Co 2 Bilanz beim Lastenrad

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Hat jemand Infos darüber?

Gefühlte 70- 100% aller Teile legen sehr große Wege zurück.

Wirklich Sinn macht die Anschaffung ja nur wenn ein Auto eleminiert wird. Aber hier im Urbanen Umfeld ist so ein Lastenbike eher ein zusätzliches Statussymbol.

Kaum ein Kunde juckt es was er da kauft.
Und die aktuelle Überförderung verheizt den Markt.
Die meisten Hersteller erhöhen die Preise um 3-500€ (ja der Rohstoffmagel und die Containerkosten) Meines erachtens wird in der Höhe Förderung abgegriffen, da ein sehr hoher Anteil der Fahrräder finanziert (leasing) werden und damit dem Endkunden wurscht ist.

wer hat genauere inputs?

Gruß Ralf
 
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Es gibt mehrere Aspekte:
1. Herstellung und Lieferung
2. Betrieb (=Ersatz für Auto)
3. Entsorgung

zu
1. mein Lastenrad hat keinen Motor und keinen Akku. 37kg Stahl, Holz, Gummi und Aluminium. CO2-Bilanz ist mir unbekannt. Besser als bei 2,5 Tonnen Auto
2. Ersatz für kurze Strecken innerhalb der Stadt, die besonders schlecht für Fahrten mit dem Verbrenner-Auto sind (kalter Motor, Ampelstarts, Parkplatzsucher, ...) Das Auto lasse ich dann immer gerne und sehr bewusst stehen. Genau dafür habe ich es mir angeschafft und nicht als Statussymbol. Das Parken direkt vor Belade- und Entladestelle macht mich glücklich.
3. Stahl und Alu werden recycelt, und der Rest verbrannt?
 
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Ich kann da nur zustimmen, durch Förderungen von Staatlicher Seite werden vom Hersteller die Preise nach oben angepasst.
 

bastiaen

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Wir haben das für die Velowerft ermittelt, indem wir die Gewichte der einzelnen Materialgruppen an verschiedenen (unmotorisierten!) Cargobikes überschlagen und mit deren carbon footprint multipliziert haben.
Quelle des carbon footprints ist Defra/Fraunhofer Institut. Recycling- und Transportanteil sind nicht berücksichtigt.
Den ganz überwiegenden Teil macht Aluminium aus. Wobei das natürlich auch mit steigendem Recyclinganteil wesentlich besser werden kann.
(Die Cargolis sind hier nur Dummybilder für Holzbauweise, da es damals noch keine Velowerft Cargobikes gab.)
Und die Maßeinheit ist kg!
carbon footprint vergleich.png
 
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Das Umweltbundesamt hat das mal vor einigen Jahren (2014) für E-Bikes durchrechnen lassen:


Z.B. hat man die CO2 Emissionen, die bei der Herstellung eines 400Wh E-Bikes Akku entstehen, schon nach 100km eingesparten Auto-km wieder reingeholt.
Am Ende werden es wohl 200-300 Auto-km sein, die man einsparen muss, damit es positiv wird. Wenn man natürlich sonst alternativ ÖPNV oder nen altes Muskel-Rad gefahren wäre, geht die Rechnung natürlich nicht auf.
 
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Schöne Aufstellung, interessant mal eine Größenordnung zu haben!
Nicht zu unterschätzen sind die Kosten für die Allgemeinheit, gerade wenn man den Vergleich zum Auto zieht.
Kürzlich wurde hier ein Artikel geteilt, der das ganz anschaulich dargestellt hat.
Zahlen des UBA:
Auto 5,66 Cent pro gefahrenem Kilometer
Fahrrad 0,36 Cent je gefahrenem Kilometer
Hier werden hauptsächlich die Kosten für die Herstellung verrechnet.
Interessanter sind die Zahlen eines schwedischen Forscherteams unter Stefan Gössling (2018)
Auto 27 Cent
Fahrrad - 30 Cent u.a. durch Entlastungen im Gesundheits- und Versicherungsbereichs.

Schöne Grüße

P. S. Quelle:
 
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Bei uns/mir fährt seit 6 Jahren ein Babboe City E als Dienstrad, die ersten Jahre zusätzlich als KiTa udn Supermarkt Express.
Ich habe vorher gemischt ein "normales" Rad und wenn Werkzeug notwendig war mein Auto benutzt. Ich habe keine genauen Werte, aber arbeitstäglich kommen etwa 10-14 km zusammen.

Meine Frau fährt Arbeits-, Kita- und Einkaufswege mit dem Lastenrad, ein gebrauchtes Bakfiets mit/ohne Motor oder einem Jobrad Veloe. Da kommen etwa 2000 (in Elternzeit) -4500 km im Jahr zusammen, die nicht mit einem Auto zurückgelegt werden (Wir haben eines, wen es interessiert: Dacia Dokker 1,2l, 112 PS Benziner)

Ich denke, daß sich das trotz mehrerer Räder positiv auf unsere CO2 Bilanz auswirkt.
Ein direkter Vergleich vorher/nachher ist aber schwer, meine Frau hat vorher im Sauerland gearbeitet und ist am Wochenende nach Köln gefahrenoder ich zu Ihr - mit dem Auto. Dort war wegen der Steigungen im Ort ein Arbeitsweg mit dem Rad nicht möglich, ÖPNV fand nicht so wirklich statt.
 
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Bei uns wurde statt eines Zweitwagens ein Lastenrad angeschafft, unmotorisiert, und hauptsächlich im Stadtverkehr eingesetzt. Das hat über die Jahre nach Daumenpeilung allein im Betrieb gute 2 Tonnen CO2 eingespart (gute 10.000 km Stadtverkehr über die Jahre).
Herstellung natürlich auch so ca. 90-95% weniger CO2 als ein Auto, einfach mal angenommen dass Herstellungs-CO2 proportional zum Gewicht ist.
 
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Danke Bastiaen,

Gut, zweiter Schritt der Diskusion.

Geht man davon aus das die Anbauteile zu 95% lange Wege haben (Ich weiß nicht ob die Co2 Transport Kosten in den Stoffwerten enthalten sind)

Wäre es doch immer vorteilhafter ein Fahrrad zu kaufen welches innerhalb "Europas" gefertigt ist. Ich meine nicht die Fahrräder welche zwar als deutsch, niederländisch, dänisch verkauft werden aber komplett aus Asien oder Amerika kommen.

Der durchschnittliche Anschaffungspreis eines Lastenrades mit Motor liegt bei rund 5500€ . Einheimische Produckte liegen bei etwas über 6000€

Wer sein Fahrrad selbst zusammenbaut hat mind. 3500€ zu zahlen.

gruß Ralf
 
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Das Babboe kommt aus China, beim Bakfiets kommen Rahmen und Kiste aus Europa.
Der Rest ist wie üblich wohl ein internationaler Mix.
Gibt es denn tatsächlich noch Komponenten (ausser Kleinserienmanufakturen wie Trickstuff o.ä.) aus Deutschland oder Europa?
Da wäre tatsächlich der Unterschied in Geld und CO2 interessant.
 

bastiaen

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Der Transport ist nicht enthalten. Schnelles googlen sagt mir für Seetransport 5-60g CO2/Tonnenkilometer. Da ein Cargobike groß und leicht ist und entsprechend wenige in einen Container passen, nehmen wir mal den schlechtesten Wert an.
Eine Tonne sind etwa 30 Cargobikes. Wir kommen also auf 2g/tkm. Der Seeweg China-Europa beträgt 10400 Seemeilen = 19260 km. Der Carbon Footprint für den Transport eines Cargobikes schlägt also mit knapp 40 kg CO2 zu Buche. Also verschlechtert der Import eines Cargobikes die CO2 Bilanz beispielsweise eines unmotorisierten Bullitts um etwa 20%.
Es klingt plausibel. Bin gespannt auf Einwände!

(Nachtrag: wenn ich mit einer Fahrt zehn Bastiaen Rahmen vom Rahmenbauer hole, komme ich auch auf 140g x 300 km /10 = 4,2 kg CO2/Rahmen. Für nur 300 km, gegenüber fast 20.000 km beim Transport aus China. Vielleicht sollten wir alle Containerschiff fahren. Pro Tonne ist das viel umweltfreundlicher.)
 
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Genau Bastiaen, das wollte ich anregen.
Ich will nicht verurteilen wer ein Bike mit hohem Transportrucksack kauft oder fährt.
Ein Fahrrad das aus naher Produktion ist, darf oder ist teurer und vielleicht trotzdem günstiger.
 

bastiaen

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Naja... Ein Rad ist nicht unbedingt besser, nur weil es lokaler produziert wird. Manufaktur ist wesentlich ineffizienter als Großserie. Analog zur Wirtschaftlichkeit gibt es auch ökologisch Skaleneffekte. Siehe Beispiel Transport Footprint. Ich könnte das deutlich reduzieren, wenn ich statt 10 Rahmen 100 Rahmen auf einmal transportiere. Aber soviel produziere ich nicht. Allein insofern ist der Vergleich Bullitt-Bastiaen schon Äpfel mit Birnen.
Wenn ich jeden einzelnen Produktionsschritt betrachte, wäre ich ganz und gar nicht sicher ob ich bei einem geringeren Footprint lande als ein Asienimport.
 
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Der Transport ist wirklich nen schwieriges Thema. Nen Rahmen aus der EU per LKW kann dann ja am Ende mehr CO2 verbrauchen als einer aus Taiwan.
Man sollte vielleicht noch festhalten, dass von den 10kg (?) Alu im Bullitt wahrscheinlich nicht alles neues Alu ist. Den hohen C02 Fußabdruck von Alu kommt durch die Verhüttung, Alu hat aber auch eine hohe Recyclingquote.
 

bastiaen

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Wobei angeblich die maximale Recyclingquote je nach Legierung sehr unterschiedlich sein kann. Das wäre ein Punkt, der mich sehr interessiert: stimmt die gute Bilanz für Recycling auch bei hochwertigen Legierungen wie 7020?
 
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Eher nicht. Die große Masse ist AlSn25 (Gussteile) und AlMg45 (Schmiede oder Matrizen) die wenigsten schrottys separieren die.
Geschätzte Co2 einsparung ca 40% von Neu Alu. Zur Neuproduktion brauchst du 10-20% Aluschrott + Legierungszuschläge.
AlSn25 kann direkt wieder gegossen werden. Zylinderkopf vom Auto ohne Kernlochdeckel, Ventlisitze, Führungen, Stehbolzen und Passhülsen gibt in Pakistan oder in Afrika ein Kochtopf.
 

bastiaen

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Damit wäre der Recyclinganteil bei dem im Rahmenbau verwendeten 60er oder 70er Legierungen gering(er)?
 
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