Das Platzen der Blase - insolvente Lastenradradhersteller

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Die Lage der Fahrradhersteller ist nicht rosig.

@Kaffeetanne hat es gesagt:
Ich mache in dem Zusammenhang auch mal die Kassandra und sage voraus, das dieses Jahr noch einige Marken/Hersteller hops gehen werden.

An anderer Stelle kommen direkt die ersten Meldungen zur Insolvenz von Cargofactory:
@duffrider
Habe gerade leider festgestellt, dass sich die Firma seit Ende Februar in der Insolvenz befindet :cry:
Klick

Die Insolvenz von Hagen Bikes 2024 wurde hier im Forum schon besprochen.

In diesem Thread können wir weitere Insolvenzen sammeln und besprechen.
 
Was mich in diesem Zusammenhang überrascht: wie wenig Umsatz einige breitbeinig und groß auftretende Firmen gemacht und wie wenige Einheiten sie tatsächlich verkauft haben.
Da ist viel Wagniskapital oder privates Vermögen verbrannt worden.
 
Das ganze dürfte ja auch ein ziemlich harter umkämpfter Markt sein. Allein die Anfangsinvestitionen, um zum ersten Rad zu kommen, sind ja enorm.
Lax cycles stand ja zB mit 5 Rädern und 4 Menschen für 2,5 Tage auf der cyclingworld. Der Vorverkauf der Räder hat gerade erst begonnen und die ersten sollen Ende des Monats ausgeliefert werden. Da muss also die ganze erste Produktionslinie und die Prototypen vorfinanziert worden sein, genauso wie die vorherigen Messebesuche und das Personal. Da dürfte man schnell in einem mittleren fünfstelligen Betrag sein, den man erstmal wieder reinbekommen muss. Dafür muss man dann ja auch entsprechend groß auftreten, um überhaupt von einer breiteren Masse wahrgenommen zu werden.

Bei entsprechend großen (Lasten)Rädern mit breit gefächerten Programm (zb die verschiedenen Aufbauten für Ladenflächen, verschiedene Motoren etc) steigen ja auch die Kosten, zb für größere Firmenräume/Messebesuche oder auch um Räder für Handler bereitzustellen (oder man braucht viel Glück, dass es Händler gibt, die in Proberäder investieren wollen)
 
Wie @kunibald schon schrub: Das platzen der Blase - passiert immer, wenn alle möglichen CEO's meinen, auf ein neues (Nischen-)Produkt aufspringen zu müssen, obwohl es gute und eingeführte Marken mit einen gesunden Wettbewerb in dieser Nische gibt; einige "Lastenrad"-Modelle, die das Licht der Welt erblickten, waren ausschließlich auf Förderung entwickelt, womit naturgemäß der Markt ziehmlich verzerrt wurde...
Leider lässt der allgemeine politische Trend vermuten, dass die gesamte Verkehrswende und damit auch das Fahrrad als Verkehrsmittel erstmal zum Stillstand kommen bzw. schon gekommen ist... Jetzt wird deutlich, was es heißt, von 80 Jahren BRD 52 Jahre konservativ regiert worden zu sein.
 
Was mich in diesem Zusammenhang überrascht: wie wenig Umsatz einige breitbeinig und groß auftretende Firmen gemacht und wie wenige Einheiten sie tatsächlich verkauft haben.
Da ist viel Wagniskapital oder privates Vermögen verbrannt worden.
Hast du da eventuell ein paar Zahlen zu? Für Bubi habe ich es mir selbst überschlagen können, da in den Nachrichten zur Insolvenz Umsatzzahlen genannt wurden. Unter der Annahme dass die meisten Räder an Händler verkauft wurden, die Umsatzzahlen also die Verkaufspreise an die Händler widerspiegeln, komme ich da Pi mal Daumen auf ungefähr gut 500 Räder.
Und laut den Berichten waren sie damit weit von der Profitabilität entfernt.
 
Der Trend bedeutet leider auch, dass sich der Markt bei einigen wenigen Herstellern und Ihren Modellen konsolidieren dürfte.
Die Nachfrage ist sicher auch von Förderungen etc. beeinflusst, die vom politischen Willen abhängig sind.
Somit dürfte zeitnah erstmal ein Rückgang der Förderungen zu erwarten sein. Somit reduziert sich ein Teil der Nachfrage, denn nur noch überzeugte Nutzende mit Blick für eine "Verkehrswende" (weil ohne Wende) werden die Nachfrage stabil halten.

Lastenrad fahren muss sich finanziell rechnen. Anders geht es perspektivisch nicht.
Schade für uns und alle anderen mit Sonderwünschen an Ihr Lastenrad.
Meine Meinung.
 
Die Infrastruktur der Stadt hier schreckt auch potentielle Kunden ab. Wenig Park- und Lademöglichkeiten, meine Frau kann kein 30kg Lastenrad in den Keller wuchten, und ich würde mich da auch verweigern.
 
Ganz so negativ sehe ich es nicht, es haben sich in den letzten Jahren ja auch Neueinsteiger wie Muli oder Yoonit etablieren können.

Pedalpower scheint auch eine Nische gefunden zu haben:


Ich sehe da eher ein Problem bei den Herstellern von Familien Long-Johns. Trek, Cannondale, Bergamont und andere Räder mit Plastik-Box, Bosch-Motor und Enviolo sind ja ziemlich austauschbar. Da kommt es nur noch auf den Preis an und da wird es dann eng. Außerdem scheinen da auch besonders viele Leasing-Rückläufer bei den entsprechenden Plattformen aufzulaufen.
 
Diese Mama Taxis werden doch nur 3 - 7 Jahre gefahren dann stehen sie rum.

Es ist wie immer wenn Förderungen sprudeln, nach ein Paar Jahren ist der Markt tot.

Die Komponentenhersteller machen es den Produzenten auch nicht leicht mit ihren Rabattstaffeln. Zwischen 10 und 100 Motoren, Akkus etc. ist Preislich kaum unterschied.
 
Ein Markt ist niemals tot.
Ein Markt ist vielleicht gesättigt oder verunsichert. Das kann natürlich von Förderungen beeinflusst werden.

Ich kann mir vorstellen, dass ein LaRa Förderung für Hersteller schon eine deutliche Rolle spielt. Gerade wenn die nur LaRas machen, wie cargofactory(?) zum Beispiel.

Du bist halt abhängiger. Bist du vielfältiger hast du andere Probleme als die Abhängigkeit.

Mal gewinnt man, mal nicht.
 
Diese Mama Taxis werden doch nur 3 - 7 Jahre gefahren dann stehen sie rum.
Ich denke eher dass es weiter verkauft wird. Z.B sehe ich auf Kleinanzeigen viele gebrauchte Chikes wo als Verkaufsgrund "Kinder zu groß geworden". Es gibt ein paar Kabinen zu Verkauf weil man auf Cargo umgebaut hat. Daher nach den paar Jahren raumstehen denke ich eher nicht.


Es ist wie immer wenn Förderungen sprudeln, nach ein Paar Jahren ist der Markt tot.
Welche Beispiel gibt dafür?
 
Da ist viel Wagniskapital oder privates Vermögen verbrannt worden.
Verbrannt wurde das Geld ja nicht wirklich, es gehört jetzt halt nur einem anderen. :cool:

Der Trend bedeutet leider auch, dass sich der Markt bei einigen wenigen Herstellern und Ihren Modellen konsolidieren dürfte.
Was nicht zwangsläuft schlecht sein muss. Wie bereits zuvor erwähnt wurde, sind während dem Boom der vergangenen Jahre auch eine Menge Hersteller mit "me too"-Produkten aufgesprungen welche keine wesentlichen Innovationen oder Alleinstellungsmerkmale vorweisen können.
Um die ist es dann ehrlich gesagt nicht so schade. Schlimm ist, das es vermutlich aber auch viele kleine Marken treffen wird, deren Gründer oft mehr von Idealismus als vom streben nach Profit getrieben sind. Denen fehlt dann nämlich der finanzielle Spielraum um solche Tiefs wie wir sie im Moment erleben auszusitzen.

Außerdem scheinen da auch besonders viele Leasing-Rückläufer bei den entsprechenden Plattformen aufzulaufen.
Was zu erwarten war. Zumindest für diejenigen, welche den Markt objektiv betrachtet haben.
Im Endeffekt hat sich hier die ganze Branche selbst etwas vorgelogen und jeder Akteur sich für bedeutender gehalten, als er tatsächlich war.
Der ganze Klamauk erinnert mich ein bisschen an den Hype um den Neuen Markt um die Jahrtausendwende rum.

Es ist wie immer wenn Förderungen sprudeln, nach ein Paar Jahren ist der Markt tot.
Welche Förderungen? Abgesehen von lokal begrenzten Programmen einiger Städte und Gemeinden gab es in Deutschland keinerlei Subventionen im größeren Stil.
 
Die Infrastruktur der Stadt hier schreckt auch potentielle Kunden ab. Wenig Park- und Lademöglichkeiten, meine Frau kann kein 30kg Lastenrad in den Keller wuchten, und ich würde mich da auch verweigern.
Ich habe kürzlich eine Hausverwaltung gesehen, die im Innenhof ein Lastenrad wettergeschützt parkte und dies für die hunderten Mieter per Code vermietet.

Eine andere fusionierte soziale Hausverwaltung in München hat seit ca. 1 Jahr einen Mobilitätsversuch am Laufen. Die geben in einem Sozialbau umsonst Lastenräder, Anhänger, Trolleys und Lastenräder für mobilitätseingeschränkte Mieter raus.

Ich hatte mich da einmal länger mit einem Mieter unterhalten, der sich darum etwas kümmert.

Leider treffen die Entscheidungen, welche Mobilitätsmittel angeschafft werden, irgendwelche Bürokraten in den Behörden, die oft selbst nicht radfahren und auch die Thematik nicht richtig verstehen.

So wurden dort ziemlich unpassende Mobilitätslösungen geschaffen, die jedoch sauteuer waren und letztendlich nur wenig genutzt werden.


Aber Du hast Recht. Wenn die Infrastruktur der Stadtplaner gut geschaffen wird, dann ist für den Markt noch viel Potenzial nach oben.

Bei uns im Wohnblock wurden leider die Radkeller den Mietern genommen, die Räder stehen bei Wind und Wetter draussen und man kann viele dann nach einer Saison entsorgen. Teurere Räder wurden auch schon aus dem Innenhof gestohlen.

Ich lese bei Nebenan.de über meine Hood regelmäßig etwas über Raddiebstähle
 
Hmm, ich weiß ja nicht, was ich von dem Faden halten soll. Ziemlich viele Ungenauigkeiten, Schubladen und/oder Pauschalisierungen?
Wird schon werden und die Guten bleiben?
Ich sehe das Glas hier gerade lieber halbvoll und bin glücklich, dass ich selbst in meiner Bubble eine Großzahl möglicher Räder kaufen könnte.
Wenn ich mir beispielsweise die Entwicklung der Cyclingworld so anschaue, denke ich irgendwie nicht, dass alles SO schlimm ist.

Tatsächlich ist es schade um Marken wie Cargobikefactory/Kargon. Aber kann passieren bzw. dumm laufen. Bzw. da ist lange "nichts" passiert?
Auch das Händlernetz war, bis auf zwei Ausnahmen, auf die DACH Region konzentriert. Wenn ich mir die Ideenlosigkeit und den Pessimismus von so manchem Händler hierzulande anschaue, wundert mich nicht, dass nix verkauft wird.

Wenn so PON/Accell Kram hingegen verschwindet, bin ich irgendwie nicht traurig.
Und die Kleinen schlagen sich besser, als man gemeinhin denkt...

PS: Was haben wir denn noch so dieses Jahr an Insolvenzen?

Irgendwie habe ich das Gefühl, dass es eher entspannter wird?
Ok, Sprick war eher ein größeres Ereignis am Anfang des Jahres. Wenn ich aber Woom lese und wie der Laden geführt wird, wundert mich das auch nicht.
Auf die Schnelle habe ich das gefunden:

Sprick Cycle GmbH
Advanced Bikes GmbH
Hibike Bär KG und Hibike GmbH
SMAFO GmbH
eRockit AG
Internetstores GmbH (fahrrad.de)
Pole Cycles
Sachsenring Bike Manufaktur
Hackmann
Yeply Deutschland

Noch was?
 
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Schade um Cargofactory, aber vielleicht schaffen sie es ja.....war bei mir auch in der Vorauswahl wegen der Seilzuglenkung, fand ich interessant, aber aufgrund der Anforderungen BioBike dann im Vergleich zu teuer und zu eingeschränkt (vorne nur ein Kettenblatt, Federgabel zwingend, dadurch dann vermutlich auch zu teuer).....
 
Wenn so PON/Accell Kram hingegen verschwindet, bin ich irgendwie nicht traurig.
Dito gebe ich Dir völlig recht, gerade bei Letzterem, bei Ersterem sind einige Marken dabei, die waren mal führend oder zukunftsweisend mit Alleinstellungsmerkmal auch im Lastibereich, sind aber schon lange links und rechts überholt worden in Sachen Innovation.

Sehe das an einem Händler aus der Kreisstadt, hatte vor 3 Jahren viell. nur
n Bergamont als Lasti, mittlerweile alle PON/Accell Derivate zwischenzeitlich sogar Babboe uvm. und hats was gebracht? Schärft so etwas das Profil des Ladens?
Für mich völlig beliebig und auf Schlinger-/ZickZackKurs.
 
Dito gebe ich Dir völlig recht, gerade bei Letzterem, bei Ersterem sind einige Marken dabei, die waren mal führend oder zukunftsweisend mit Alleinstellungsmerkmal auch im Lastibereich, sind aber schon lange links und rechts überholt worden in Sachen Innovation.

Sehe das an einem Händler aus der Kreisstadt, hatte vor 3 Jahren viell. nur
n Bergamont als Lasti, mittlerweile alle PON/Accell Derivate zwischenzeitlich sogar Babboe uvm. und hats was gebracht? Schärft so etwas das Profil des Ladens?
Für mich völlig beliebig und auf Schlinger-/ZickZackKurs.

Ich weiß schon was du meinst bei Ersterem. Ich hatte ja selbst mal so eine Rad (UA) und habe dann auch erlebt, wie es zu PON ging und schwupp stiegen die UVPs und der Endverbraucher hatte irgendwie nichts davon, dass die Marke nun nicht mehr solo war (das Rad an sich war/ist fertigentwickelt, aber so ne Marge ist halt schon "geil").
Ok, vielleicht sind sie während der Pandemie so eher an Teile gekommen (die haben ja wirklich alles verbaut, was sie kriegen konnten und die Rahmen kamen auf einmal von zwei Lieferanten aus Asien ... und waren teils krum und schief), aber Mehrwert war irgendwie nicht da, nur Mehrpreis.

Selten kann man mMn beobachten, dass eine ehemals unabhängige Marke nach Übernahme nicht die Seele verliert.
Da mag es Ausnahmen geben, aber spontan fällt mir nix ein.
Bei Lupine bin ich jetzt auch mal gespannt.
Oder auch bei Cinelli und Columbus, die nun dem "Venture Kapital" gehören ....
Na ja, immerhin nur das und nicht auf einmal Teil eines ehemaligen Autoimporteurs ....
Schon fies der "Automotive Bereich". Nie hat man Ruhe vor denen. Hier in Frankfurt machen die auf einmal einen auf "Fahrradhändler", zur irgendwas müssen diese Brachen aka ehmalige Autohäuser ja gut sein ....
 
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Sodass sie danke Schubs mit dem kleinen Finger einfach so den Ständer einklappen lassen bzw. nicht sicher standen. Das neue Raincover spannte auch wie blöde und passte nicht anständig, je nach vorderem Rahmenteil, das verbaut war.
Qualität halt zum Mehrpreis dank Holding.

Aber BTT? Welche Insolvenzen haben wir denn noch?
 
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