie von den anderen schon geschrieben, vor der Reise mal alles checken, ggf. neue Kette aufziehen, neue Schläuche rein, Bremsbeläge erneuern,etc,pp... Sprich, Inspektion und los.

Ach ja, diverse Kabelstrapse & Bindedraht habe ich grundsätzlich immer im Gepäck/ in der Werkzeugtasche, man weiß ja nie. Freunde nennen das bei mir schon "Bindedrahtsyndrom".

Natürlich kannst du auch immer diverse Ersatzteile (Schläuche, Mäntel, Bremsleitungen, Speichen 20" & 26", Ersatzsattel, Reserverahmen, Gabel, nach oben keine Grenze) auf die Reise mitnehmen, doch wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, das etwas "Schlimmes" kaputtgeht?
 
doch wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, das etwas "Schlimmes" kaputtgeht?
Nicht hoch. Das know-how und passende Werkzeug vorausgesetzt dürften eigentlich nur kleine Ärgernisse erwartbar sein, keine Katastrophen. Was eine Tour sehr negativ beeinflussen würde wäre Diebstahl. Da sollte man umsichtig sein. Ansonsten ist man mit Kindern ja eh vorsichtiger unterwegs, gerade auch die Wahl der Wegstrecken betreffend. Ich würde mir da technisch auch nicht allzuviel Sorgen machen. Gut wäre vielleicht noch Pannenspray. So, dass man ggf nicht am ungünstigsten Ort, im ungünstigsten Moment flicken muss. Bei Campingausrüstung kann man übrigens viel Gewicht und Volumen sparen, viel mehr als bei Verpflegung oder Kleidung. Nur geht dies dann ins Geld, gute Ausrüstung kostet.
 
Vielen lieben Dank für eure ausführlichen Tipps und Gedanken! Ich kann verstehen das unser Plan etwas blauäugig erscheinen mag und tatsächlich haben wir noch kaum Tourenerfahrungen, abgesehen von ein paar Wochenendausflügen. Was wir aber haben, ist Zeit. Außerdem gibt es natürlich keine Dogmen was das "heimradeln" betrifft und selbst wenn wir die geplante Tour komplett durchbringen, sollten wir deutlich unter 2000km bleiben.

Grob haben wir folgende Route im Kopf:
Patras (Ankunft mit der Fähre Anfang Februar) > 100km bis Kiato und von dort mit dem Zug weiter (sofern der Proastiakos ein Lastenrad aufnehmen kann, sonst weiter per Rad - also nochmals ca. 100km) > Piräus > Fähre nach Iraklion > dann ca. 75km in den Süden, wobei wir höchtens knapp über 600m müssen.
In der Tiefebene von Messara wollen wir dann mal den Frühlingsbeginn abwarten und uns für etwa drei Wochen ein Apartment mieten.
Im März soll es dann an der Südküste weiter Richtung Westen gehen. Ab Chora Sfakion sollte es eine Möglichkeit geben die schlimmsten Erhebungen zu umgehen, wenn wir die Fähre nach Paleochora nehmen. Dann kommt ein spannender und wohl auch anstrengender Abschnitt an der Westküste Kretas der hoffentlich in Kissamos endet, von wo uns mit etwas Glück die Fähre nach Gythio zurück auf den Peloponnes bringt. Dann wird es wieder recht bergig, wenn wir an die Westküste der Mani bis Kalamata radeln. Dafür dürfte uns der restliche Peloponnes, abgesehen von den Distanzen, weniger abverlangen, da es von dort in den Norden hinauf vergleichsweise eben dahin geht. Wir hoffen dann von Kyllini eine Fähre nach Italien zu bekommen, um im besten Fall auf der Strecke von Brindisi nach Bari noch ein Stück von Apulien kennen zu lernen. Dann soll es über die Adria nach Dubrovnik in Südkroatien gehen, von wo es dann nur etwa 1000km bis nach Hause wären.

Wir peilen diese Routenführung an, weil wir uns die Rhodopen und das Balkangebirge nicht antun können und gerne in Meernähe bleiben wollen. Albanien wird ausgeklammert, weil wir es bereits einmal mit dem Auto bereist haben und wir glauben, dass dem wahnsinnigen Verkehr dort mit dem Rad kaum auszuweichen wäre. Ganz allgemein macht mir die Sicherheit auf der Straße (neben dem Gewicht und den Höhenmetern) am meisten Kopfzerbrechen, denn auch aus Griechenland wird viel von haarsträubenden Fahrweisen berichtet. Ich hoffe aber, dass zu dieser Jahreszeit auch einige ruhige Routen zu finden sein werden.

Zum Kindertransport:
Die Federung war eigentlich ein Mitgrund für die Entscheidung unseren Sohn, der zum Tourstart 18 Monate haben wird, auf den Gepäcksträger zu packen, denn vorne würde ein entsprechende Lösung wohl den gesamten Platz verschlingen. Einen Kinderanhänger wollen wir wegen Gewicht und Gespannlänge vermeiden. Wir haben einen leicht gefederten Sitz von Römer, der sich recht weit nach hinten neigen lässt. Zusammen mit einer Polsterstütze um den Hals schläft der Bub eigentlich ganz gut da drinnen. Zusätzlich hab ich nun die breitest möglichen Reifen hinten aufgezogen, was natürlich nicht bedeutet, dass wir ihn im müden Zustand irgendwelchen Rumpelpisten aussetzen werden.
Unsere Tochter, sie wurde diesen Sommer fünf, fährt ein Woom4 und ist darauf erstaunlich fit unterwegs. Schon zweimal hat sie mit uns 30-40km an einem Tag problemlos mitgemacht, das war aber immer in der Ebene. Am Rad meiner Partnerin wird eine FollowMe-Tandemkupplung hängen, die für verkehrstechnisch gefährlich Abschnitte unumgänglich sein wird. Diese Lösung bietet uns außerdem die Möglichkeit einer Erschöpfung unserer Kleinen zu begegnen, falls wir mal in die Situation kommen unbedingt noch ein paar KM machen zu müssen (was aber die Ausnahme sein sollte).

Wie gesagt haben wir viel Zeit und ich bin mir sicher unsere Kinder werden uns schon früh genug die Grenzen aufzeigen. Da wir mit Zelt, Küche und Lebensmitteln gut ausgerüstet sein wollen, wird es kein Problem sein, wenn wir immer wieder mal nur 5km schaffen. Diese Reise soll für uns ein letztes richtig großes Abenteuer sein, bevor die Schulpflicht beginnt und ich freue mich schon riesig auf die intensiven gemeinsame Erfahrungen. Nach diesem tollen Feedback hier im Forum sehe ich einen nachträglichen Bericht als Pflicht.
 
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Hej Paul,

Danke für die Schilderung. Was für ein detaillierter Plan. Wusste ich nicht. Nun, mit ...
Ganz allgemein macht mir die Sicherheit auf der Straße (neben dem Gewicht und den Höhenmetern) am meisten Kopfzerbrechen, denn auch aus Griechenland wird viel von haarsträubenden Fahrweisen berichtet.
... könntest Du Recht haben. Ein guter Freund von mir, wir waren damals hauptsächlich mit Motorrad und selten Auto unterwegs. dichtete einmal: "Nicht-Autofahren können die Griechen unheimlich gut!". :ROFLMAO:

Diese Reise soll für uns ein letztes richtig großes Abenteuer sein, bevor die Schulpflicht beginnt und ich freue mich schon riesig auf die intensiven gemeinsame Erfahrungen.
Das kann ich nur allzu gut verstehen und, Ja, jetzt kapiere ich auch die Reisezeit. Ist klar. Gedanken sind mir vertraut. Wir hatten noch Neuseeland / Ozeanien im Sinn (ohne Rad, und bitte: CO2-Diskussion jetzt nicht sofort anknüpfen). Aber wir haben es gelassen. Das Glück liegt manches Mal auch um die Ecke. Und auf den Ostseefahrten hatten wir sehr einzigartige, schöne Eindrücke gewonnen.

Na, ja. Es ist schon paradox: Genau dann , wenn das Abenteuereisen und Streunern mit den Lütten anfängt interessant zu werden, schlägt die Schulpflicht zu. Mit allen humorlosen Konsequenzen für die Jahresplanung. Eigentlich idiotisch, dass es keinen einfach Weg gibt, sich davon mal frei zu machen und den Kindern was ganz anderes beizubringen. Etwas wirklich für's Leben. Ich wünsche euch gutes Gelingen und einen tollen kretischen Frühling!

Seid herzlich gegrüßt!
Manuel
 
Macht unbedingt Probetouren bevor Ihr auf die eigentlich Route geht. Vom Kleinkind hinten auf dem Bullitt würde ich aus den von Manuel bereits erwähnten Gründen abraten. Follow-me ist an sich eine gute Idee, für Griechenland und den Balkan aber wegen des Verkehrsaufkommens vielleicht nicht die optimale Lösung. Ich geh unsere Räder vor jeder Tour einmal gründlich durch, wechsle die Bremsbeläge, checke die Speichen und schmiere nicht nur den Antrieb neu. Ersatzschläuche habe ich immer für alle Laufräder (ja, auch für den Kinderanhänger) dabei. Wenn es ganz dick kommen sollte, könnt Ihr Euch notfalls Ersatzteile schicken lassen. Aber nach einigen tausend Kilometern auf dem Bullitt kann ich sagen, daß das Rad ziemlich robust und bei guter Pflege auch recht pannensicher ist. Die Kettenschaltungen solltet Ihr unterwegs gelegentlich mal reinigen und neu abschmieren (ich habe mit Keramiköl von Ballistol gute Erfahrungen gemacht) und die Reifen aufpumpen (Ventiladapter für Luftzapfsäulen auf Tankstellen erspart die sperrige Standpumpe). Sehr viel mehr ist eigentlich nicht zu tun. Besorgt Euch gute Sättel und fahrt sie vorher ausreichend ein. Gegen einschlafende Hände können Handschuhe (z.B. Chiba Bio X Cell) und entsprechende Griffe hilfreich sein. Überlegt wie Ihr das mit dem Licht machen wollt. Solltet Ihr das Geld übrig haben, holt Euch zwei Nabendynamos. Bei der Navigation lohnt es sich auch, redundant zu arbeiten, also je ein Gerät pro Rad. Schwere Kettenschlösser könnt Ihr zuhause lassen, zwei Faltschlösser, zwei lange Kabel und eventuell zwei Bügelschlösser sollten für Euren Fuhrpark ausreichen. Pack doch auch mal probeweise ein, was Ihr denkt mitnehmen zu müssen und macht damit eine Vorfahrt übers Wochenende. Hinterher solltet Ihr wissen, was Ihr wirklich braucht ;-) Wie schon gesagt, ab einem gewissen Punkt aufhören zu planen und einfach losfahren, der Rest ergibt sich unterwegs. Herzliche Grüße, Kai
 
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Wir sind die letzten Jahre im Sommerurlaub immer mit Bullitt und Zelt unterwegs gewesen. Das Fahrrad hält. Die einzige wirklich Schwachstelle sind die Reifen, denn mit Kind drauf will man eher niedrigen Luftdruck fahren, macht dabei aber die Reifenflanken kaputt. 26"x <2" ist mittlerweile leider etwas schwieriger zu kriegen. Da würde ich mir vermutlich einen Ersatzreifen mitnehmen.

Was uns sehr geholfen hat: Routine. Die baut sich schon auf, wenn man einfach mal ein Wochenende raus auf den nächsten Zeltplatz fährt. Wir haben schon in <10km Luftlinie von zuhause gezeltet und es war trotzdem ein super Abenteuer für die kleinen. Die Jahreszeit ist dafür natürlich nicht ideal, aber mit ein, zwei Decken zusätzlich spricht da eigentlich nichts gegen.

Und dann einfach losfahren, wird schon gut gehen. Bei der letzten Reise (nach Dänemark) hatten wir bei der Abfahrt keine Route und keine Buchungen (Zugtickets, Fährtickets, sowas...). Und die Reise war wunderbar! Wir sind dabei übrigens teilweise nur etwa 30km pro Tag gefahren, mehr war über den Mittagsschlaf einfach nicht drin.

Und wenn's nicht so gut geht, oder keinen Spaß mehr macht, ist das Verkehrsnetz in Europa dicht genug, dass man spontan nach hause fahren kann. Notfalls eben zum nächsten Transportervermieter und ab. Oder auch mal ins Hotel, wenn die Wäsche partout nicht mehr trocken wird.

Gute Reise euch vieren!

t.
 
Wir planen nächstes Jahr auch die ein oder andere Radreise mit den Lastis und Kind.
1 Bullitt trägt die Ausrüstung,
1 Bullitt das Kind.
Tagesetappen werden wohl zwischen 30 - 50km liegen. Eher nach unten orientiert. Spielplätze, Steine am Fluss ins Wasser werfen, usw. wird eindeutig im Vordergrund stehen.
 
Wir haben daheim nun ein bisserl darüber diskutiert, ob wir nicht doch einen Anhänger für den Buben nehmen sollten. Wir könnten uns von Freunden einen Chariot leihen, ein etwas älteres Model, 2er Variante, einer von den leichteren Ausführungen, aber nicht gefedert. Er würde uns auch etwas mehr Flexibilität bei der Gepäckverteilung bringen und ich könnte Sitz und Gepäckträger (beide nicht die leichtesten) wieder abmontieren. Folgende Punkte lassen mich aber stark zaudern:
- So ein Anhänger würde das Fahrgefühl stark beeinflussen, denn zusätzliches Masse und Rollwiderstand bei Anstiegen und die hohe Gesamtlänge bei engen oder kurvenreichen Verhältnissen, lassen Beeinträchtigungen befürchten. Das Bullitt hab ich mir eigentlich auch deshalb besorgt, weil ich vom Nachziehen nach ein paar Tests nicht sehr überzeugt war. Ich genieße es sehr, trotz hohem Gewicht mit relativ hoher Flexibilität stabil auf der Straße zu liegen.
- Unsere geplanten Transfers, vor allem jene mit der Bahn, könnten zusätzlich erschwert werden. Schon jetzt bin ich stark am grübeln ob wir es schaffen werden mein 2,5m langes Gefährt in den Proastiakos nach Piräus zu bekommen. Natürlich könnte ich den Hänger abkoppeln, aber ohne Zerlegen bleibt das Ding dennoch knapp 80cm breit und ich hab in jedem Fall ein zusätzliches Teil, das den Skeptikern unter den Transportbegleitern Zündstoff geben könnte.
- Zusätzliche Technik kann zusätzliche Probleme mit sich bringen. Schon klar, dass die Chariots durchdachte und robuste Hänger sind, aber dennoch sind weitere Laufräder, eine Achse und ein Kupplungssystem im Spiel.

Die Entscheidung den Sohn nicht auf die Ladefläche zu nehmen, habe ich erst nach dem Fahrradkauf getroffen, als ich merkte dass jede gefedert Sitzvariante vorne den gesamten Raum frisst. Wie gesagt wollen wir gut ausgerüstet unterwegs sein, um auch mal länger im Nirgendwo bleiben zu können und in klassischen Fahrradtaschen wäre nicht alles unterzukriegen. Mit zwei Lastenrädern sähe die Sache natürlich anders aus.

Das Setup der Ladefläche hab ich folgendermaßen geplant:
- Vor dem Lenker stehen drei aufeinander gestapelte 60x40 Eurobehälter, längs zur Fahrtrichtung um Breite zu sparen. Die untere Kiste, mit 10cm Höhe, trägt Ersatzteil und Equipment mit seltener Nutzung. Darauf kommt die Küchenbox, mit eingebauten Gaskocher, Geschirr und Lebensmitteln, wobei ich noch unschlüssig bin, ob 20 oder 30cm hoch. Auf diese kommt wieder eine kleine Box mit Dingen des täglichen Bedarfs und eventuell zusätzlichem Essen.
- Auf den restlichen Platz davor werden drei unterschiedlich dimensionierte Packsäcke gestapelt, die sich gut in diese Nische einfügen (wenngleich sie die äußerste Breite des Systems leider deutlich erhöhen). Darin finden sich unsere Luftmatratzen, das Zelt und meine Kleidung.

Ein Nachteil der Boxen ist sicherlich ihr Eigengewicht, das insgesamt wahrscheinlich über 4kg ausmacht. Dafür haben wir einen robusten und flexiblen Turm, der sich beim Hieven des Fahrrads in andere Transportmittel schnell abbauen lässt. Ein Deckel oben drauf, schon haben wir einen portablen kleinen Tisch und auch der Küchenort kann schnell verschoben werden. Auf Länge der Lenksäule halten zwei Winkel die Kisten seitlich fest, von vorne drücken die Packrollen dagegen und von oben sollen Gummispanner den Rest erledigen. Sorgen macht mir die Gesamthöhe ein wenig, da sie mich wohl anfällig für Seitenwind machen wird.Derzeit arbeite ich noch am Zuschnitt einer LKW-Plane, die sich mit Ösen versehen über die gesamte Last schmiegen soll. Vielleicht gibt mir das neben dem Regenschutz auch die Möglichkeit die Ladung beim Parken in einer Stadt (mit einer ans Schloss gekoppelten Stahlschlinge) ein wenig unattraktiver für Langfinger zu machen.

Viele größere Probefahrten werden wir bis zum Start der Tour wohl nicht mehr hinbekommen, aus Zeitgründen und da der Winter zu uns schon deutliche Vorboten schickt. Wenn wir länger in Südkreta verweilen haben wir ja noch Zeit Kondition aufzubauen und Adaptierungen an unseren Gefährten vorzunehmen. Äußerst spannend wird aber der Schritt dorthin, die ersten Etappen ab Patras, die Verkehrsbedingungen, das Wetter, das Neuland für die Kinder und uns.
 
Moin noch ein kleiner Tipp.
Ich habe keine Reise aber viel Arbeitserfahrung in Süd und Südosteuropa. Bezüglich der genannten Organisation wurde das wesentliche genannt. Aber der Teufel ist ein Eichhörchen. Dort wirst du dich nicht immer auf Unterstützung verlassen können. Schau dass du ein Radladen oder einen bekannte hast, die bereit sind auch auf mal auf Risiko Sachen an fremde Adressen usw, zu schicken. Und schau, dass Ihr für ungeplante Zwischenfälle Zeit und Geldpuffer habt. Schaut ob für den Fall der Fälle eine Auslandskrankenversicherung, Rücktransport und auch so was wie Bergekostenversicherung vorhanden ist . Und ansonsten drück ich die Daumen und wünsch dir viel spaß
 
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