CargoBike als Lebensunterhalt, möglich?

Bin überzeugter Rad Fahrer und fast 50 Jahre alt. Meine Frage: Wie kann ich eine Existenz aufbauen auf einem Cargo Rad?
....Eigene Firma, Transport, Logistik. Kann das funktionieren?
ja...aber die Betonung liegt auf kann

blanke(r) Transport/Logistik ist ein hart umkämpftes Plaster, was sich auf den Verdienst niederschlägt.
Wenn du Beides mit einem Alleinstellungsmerkmal kombinieren kannst, kann das durchaus gut funktionieren.
Je nach Region solltest du aber nicht zu engstirnig aufs Bike fixiert sein, sondern flexibel kombinieren/abdecken können.
(diese 3 Zeilen beschreiben meinen seit 20 Jahren selbstständigen Job, der aus spezialisiertem Aussendienst, Bierlieferung und Mikro-TK-Logistik besteht...)
Selbstständig sein heisst bei mir NICHT, knapp am Mindestlohn vorbei Zeitung ausfahren o.Ä.
Um ein Cargobike mit der nötigen (gewerblichen) Sicherheit täglich auf die Straße zu bringen, benötigst du einige Investitionen in Arbeitsgerät/Arbeitskleidung.
Für den "Aufbau einer Existenz" wäre es in deinem Alter sinnvoll, wenn du noch irgendwo eine kleine Festanstellung hättest (für die KK) ;)
 
Ich bin jetzt irgendwie davon ausgegangen, dass ein Lastenrad im Besitz ist und man damit ohne größeren finanziellen Einsatz starten kann.
Die Idee ist an sich gut und sinnvoll. Aber wie schon angesprochen sehr schwer gewinnbringend an den Markt zu bringen.

Mir fallen da wirklich gerade nur so dinge ein wie Rewe Lieferdienst, Wäschereien, Apotheken, der Bauernladen am Ort etc. Also bestehendes aufgreifen mit festen gewerblichen Partnern die dich dann als Service anbieten.

Wie schon von mir und anderen angesprochen wäre es gut den Ort zu kennen in dem du tätig sein möchtest.
Viele hier kennen vieles und können vielleicht hilfreiche Tipps geben.
 
Und schon wieder fällt mir etwas ein. Ich bin jetzt nicht der Super Techniker, aber wenn ich ein Geschäft um ein Fahrrad herum aufbauen würde, dann muss die Technik rocksolid sein, am besten so wenig wie möglich Gimmicks haben und sehr einfach zu warten. Selbst bei den Bremsen würde ich vermutlich auf mechanische Scheibenbremsen setzen, der Seilzug lässt sich unterwegs auch mal "schnell" tauschen, wo man mit hydraulischen erst mal da steht und Hilfe braucht.
Wenn Du natürlich nicht nur ein Rad hast, also auch für Backup gesorgt hast, dann ist das weniger kritisch, Zeit verlierst Du trotzdem. Am Ende des Tages ist es aber den Kunden egal warum Du nicht Deine Leistung gebracht hast wenn Du sie schlicht und einfach nicht erbracht hast.
Wir haben hier im Rettungsdienst für jeden Fahrzeugtyp Ersatzfahrzeuge herumstehen. Je nach Typ und insgesamt eingesetzter Menge wird der jeweils geographisch durchs Ersatzfahrzeug abgedeckte Bereich größer oder kleiner, aber eben so dass es statistisch ausreichend Ersatz gibt dass der Kunde, also der Bürger nicht zu hören bekommt "wir hatten heute ein Fahrzeug zu wenig, deswegen hat es länger gedauert bis die Kollegen bei ihnen waren...". Beim Personal ist das nicht so einfach, aber zumindest die Technik wird vorgehalten...


Unglaublich, was hier gerade passiert. So viel Text habe ich sehr lange nicht gelesen! Das Wochenende kommt gerade rechtzeitig. Danke erst mal an alle, danke!
Dann nimm Dir bitte noch etwas mehr Zeit und durchstöber mal das Forum. Hier haben schon so viel tolle und schlaue Leute Dinge zu Papier, äh also Bits und Bytes gebracht, ich hab noch nicht mal ansatzweise alle interessanten Posts lesen können und entdecke immer wieder irgendwas tolles. Manchmal denk ich mir dann "hätt ich das mal ehr gelesen..."

Moin, in unserer Kleinstadt gab es den Versuch auch. Wie ich gerade lesen musste, leider nur bis Ende letzten Jahres.
Vielleicht kannst du da ja mal Kontakt aufnehmen und hören, was gut lief und woran es dann lag, dass der Plan letztlich nicht aufging.
Es wurde auf jeden Fall wert auf einen vernünftigen Internetauftritt gelegt. So auf den ersten Blick kann man da erst mal nicht meckern. Ich hab jetzt nicht alles getestet was mir so einfällt aber die ersten Fallstricke wurden umschifft.
Einzig bei Kleidung und Rahmenfarbe von Bullitt sowie Carla Cargo hätte ich versucht das CI/CD weiter durchzuziehen, also mit orange-grün zu arbeiten. Wiedererkennungswert kann man nicht immer direkt in Zahlen messen, kann aber schon allein unterbewusst beim Kunden viel ausmachen.
Ob der Mitarbeiter der Post auf seinem gelben Rad sitzt, im gelben StreetScooter, oder einfach nur zu Fuß unterwegs ist - ich kann ihn eben als Mitarbeiter der Post identifizieren und mein Anliegen an ihn richten. Positive (ein stringentes CI/CD) oder auch negative (sehr lockerer Umgang mit CI/CD) hätte ich noch genug...

(diese 3 Zeilen beschreiben meinen seit 20 Jahren selbstständigen Job, der aus spezialisiertem Aussendienst, Bierlieferung und Mikro-TK-Logistik besteht...)
Selbstständig sein heisst bei mir NICHT, knapp am Mindestlohn vorbei Zeitung ausfahren o.Ä.
Um ein Cargobike mit der nötigen (gewerblichen) Sicherheit täglich auf die Straße zu bringen, benötigst du einige Investitionen in Arbeitsgerät/Arbeitskleidung.
Kannst Du grob Überreisen wieviel Arbeitszeit Du im Schnitt in der Woche investierst?
 
Wäre das hier was?
 
Zur Vorgeschichte: Das war für mich die Einsteiger Lektüre, allerdings habe ich damals noch in den USA gewohnt und bevor ich etwas auf die Beine (Räder) stellen konnte kam Schwangerschaft und dann kam Door Dash auf den Markt und dann bin ich zurück nach Deutschland. Wenn Du es leihen willst, sage Bescheid, ist aber auf Englisch.
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Zu meiner Marktanalyse: Jetzt wohne ich in Dresden, hier liefern Rewe und Konsum mit Lieferwagen, dann gibt es diverse Frost Lieferdienste (Bofrost, Eismann), Getränke Dienste (Kette und klein), es gibt ein Fahrradkurier Kollektiv (ImNu), die haben auch ein Lastenrad und der ADFC hat viele freie Lastenräder über die Stadt verteilt. Aber der Markt der Nischen scheint nicht gesättigt. Ich lebe in einer Gegend mit vielen Rentnern, 1 mal die Woche kommt bei uns ein Marktwagen (Sortiment Tante Emma Lebensmittel Laden: Brot, Eier, Milch, Wurst, Waschmittel und so) die Straße lang, da gibt es einige "Ommas" die dann an nem Strick das Einkaufskörbchen aus dem Fenster lassen, mit Zettel und Portemonnaie und der Fahrer packt alles rein und nimmt sich das Geld raus. Es gibt aber auch Pflegedienste, die einen zum Einkaufen fahren, nur kenne ich da dir Voraussetzungen nicht, meine Mitte 80 Nachbarn standen dumm da, als der örtlicheSupermarkt renovierte, selber kein Auto, Straßenbahn Haltestelle nicht barrierefrei, ich bin dann mit ihnen einkaufen gewesen, mittlerweile werden sie aber gefahren. Das sind die Leute, die von der Digitalisierung nichts haben, weil sie nie nen Computer benutzt haben. Die erreicht man sicher nur mit Flyer und lokaler Festnetznummer (die man ja umleiten kann).
Wenn es bei Dir auch solche Leute, aber weniger solche Dienste gibt, wäre das ja schon mal ein erster Gedanke.
Dann gucke ich mir unseren Kleingarten an, der Verein ist winzig, auch wieder viele alte Leute, keine Autos (und die Zuwege auch nicht groß genug um zum Garten zu fahren und davor Parken geht auch nicht), wenn die etwas aus dem Bau-/Gartenmarkt benötigten, ist es schon vorbei. Bestellungen werden ja nur nach Hause gebracht, nicht 3 Straßen weiter am Eingang der Gartensparte abgeliefert. (Obwohl ich auch hier ne Dame sehen, die mit 80 auf ihrem Fersenporsche Säcke mit Erde ran schleppt, so bleibt man wohl auch fit). Da hättest Du vielleicht auch ne Chance rein zu kommen.
Oder Zeug zum Wertstoffhof bringen, je nachdem wie die Sperrmüll und Recycling Situation bei euch geregelt ist.
Oder kaputte Räder zur Werkstatt (soll ja Leute geben die nicht im ADFC sind und keinen Schutzbrief haben ;-) )
Ist eben alles Kleinvieh, macht ja aber bekanntlich auch Mist.

Zu den Transportmöglichkeiten: Wenn das Lastenrad am Anfang zu teuer ist, fange vielleicht mit einem Hänger an.

Naja, und zum Thema "langsam anfangen, wenn man Hartz IV Empfänger ist" wurde ja schon viel gesagt. Da habe ich nix beizusteuern außer Beileid dank eigener Erfahrungen. Ich hoffe Du findest einen Weg raus und dann zur Selbstständigkeit. Ich drücke die Daumen.

So, ich hoffe mein pre-Kaffee gesabbel macht Sinn. Sonst einfach fragen.
Bearbeitet um noch zu sagen:
Ach so, da ist mir noch was eingefallen.
Der private Gebraucht Waren Markt ist vielleicht auch ne Überlegung wert.
Wer ne Waschmaschine (Lastenrad Transport Klassiker) von eBay Kleinanzeigen, oder anderen einschlägigen Seiten, kauft, hat nicht unbedingt die Möglichkeit sie auch abzuholen (bzw wird sie dann gar nicht erst gekauft).
Unsere örtlichen Share and Care Gruppen sind voll mit "kann mir das jemand fahren" Anfragen. In unserem Fall würde das tatsächlich unser Fahrradkurier, gegen Bezahlung, machen, wie sieht es bei Dir aus?

Oder sonntägliche Brötchenliefergdienst in Zusammenarbeit mit nem Sonntagsbäcker.

So, jetzt aber keine Einträge mehr ohne Kaffee
 
Zuletzt bearbeitet:
Wohne zur Zeit in Mainz - vorher war ich in Giessen. Eine Zeit lang Karlsruhe und Stuttgart. Pfennige verdiene ich hin und wieder (wie gesagt: Nachbarschaftshilfe) per IT-Support (die üblichen Kleinigkeiten bei iOS und Win: Von System-Neu-aufsetzen inkl. Netzwerk bis "Mein Google geht nicht mehr!"), daneben Garten-Landschaftspflege (Kettensägenschein), Fliessenlegen, Parkett legen, Häuser anstreichen, Wasser- und Heizungsinstallation, Babysitter. Auto schrauben. Fensterputzer. Die Alltagssachen, die wir alle machen. Habe offenbar kein besonderes Talent - aber ich stelle Nachfrage in all´ den genannten Bereichen fest.

Ich prophezeihe der Elektrologistik eine grosse Zukunft . Da möchte ich einhaken. Das ist die Zukunft - zumindest in den Innenstädten. Das will ich sein.
 
Nachfrage ist schön, aber die Nachfrage muss auch so groß sein dass Du am Ende davon leben kannst, weil die Nachfragenden auch bereit sind Deine Preise zu bezahlen!

Manchmal sind gewisse Dinge Ihrer Zeit auch einfach voraus. Apple Newton ist da so ein Beispiel, das Konzept wurde später wieder sehr erfolgreich aufgegriffen, allerdings fast eine Dekade später...
 
Habe in der vergangenen Zeit festgestellt, dass es schwer ist, Dienstleistungen an Privatkunden zu verkaufen. Die wollen am liebsten alles, aber ohne Rechnung - sofern man keinen Meisterbrief hat (habe ich nicht). Daher mein bisheriges "Modell". Oben, in den Beiträgen, stehen so viele Informationen, das werde ich zzusammenfassen und zwei, drei verschiedene Modelle erarbeiten. Wie konnte ich nur so lange "schlafen" und habe nicht schon viel früher gefragt???
 
In unserer schweizer mittelgrossen Stadt hat es ein Einzelunternehmer, der mit seinem Cargo Bike mit grossem Anhänger bei Privaten und Geschäften Recykling Gut abholt und dieses zum Recyclinghof bring.
Das Projek bzw die Person wird von Sozialen „Stellen„ unterstützt.
Der Erfolgt hängt wohl davon ab, ein Kundschaft in unmittelbarer Nähe zu finden und sich efiziente Sammeltouren organisieren lassen...
Geschäfte und Restaurants scheinen wohl am besten und am regelmässigsten zu zahlen.
Grade in Corona Zeiten scheinen die Leute froh zu sein, nicht zum Ökihof zu müssen
 
Ich fass mal zusammen: fast 50 Jahre alt, keine Berufsausbildung, Kettensägenschein (in der Regel ein 1-2 Tage Kurs), Praktika in der Landwirtschaft. Talentfrei nach eigenen Angaben, aber soweit vorhanden, dass es für Tätigkeiten im Rahmen der selbsterklärten Nachbarschaftshilfe reicht.
Trotz Hilfe zum Lebensunterhalt und "Einkommen aus Nachbarschaftshilfe" keine Möglichkeit ein Fahrrad anzusparen.
Und jetzt möchtest Du dich Selbstständig machen, Hut ab.

Was bitteschön ist Elektrologistik?
 
Elektrologistik ist es gewissermaßen auch, mit dem Elektroauto für die Deutsche Post Briefe und Päckchen auszufahren.
Die haben auch Elektroräder. DPD liefert zum Beispiel auch mit überdachten E-Dreirädern im Stadtgebiet Regensburg aus.
Selbständigkeit klingt auf dem ersten Blick ja schon nett, aber meistens reicht das Einkommen ohne Selbstausbeutung erst dann zum Lebensunterhalt, wenn man vorher ein Mehrfaches eines Jahresgehalts investiert hat.
 
Ich verfolge auf YouTube einige Kurierfahrer aus London, Bristol und den USA (NYC und LA). Diese fahren überwiegend nur noch für Uber Eats, Doordash und co. und die meisten optimieren ihre Arbeitszeiten nach den Bonus-Zahlungen, die besagte Anbieter in Spitzenlastzeiten auszahlen. Keiner fährt da ganze Schichten oder länger als ein paar Stunden am Stück. So viele Aufträge gibt es nicht (oder man muss weit fahren) und der kalkulatorische Stundensatz wäre dann 5$ oder weniger.

In Deutschland gibt es meines Wissens bei keinem Anbieter solche Zuschläge und die Möglichkeit sich ad-hoc ein und auszubuchen ohne Schichtplanung. Deshalb halte ich das ganze Geschäft für nicht sinnvoll in D umzusetzen. Vermutlich gibt es deutschlandweit nur Lieferando, die zahlen meines Wissens Festgehälter pro Stunde und erwarten Planbarkeit und eine Mindestanzahl an Stunden pro Woche. Als Fahrender kann man hier keine bzw nur schwer "die Rosinen" picken.

Wahrscheinlich ist es der einfachste Weg einzusteigen, wirst aber immer abhängig bleiben (dafür reicht ein normales Rad bzw manchmal stellt Lieferando auch Räder bereit). Mit sehr viel Phantasie könnte man noch versuchen, mit Endkunden ins Gespräch zu kommen und eventuell seine Fähigkeiten im Kurier- oder anderweitigen Bereich (was man kann oder erlernt hat) zu empfehlen. Ob das realistisch ist… keine Ahnung.

Der hier von anderen angesprochene Ansatz, für DHL, UPS, DPD und co zu fahren wäre sicher auch interessant, wird aber meines Wissens nur in Städten durchgeführt, die allgemein hohe Lebenshaltungskosten habe (zB hier in Teilen von München) was jede Bezahlung auch wieder lächerlich erscheinen lässt. Mögliche Jobs im Radbereich dürften durch die Sharing-Anbieter (Nextbike, Swapfiets) steigen, vielleicht auch da mal schauen. (Field-Service, Transport/Rückholung von Räder etc)
 
Wie sieht es denn mit den "allgemeinen Voraussetzungen" für Tätigkeiten in dem Bereich aus ? Was sagt das Ordnungsamt zu einer Gewerbeanmeldung.....polizeiliches Führungsszeugnis ? Wie ist das mit deiner Wohnung....Abstellplatz für den Fuhrpark, Lastenrad , Anhänger Ersatzteile.. platz für kl. Werkstatt, gewerbliche Nutzung der Räume erlaubt ? Wie ist das mit der Haftpflichtversicherung für Gewerbetreibende ? Zu guter letzt... wie ist das mit deiner Kondition ? Jeden Tag ... oder auch nachts mind. 3 Std. volle pulle Radfahren drin ?

:) Helmut
 
Führungszeugnis brauchst du nur bei ganz bestimmten Gewerbearten (§§29-40 GewO). Für die Anmeldung brauchst du erstmal nur den Ausweis, das Geld für die Gebühr und das war's dann.
 
Logistik als Selbstständiger anzubieten halte ich für keine gute Idee. Wie willst Du Deine Kunden an Urlaubs- Kranken- oder sonstigen Ausfalltagen bedienen?

Die Radkuriere bei uns sind fast immer mit einem "normalen" Zweirad unterwegs. Manchmal haben die einen einrädigen Hänger, selten ein Lastenrad. Angeboten werden vor allem Botendienste für Banken und Gerichte u.ä. und Postfachleerungen.

Im Bereich Nahrungsmittellogistik wird es als Einzelkäpfer schwer, vor allem wenn Du nicht für Privatleute fährst. Auch angestellt ist das zumeist recht prekär: https://www.zeit.de/arbeit/2019-01/arbeitsbedingungen-deliveroo-foodora-mitarbeiter-fahrer-kontrolle

Bei uns liefern inzwischen einige Dienste (GLS, UPS und CityPost) in der Fußgängerzone auch Pakete durch große, dreirädige Lastenräder aus. Das ist die "letzte Meile" in einer großen Logistikkette.
 
Ich bin morgen hier angemeldet:

Speziell kolyma und die dahinter stehenden smart eG / coopcycle sowie die EOTL-Software finde ich sehr interessant.
Ich beobachte den Markt aus Kundensicht schon lange, erinnere mich an Pizza.de-Bestellungen aus 1999. Das ganze hat sich nach viel verbranntem Risikokapital und einer massiven Rabattschlacht zu einem Monopol für TakeAway entwickelt, was nicht nur Kunden sondern auch Gastronomen schröpft.

Ich hoffe, dass die beiden Initiativen erfolgreich sind und den Markt aufrollen. Neben der Plattform und der Zustell-Logistik dürfte auch das Inkasso eine steuerliche und regulatorische Herausforderung sein. Das gilt auch für alle anderen Kuriere, die Zahlungen abwickeln für Dritte.
 
Ich prophezeihe der Elektrologistik eine grosse Zukunft . Da möchte ich einhaken. Das ist die Zukunft - zumindest in den Innenstädten. Das will ich sein.
JA, das ist die Zukunft, aber erst wenn die Politik die Innenstädte für Autos und insbesondere für den Lieferverkehr mit Verbrennungsmotor sperren. Nur dann bringt dir die Elektromobilität Vorteile, und auch nur dann, wenn die großen Zusteller blind und taub sind.

Ich würde an deiner Stelle deinen Nachbarschaftsservice als Gewerbe anmelden. Dafür mehr Werbung machen - Flyer, Hompage, Klinkenputzen - und hier möglichst viel anbieten, quasi alles was du dir zutraust und wo es keinen Meisterzwang für gibt. Kurierfahrten, zB den Hund zum Tierarzt oder Einkäufe, können ja auch zu deinem Leistungsspektrum zählen.
 
Ich (eigentlich soll man keinen Satz mit "ich" beginnen) stelle fest: Als Ein-Mann- Aktion wird es wohl nicht funktionieren. Es sindKollegen gesucht, alleine schon um erstens das Risiko des Krankheits-Ausfalls zu minimieren (Stichwort Zuverlässigkeit gegenüber Kunden) und zweitens Reichweite aufzubauen.

Das ist aufwendig, was ja oben bereits beschrieben wurde. Warum sollte ich besser sein, als Unternehmungen, welche den Geschäftsbetrieb eingestellt haben? Mussten? Das gilt es zu ergründen.

Sollte das aufkommende (davon bin ich überzeugt) Geschäftsmodell "Elektrologistik" (also Logistik-Dienstleistungen basierend auf eben diesem Antriebskonzept) den etablietrten, "Großen" überlassen werden? Diese haben garantiert bereits etwas in der Schublade. Es gilt: Schneller sein und billiger. Zu verlieren habe ich eh nichts - los geht´s.
 
Aus eigener Erfahrung würde ich Dir raten, es nicht als Einzelkämpfer mit eigenen Kunden zu versuchen. Kunden sind nicht planbar. Und wenn es mal schnell gehen soll und Du nicht in der nächsten halben Stunde abholst ist der Kunde weg. Selbst wenn Du viel weniger Geld verlangst als Deine Konkurrenz. Hätte ich damals gewusst was Kurierfahrer bedeutet, hätte ich es nicht gemacht. Da ich aber sehr gerne Rad fahre und man damals viel Geld verdienen konnte, habe ich einfach angefangen. Nach der Finanzkrise 2008 änderte sich vieles. Firmen und damit Kunden waren weg. Einige aus der Kundschaft wurden selbst Kurierfahrer, also meine Konkurrenten. Durch die zunehmende Digitalisierung brauchten uns Branchen wie Film und Fernsehen auch nicht mehr. Heute bist Du am besten beraten als Subunternehmer Dir Aufträge aus Zentralen zu holen. Oder Du machst etwas spezielles wie Apotheke-Tour oder Proben ins Labor fahren. Für Laborfahrten braucht man eine Gefahrgut-Schulung.
Ich würde am Anfang bei einer Kurierzentrale anfangen und Aufträge für die fahren. Man bezahlt monatlich eine Provision an sie, dafür dass sie die Kunden betreuen, Büropersonal, usw. Die Einen wollen einen festen Betrag, die anderen prozentual von Deinem Umsatz.
Parallel kannst Du dann noch eigene Kunden haben. Solche mit denen man Termine festlegen kann. Sowas würde ich aber niemals nie meinen Kollegen erzählen. Und schon gar nicht der Zentrale. Erstens gibt es Verdacht, Du könntest Kunden von der Zentrale abwerben und zweitens der Neid der anderen.
Bei DHL, Hermes und DPD hast Du als Einzelner keine Chance. Entweder mit Angestellten und möglichst großen Lastenfahrrädern oder mit anderen Selbstständigen zusammen. Du bekommst Zustellgebiete von denen und täglich einige hundert Sendungen. Vielleicht würden sie sich eher auf eine Briefe-Tour einlassen. Du ersetzt also das Postfahrrad. Problem an allem ist immer Ersatz im Krankheitsfall oder Urlaub zu finden. Am leichtesten ist es bei der Kurierzentrale. Wenn Du nicht fährst, dann Deine Kollegen.
Essen ausfahren a la Deliveroo, Lieferheld und ähnliche Ausbeuter-Läden.... vergiss es. Habe mich mal mit einem Fahrer unterhalten. Der wusste gar nicht welcher Wochentag gerade war. Einsatz bei jedem! Wetter und möglichst rund um die Uhr wird dort gerne gesehen. Als Student oder als Übergangslösung ist das noch ertragbar, dauerhaft macht es Dich depressiv und krank.
Was definitiv wichtig ist und wichtiger wird sind Kontakte und sich ein Netzwerk aufzubauen.
 
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