Familiäre Einstellung zur Mobilität

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Viel öfter sind sie abschätzig bis offen feindselig, nimmt man den bladen Kisten doch als Radfahrer den dringend nötigen Lebensraum weg

hehehe, das erinnert mich an eine Situation am hiesigen Getränkemarkt. Angrenzender, geräumiger, leerer Parkplatz, aber wo parkt man seine Blechdose? Natürlich direkt vor dem Eingang... auf dem Gehweg.... <grummel>
Ich stelle mich mit meinem Gespann aus Rad+Lastenanhänger immer direkt hinter diese ignoranten Falschparker - die können dann nicht weg und müssen warten bis ich fertig bin...
Viele Falschparker erkennen dann meist ihr Fehlverhalten und warten lautlos bis ich fertig und weg bin.
Nur letztens kam sofort eine Dame mit ihrem Einkauf aus dem Laden und plärrte mich sofort lautstark und vorwurfsvoll an: "Junger Mann, DA stehen Sie aber ganz schlecht...!" und deutete an, dass ich da sofort verschwinden sollte.
Als ich ihr dann im Vorbeigehen erklärte, dass ICH dort richtig stehe und sie dort falsch, hörte ich sie im Laden draußen noch rumkeifen, dass das doch immer schlimmer werden würde mit diesen Radfahrern..... ;-)
 
Wow, das Paradies!
Das kann aber nicht der RS1 im Ruhrgebiet sein...? Der wird nämlich gut genutzt...
Ja. Ich "ärgere" damit hier alle im Wunderbare Radwege Thema :D
 
Wow, das Paradies!
Das kann aber nicht der RS1 im Ruhrgebiet sein...? Der wird nämlich gut genutzt...

Der RS1 existiert faktisch ja auch nur zwischen Mühlheim und Essen. Die 3,5km zwischen Wattenscheid und Essen-Kray werden primär als Hundeauslauf und Joggingrunde genutzt. Fahrräder sind da eine selten anzutreffende Spezies
 
Um auf die Ursprungsfrage zu antworten:
Wir fahren beide Rad, nicht zuletzt, weil wir als Eltern zweier kleinerer Kinder keine Zeit fürs Autofahren haben. Ich habe das mal, als ich noch einen (fast immer ungenutzten) Dienstwagen hatte, spaßeshalber gestoppt. Alleine die Tour zur Kita (inkl. Kind abgeben) und zurück ins Home Office dauert per Rad 20 Minuten, mit dem Auto inkl. suche nach zwei Parkplätzen (also solche, auf denen man wirklich parken darf) 45 Minuten.
Ich hab keine Zeit für so einen Käse, meine Frau sieht es genauso.
Nebenbei fahren wir beide auch ganz gern Rad.

Meine Frau hat kein leidenschaftliches Verhältnis zu Fahrrädern. Sie sollen gut funktionieren, welcher Teile dafür sorgen, ist ihr egal. Alle Arbeiten an Rädern mache ich oder dank All-Inclusive-Versicherung eine Werkstatt.
Ich dagegen könnte mir eine Stunde lang ein Bild von einem 1995er Yeti ARC anschauen.
 
Moin zusammen,

das ist ein sehr spannendes Thema wie ich finde, bei dem ich leider immer wieder auf Widerstände stoße.
Aber mal ganz von vorne - Achtung, viel Text! Wer direkt zum Thema möchte, kann gerne ab Punkt 6 weiterlesen ;)

1. Aufgewachsen in einer Kleinstadt in S-H (in der ich wieder wohnhaft bin), war das Radfahren als Jugendlicher die einzige Option irgendwo hinzukommen.
Mit dem Beginn eines Kurierdienstes im Alter von 16 Jahren wurde die Leidbereitschaft bei jedem Wetter mit dem Rad fahren zu müssen bereits gestärkt. Mit 18 folgten leider durch den Erwerb des Führerscheins eine gewisse Sympathie zum Auto, was dann - sofern verfügbar - bei ach so kleinen Distanzen bewegt wurde. Man wollte ja cool sein :rolleyes:

2. Mit dem Beginn des Studiums wurde wieder Rad gefahren, diesmal im sehr bergigem Gelände, was eine Umgewöhnung mit sich brachte.
Damals ausgestattet mit einer Alu-Gurke, erworben bei einer Fahrradauktion war das Fahren eher Mittel zum Zweck. Richtig Spaß brachte es nicht, die Investition in ein vernünftiges Rad habe ich mir gespart. Ich war gebrandmarkt, 10 Räder wurden mir bis dato geklaut...
Erst durch den Umzug in die Hansestadt Hamburg brachte eine signifikante Veränderung mit sich.
Ich machte einen Motorradführerschein, fuhr erst viel damit rum, bis ich gemerkt habe, dass gedrosselt fahren doch nicht so cool ist.
Und im Stau stehen ebenfalls nicht :D

3. Also gings wieder aufs Rad - ich lernte die Singlespeed und Fixie Szene kennen, baute mir meine ersten Rennräder auf und nahm jede Strecke mit dem Rad auf mich. Außer es war so verschneit, dass ich dank meiner 23 bis 28mm Reifen die extrem langsamen Öffis nehmen musste. Jaaa - um 2010 bis 2012 rum gab es in Hamburg noch Schnee, liebe Kinder.
Mein Fahrradfetisch wuchs, ich hatte zum Teil sogar 12 Räder stehen, baute auch ein, zwei Räder für meine damals-Freundin-jetzt-Frau zusammen.
Es wurde auch fleißig Bahnrad auf der Bahn gefahren, das vermisse ich tatsächlich mit am meisten an Hamburg (und die Kneipen).
Lange Touren wurden auch gern gemacht. Meine Lieblingsstrecke war zu meinen Schwiegereltern nach Mecklenburg. Da habe ich gerne bis zu 160km am Tag gerissen. Vom aktuellen Wohnort sind es 211 km, das habe ich dieses Jahr Anfang April bei sehr wechselhaftem Wetter geschafft :)

4. Irgendwann kam ich in den Genuss eins der ersten R&M Packster Probe zu fahren, da hatten wir bereits ein Kind und ich konnte sie damit herumkutschieren. Ich war so ziemlich gegen Lastenräder - sperrig, teuer, kriegst du nicht in einen Keller, aber die Probefahrt hatte mich überzeugt.
Ich musste ein eigenes haben, also wurden zusammen mit meinem Vater dann insgesamt 7 Lastenräder upgecycelt. Die ersten habe ich in Hamburg noch in den Keller tragen müssen, das war echt anstrengend.

5. Mittlerweile leben wir wieder in der besagten, flachen Kleinstadt. Ich fahre jeden (möglichen) Meter mit dem Rad oder gehe zu Fuß.
Das Auto wird leider noch regelmäßig bewegt, da meine Frau und ich je ein Mal die Woche nach Hamburg zum Arbeiten müssen. Die Anbindungen mit der Bahn sind dabei einfach nicht akzeptabel. Für Reisen innerhalb Deutschlands wird das Auto weiterhin bewegt, aber immerhin ist es dann mit Hund und Kind so ziemlich voll und halbwegs mit meinem Gewissen vertretbar.

6. Jetzt aber zu dem Kernproblem:
Meine bessere Hälfte fährt nicht so gern Rad. Die Bring und Holtouren mit dem Kind erledige ich zu 90% mit dem Lontail.
Das Wetter bei uns ist sehr rau und mistig, im Sommer wird aber das E-Bike öfter von ihr benutzt. Aufs Lastenrad steigt sie nicht.
Sofern es nicht regnet, kann ich meine Frau auch überreden mit dem Rad zum Essen, bzw. in die Stadt zu fahren. Tatsächlich machen wir aber das meiste dann zu Fuß, da dann unsere Hündin mitkommen kann.
Meine Frau unterstützt mich in dem Vorhaben die Welt zu retten und überredet auch unsere Tochter, wenn sie gerade keine Lust auf Radfahren kann. Wenns natürlich aus Eimern gießt, fahre ich meinem Kind zuliebe mit dem Auto.
Meine Familie ist da etwas gleichgültig, manchmal aber ohne Verständnis, wenn ich das Kind bei "Kälte" und "Wind" durch die Gegend fahre.
Das Auto ist hier (wie in weiten Teilen Deutschlands) leider, leider ein Statussymbol und eben ein "Problemlöser". Viele sind zu bequem und unbedarft aufs Rad zu steigen. Unsere kleine Critical Mass-Gruppe hat sich seit Monaten nicht mehr zusammengefunden, neue Leute zu akquirieren ist ein Ding der Unmöglichkeit.

7. Insgesamt bin ich mittlerweile etwas resigniert und versuche nicht mehr so verbissen zu sein.
Ich versuche stets mit gutem Beispiel voran zu gehen und meine Mitmenschen durch Aufrufe, WhatsApp-Status und Berichte mehr aufs Rad oder zum Sport zu bewegen. Den ein oder anderen habe ich tatsächlich zu regelmäßigen Joggingeinheiten angestiftet.
Sobald die Menschen merken, was alles möglich ist mit eigener Muskelkraft und dass es nicht weh tut bei Regen vor die Tür zu gehen, ist einiges machbar. Viele haben hierbei allerdings eine undurchdringbare Barriere gespickt mit zig Ausreden und Wehwehchen.
Und ja - ich bin hier schon eine Art Attraktion mit meinen Lastenrädern, aber dass jemand sich ebenfalls eins kauft und damit durch die Gegend gurkt, ist mehr als unwahrscheinlich.

8. Fazit:
Ich bleibe weiterhin bei dieser Mobilität, sie ist günstig, schont die Umwelt und hält mich fit. Ich habe unglaublichen Spaß daran Rad zu fahren, obgleich die Aggression und der Autoverkehr immer weiter zunehmen.
Bikerherz statt Merz!

So, sorry für den langen Text, aber das wollte ich mir von der Seele schreiben :D
Hi Roman,
willkommen in meinem Leben. Überzeugungen können manchmal einsam machen. Auch meine Frau ist trotz neu angeschafften E-Bike nur so mittel vom Radeln überzeugt. Meine Tochter mag gar nicht mehr, nur mein Sohn fährt gerne. Manchmal sogar mit mir auf Urlaubstour.
Ich werde aber, so wie Du offenbar auch, zu 100% unterstützt.

Nachdem ein Teil der Lastenräder seit einiger Zeit auch zum Lebensunterhalt beiträgt (Coffee-Bike und Rikschatouren) springt die Familie auch immer wo es notwendig ist ein (Vorbereitung, Nachsorge :giggle:).
Aber nichtsdestotrotz gelte ich schon als ein wenig skurril, in der erweiterten Familie aber besonders im Dorf. Eine Zeitlang war es die Show, wenn der zugezogene Typie wieder mit irgendeinem neuen, seltsamen Rad ins Städtchen fährt und dann mit dem Wochehendeinkauf wiederkommt. Ohne SUV :unsure:. Inzwischen ist aber auch der Spinner Routine geworden ;). Trotzdem fahren hier seit einiger Zeit tatsächlich Väter mit ihren Kindern Fahrrad, na gut nur Sonntags und nur zum Fußball, aber immerhin sogar mit Helm :oops:.

Ich bin der Überzeugung, nur wenn "Spinner" wie wir standhaft und überzeu(gen)t bleiben, können wir auf Dauer etwas verändern.

So long, gute Fahrt
Nils
 

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Der RS1 existiert faktisch ja auch nur zwischen Mühlheim und Essen
Der RS1 ist ein bereits bei der Geburt gestorbenes Projekt. Selbst wenn er irgendwann mal durchgängig sein sollte, wird er nicht Barrierefrei sein. Es gibt bereits Abschnitte die als Fahrradstraße ausgelegt wurden.
Gezz mal On-Topic: Mein Bruder ist ebenfalls eher auf Fahrrad geeicht. Seine Kinder ebenfalls. Da wir alle in einem Haus wohnen ist alles mit Fahrräder voll gestellt. Auch wenn meine Schwägerin eher wenig mit dem Rad fährt, gibt es hier eigentlich keine Reibungspunkte. Wir sind hier ein auf Radfahren getrimmtes Mehrfamilienhaus. :p
 
Der RS1 ist ein bereits bei der Geburt gestorbenes Projekt. Selbst wenn er irgendwann mal durchgängig sein sollte, wird er nicht Barrierefrei sein. Es gibt bereits Abschnitte die als Fahrradstraße ausgelegt wurden.
Ist in den Niederlanden oftmals auch nicht anders. Da ist bei fast jedem Snellfietspad ein Teil Fahrradstraße innerhalb der Städte (z.B. beim Rijnwaalpad Nijmegen-Arnhem). Ist ja auch kein Problem. 100km quer durch mehrere Städte bekommt man nicht als reine Radinfrastruktur fernab von jeder KFZ-Infrastruktur hin. Solange es ein Großteil ist, und der gemischte Teil immer noch sicher, komfortabel und eindeutig für deutsche KFZ-Köpfe angelegt ist.
 
Kleines Update von hier:
Es entwickelt sich zum Schlechteren: Die wochendlichen Touren mit meinen Kindern, wenn meine Frau zum Dienst ist, sind beinahe Geschichte. Weder die Große noch der Kleine haben wirklich Bock.
Trost: Die täglichen Strecken werden weiterhin vornehmlich mit dem Rad gemacht (wohl oder übel?).
Times, they are a changing. *seufz*
 
Mein Mann und ich sind ziemlich gleich Rad-verrückt. Wir haben noch nie ein Auto besessen; wenn privates Carsharing (= Auto vom Nachbarn), dann muss er fahren, denn ich bin seit mehr als 10 Jahren keins mehr gefahren und sollte definitiv Fahrstunden nehmen, wenn ich nicht ne Pressemeldung abgeben will. Da ich aber absolut 0 Bock auf Autofahren habe, wird das hoffentlich sowieso nie passieren.
Wenn mein Mann mal das geliehene Auto fahren „muss“ (zB um inklusive Sohnemann und mit MTBs hinten aufm Fahrradträger in den favorisierten Bikepark ins Sauerland zu fahren), findet er das jedes Mal - zurecht - ätzend. Uns stört schon allein dieser Muff, in nem ollen Blechkasten zu sitzen anstatt an der frischen Luft zu sein. Unsere Kinder haben das offenbar so von uns übernommen; der 6-Jährige sagt jedes Mal im Auto, ihm wäre schlecht (bisschen übertrieben…), und Autos stinken, Autos sind doof, etc. Sie finden es genau wie wir absurd, dass man hier in der Gegend mit dem Auto einkaufen oder zum Bäcker fährt, der ganze 800 m weit entfernt ist.

Jedenfalls, zurück zum Rad: Über die Jahre und die Anzahl de Kinder ist der Fuhrpark entsprechend größer geworden. Da wir das Rad nicht nur als Freizeitobjekt, sondern ehrlich gesagt vor allem als nützlichen Alltagsgegenstand und eben Verkehrsmittel sehen, gibt es hier - von den Kinderrädern abgesehen - fast nur noch welche mit Motor. Ein Bio-Herrenrad versuchen wir gerade noch bei kleinanzeigen loszuwerden; es wurde einfach zu selten benutzt, weil man mit dem e-bike eben doch schneller/komfortabler am Ziel ist und den Alltagsstress besser bewältigen kann. Ach ja, das MTB meines Mannes ist auch bio. Und das Indoor-Rad aufm Dachboden… naja zählt sowas als ebike? Da is n Kabel und n Stecker dran… ;)

Das skurrilste Rad dürfte das halfbike sein, das ich meinem Mann vorletztes Jahr geschenkt habe. Bestes Ding, um zB ein Lastenrad ohne ÖPNV von der Werkstattsinspektion abzuholen (oder den Rückweg des Lasti-Wegbringens zu erleichtern etc…). Oder um mal ein Kind wieder einzufangen, das im sportlichen Übermut mit seinem Lauf- oder Fahrrad aus der Sichtweite entkommen ist.

Neueste Anschaffung (neben dem cluuv ;) ) ist der Shotgun Pro, also Sitz für Kinder auf der Stange vorn… Findet unser 4-Jähriger prima und will seitdem nur noch so aus der Kita abgeholt werden (4,5 km durch den Stadtverkehr, woop woop), oder eben mit seinem eigenen kleinen Kubike fahren.

Wir wohnen in einer absoluten hier-hat-jeder-einen-nein-sogar-zwei-SUV-Neubausiedlung und sind die absolute Ausnahme. Insofern „siedlungsbekannt“. Mit das beste: Wir haben unser Haus mit Garage gebaut (ist voll mit den Rädern) und mit zwei Stellplätzen; auf dem einen lagern seit 2-3 Jahren selbst gebaute Rampen für die Kinder, auf dem anderen steht mal das ein oder andere Besucherauto (und wir ärgern uns dann jedes Mal, dass der Platz zum Rangieren für uns fehlt).

Es gibt hier in der Nachbarschaft noch ein unbebautes, der Wildnis überlassenes Grundstück, welches mein Mann (und unsere Kinder) mit Schaufel und Schweiß zu einem Mini-Bikeparcour umgebaut hat. Wir freuen uns jedes Mal, wenn wir dort andere Kinder als unsere eigenen begeistert mit ihren Rädern fahren sehen.

Hach, ich gerate ins Schwärmen. Wir lieben unsere Lebensweise und sind trotzdem der Meinung „wenn später mal ein E-Auto hermuss aus irgendwelchen Gründen, dann muss es halt so sein“. Hoffentlich geht es immer anders. Unsere Reichweite bzw der Komfort bei der Freizeitgestaltung ist eingeschränkter. Bei Lastenrad-Ausfällen (Inspektion, Reparatur) merken wir es deutlich und lassen Sohnemann zB von Freundes-Eltern im Auto mit zum Fußballtraining fahren. Urlaubsplanung wird mit dem Fahrrad gemacht. Undsoweiter… So ne Art Bestätigung kriegen wir jedes Mal zu sehen, wenn man unsere Kinder auf ihren Rädern beobachtet: Sie sind jetzt schon gut und sicher unterwegs und fahren so, wie manch Jugendlicher/Erwachsener noch nicht. Natürlich nicht immer ;-)
 
Schöner und differenzierter Mobilitäts-Bericht, @LuziEva ! Das klingt für mich nach einer vernünftigen und auch vergnügten Einstellung.
Der optimale Kompromiss findet sich ja selten an den Extrempunkten, und wenn man "siedlungsbekannt" :ROFLMAO: Alternativen aufzeigt, dann sickert das schon so langsam bei den Leuten in den Bregen ein. Wir wohnen in einer ganz biederen Stadtrandstraße und es ist inzwischen ein zweites Lastenrad aufgetaucht!
 
Times, they are a changing. *seufz*
Nicht verzagen, Kindern kann man immer allerhand anbieten, aber man sollte es nicht krumm nehmen, wenn sie davon nur teilweise Gebrauch machen. Vielleicht findet sich ein neues Ansatz, wozu haben sie Lust, und da fährt man dann mit dem Fahrrad hin. Boulder-Halle? Wenn Du einen kleinen Umweg fährst, lohnt sich bei Euch die Benutzung des Fahrrads gerade so.
 
Der optimale Kompromiss findet sich ja selten an den Extrempunkten, und wenn man "siedlungsbekannt" :ROFLMAO: Alternativen aufzeigt, dann sickert das schon so langsam bei den Leuten in den Bregen ein. Wir wohnen in einer ganz biederen Stadtrandstraße und es ist inzwischen ein zweites Lastenrad aufgetaucht!
Ja ok, das ein oder andere weitere Lastenrad gibt es hier auch. Natürlich auch jede Menge woom-Räder, „man hat hier ja Geld“, siehe 2x SUV. Aber: Das Geld nutzt man eben leider auch so: „Ich arbeite in der 8km entfernten Innenstadt. Da kostet mein Parkplatz beim Arbeitgeber 100€ im Monat. Teuer. Aber was soll ich machen? Ich BRAUCHE diesen Parkplatz!“
 
2013 wurde unser Auto gestohlen. Den Dieben bin ich inzwischen dankbar, denn seitdem machen wir als Familie fast alles mit dem Rad. Leider sind die Kinder inzwischen zu groß fürs Bullitt und fahren seit fünf Jahren das ganze Jahr hindurch selbst. Mit Lastenrad und Trekkingrad mit Anhänger sind wir als die Kinder drei waren bis hoch an die Ostsee gefahren und haben seither eine Reihe schöner, langer Touren gemacht (zum Beispiel im Sommer 2024 eine Selbstversorger Sheltertour durch Dänemark mit "eigenen" Badebuchten entlang der Ostsee, abends Feuermachen am Lagerplatz und gelegentlich Duschen in Seglerheimen als kleine Höhepunkte). Im Herbst 2024 waren zusammen an der polnischen Ostseeküste unterwegs und im Mai 2025 soll's durchs Erzgebirge nach Prag gehen. Für uns ist es die schönste Art, als Familie zusammen zu reisen und miteinander eine gute Zeit zu verbringen. Inzwischen fahren die Jungs und ich Gravelräder und wenn ich mich erst einmal schweren Herzens von meinem Bullitt getrennt habe, hole ich mir ein Omnium Minimax, das ich mir dann mit meiner Frau teilen werde. Sie fährt jeden Tag 26 km zur Arbeit und zurück. Nur wenn das Wetter mistig ist, nimmt sie die Bahn. Ich fahre bis auf seltene Ausnahmen das ganze Jahr hindurch. Motivationsprobleme hatte bisher noch niemand von uns und ich hoffe, das bleibt auch in Zukunft so. Nicht drücken, sondern ziehen ist mein Motto, um andere zum Radfahren- und reisen zu motivieren.
 
Zuletzt bearbeitet:
Das ist ganz wichtig, was ihr hier geschrieben habt, was das "Ziehen" angeht: So habe ich schon bspw. Kollegen animiert, mit dem Rad zur Arbeit zu fahren.
Bei den Kindern sind es die einsetzende Pubertät und andere Interessen, die das Freizeitradeln eingeschränkt haben; auch da gebe ich die Hoffnung natürlich nicht auf.
Sie fahren ja weiterhin recht selbstverständlich im Alltag Rad.
 
Dann nimm doch mal Kontakt mit z.B. den Menschen der Velokitchen Dortmund auf und schau mal auf S.27ff. Wir haben die letzte Schokofahrt als Familien-Radurlaub "getarnt"... :D
Die Idee ist prima! Nächste Woche sind wir eh schon im Urlaub, aber evtl käme die Tour im Herbst infrage… Allerdings tasten wir uns an solche Entfernungen (250 km von uns) erst noch ran. Aktuell sind wir bei 60 km, also seeeeehr entspannt ;) Unsere Kinder sind aber auch erst 6, 4 und Baby. Zu unserer Verteidigung ;) Aber ab der niederländischen Grenze ist es ja eh ein ganz anderes Lebensgefühl… Ich notiere es mir mal als Idee, danke!
 
Besonders lustig, als die Nachbarin von den Grünen einen Blick in unsere Garage warf (um ein Demoplakat abzuholen) und kritisch meinte, eine Garage sei zweckgebunden zum Abstellen von KfZ. Unsere ist voller Fahrräder, Werkbank in voller Länge und Regal für Gartengeräte gegenüber (auch volle Länge).
Dazu muss man wissen, dass hier ein Kampf um die Neupflanzung von Bäumen tobt, für die (oh Gott!) Parkplätze wegfallen, und sie liegt im Clinch mit erbosten Straßenparkern, die ihre Garagen ebenfalls lieber „zweckentfremden“.
 
eine Garage sei zweckgebunden zum Abstellen von KfZ
Das muss im Zuge der nötigen Mobilitätswende wohl auch mal angegangen werden. Eine Familie mit Fahrrädern, Lastenrad und Anhänger braucht einiges an Stellplatz dafür und es handelt sich um schutzbedürftige Werte.
Dazu kommt die Wohnraumknappheit und die massiv gestiegenen Mieten wodurch viele Leute in eigentlich zu kleinen Wohnugen wohnen.
 
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